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 Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten

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AutorNachricht
John Watson
The good doctor


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~Der Charakter~ :
Mein Name ist John Watson und ich bin auf den Tag genau 40 Jahre alt. Ich wurde in London geboren und wohne heute in London. Beruflich bin ich Arzt. Außerdem bin ich bekannt als hoffentlich doch loyaler Freund und guter Arzt. Aktiv im Inplay? Ja, seit dem 18.11.14



BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Di Sep 02, 2014 10:59 pm

John war froh, dass Sherlock nach seinem vorletzten Satz Wirkung zeigte und aufzuschrecken schien. Doch nach seinem letzten Satz, seiner Vermutung die der Arzt damit aussprach, schien er einen Moment inne zu halten. Zu überlegen. Watson rügte sich gedanklich schon für seine Vermutung. Wahrscheinlich würde der Detective gleich sagen, wie unwahrscheinlich es wäre, dass von Moriarty dieses Buch hier kam. Dass die Frage total unnötig und unüberlegt war, dass eine Wahrscheinlichkeit von Moriartys Besuch bei weniger als 10 Prozent liegen würde. Vielleicht würde John sogar zu hören bekommen, dass er das offensichtliche übersehen hatte, dass es weitaus andere Leute gab, die ebenso verrücktere Ziele verfolgten. Welche Ziele das auch immer waren. Doch Watson merkte, dass all diese Befürchtungen doch eher seine Hoffnungen waren. Seine Hoffnungen, dass er falsch lag, mit seiner Vermutung. Das nicht Moriarty hier sein Unwesen getrieben hatte. Jedoch war Sherlocks Antwort, die Bestätigung, dass es doch so war. Seine Vermutung wurde bestätigt und sogleich rasten Millionen von Fragen durch seinen Kopf. Mitunter eine, was dieser kranke Mensch sich in einem Kindergarten erhoffte zu finden, zu bezwecken. Was hatte dieser Moriarty vor?
Wircklich kennengelernt hatten er und Sherlock diesen Menschen ja erst, als sie im Pool waren. Als Sherlocks wirklicher Erzfeind, konnte man das so nennen?, vor ihnen stand. In diesem Schwimmbad. Dem Arzt war schon klar gewesen, als der eine Fall, den er selbst später als The Great Game in seinem Blog betitelt hatte, hart werden würde. Dass ein komplett wahnsinniger hier seine Finger im Spiel hatte. Erst die Frau mit der Sprengsatzweste, dann der Mann, die alte Dame und der Junge. Besonders bei dem Jungen schrillten bei John alle Alarmglocken, dass diese Mann verdammt skrupellos war. Oder eher der stille Beweis, dass Moriarty vor nichts zurück schrak. Er war der, der die Fäden gezogen hatte, er war der Consulting Criminal und vielleicht würde Wahnsinniger für ihn noch ein Kompliment sein. Das schlimmste war jedoch, dass John nicht mal wusste, was Moriarty als letztes mit ihm vor hatte. Weshalb er ihn als „Geisel“ genommen hatte. Wollte dieser Mann spielen? Fand er die ganze große Welt bloß ein Spielplatz und die Menschen als Spielzeuge. Der Arzt konnte ungehalten einige Parallelen von Moriarty und Sherlock zueinander aufzählen, doch eins unterschied beide voneinander. Der eine stand auf der bösen Seite und der andere auf der Guten. Bisher schien es immer so, als hätte das Gute gewonnen, doch wie würde diese Sache diesmal enden? Mit Sherlocks Worten, der Ausdruck: hemmungslos, wusste John, dass das hier auch für den sonst so scheinbar gefühlskalten Detective ein ganz neues Terrain war. Eine ganz andere Ebene. Den hier waren Kinder im Spiel.
Watsons Haltung richtete sich leicht auf. Eine weitere frage von unendlich vielen. Was hatte er vor, was wollte der Typ in einem Kindergarten anstellen, was wollte er mit den Kindern? Wieder Fragen, mehrere Fragen. Wie kam er hier rein? Woher kam das Märchenbuch, wieso hatte er es überhaupt verfasst? Um zu spielen?  John würde liebend gerne einen Schalter erfinden, bei denen man seine Fragen einfach abschalten konnte, aber anders als bei dem Detective, der sich wohl nur auf die wichtigen Fragen konzentrierte und alle anderen aussonderte, ging dies bei normalen Leuten nicht. Der Arzt schloss für einen Moment seine Augen. Ja, Moriarty hatten sie beide kennen gelernt. Der Detetctive und er. Die Worte wusste er noch so genau, als wäre es erst vor Stunden her gewesen, seit dem Vorfall in dem Schwimmbad. Der Arzt wusste immer noch nicht, was man an solch einem Menschen brillant finden konnte, aber Sherlock schien damals auch fasziniert. Wahrscheinlich aber eher davon, dass dieser Moriarty ihm ein ebenwürdiger Gegner war, der genauso eine Intelligenz besitzte wie er. Obwohl John das mit der Intelligenz immer noch bezweifelte. Sherlock Holmes, ihm konnte niemand das Wasser reichen, vielleicht mit der Ausnahme seines Bruders, aber Moriarty war mit seinen wahnsinnigen Gedanken weit davon entfernt.
Der Arzt schloss kurz seine Augen und spürte wieder diese Weste mit Sprengsatz um seinen Körper, den ihm zwei von Moriartys Handlangern, war das der richtige Ausdruck?, ihm damals mit roher Gewalt die Weste anlegten. Und obwohl John sich anfänglich wehrte, lies er es dann doch widerstandslos über sich ergehen, als sich schon einer von Moriartys Scharfschützen in Position gebracht hatte und wohl zu gerne mehr als nur einen roten Punkt auf Johns Brustkorb zeigen wollte. Aber darum ging es nicht. Es ging darum, dass Moriarty die Arbeit seinen Männern machen ließ und mit diesem irren Blick beobachtete, wie John die Weste umgelegt bekam. Moriarty machte sich ja nicht gern die Hände schmutzig. Er koordiniert lieber andere, die für ihn die Arbeit machten. Der Arzt öffnete wieder die Augen und der Druck auf seinen Schultern, der sich beinahe wieder wie diese Weste angefühlt hatte, verschwand als er Sherlocks gemurmelte, Fragen hörte. Diese waren schon fast zu leise, als dass er alles verstand. Eins war John jedenfalls sicher. Er wollte Moriarty, sollte er es wagen, hier wirklich aufzutauchen, „höflichst“ für die Weste danken und sich angenehmst Revanchieren. Auch wenn er noch nicht wusste wie. Jetzt hatten sie aber erst mal andere Sorgen. Erstens, wie kam Moriarty hier rein? Wie sollten sie sich verhalten? Vorsicht war geboten, besonders bei einem solchen Typen, wie diesem. Und vor allem, was wollte er den hier? Hier wo sich Unschuldige befanden. Ach halt, das hatte John ja beinahe noch vergessen. Jemand wie dieser Typ, zog ständig Unschuldige mit rein, wenn er seine Finger im Spiel hatte. Der Arzt stellte sich vollends aufrecht hin, es gleichte einer militärischen Haltung und dennoch war sein Blick, sollte Sherlock aufsehen, offen und aufmunternd, dass sie Moriarty überstehen konnten, ihn vielleicht in die Flucht schlagen konnten, auch ohne geheimen Anruf. Doch Sherlock sah nicht auf. Er musterte immer noch das Buch, als könnte er noch mehr Antworten daraus erhalten.
Erst Nina und ihre Frage lies auch John seinen Blick wieder zu ihr und der anderen Erzieherin wandern, die beide immer noch etwas verwirrt wirkten. Auf Sherlocks Antwort hin, wusste er genau, dass eben nichts war und es war eben nicht alles in Ordnung. Wie konnte es auch in Ordnung sein, wenn Moriarty sein Unwesen treiben wollte? Anscheinend sollten die Erzieherinnen nicht unnötig beunruhigt werden. Was auch richtig war. Im Allgemeinen würde diese Unruhe der Erzieherinnen nur auf die Kinder übertragen werden und diese wiederum würden fragen stellen, was den los wäre. Und das war in den nächsten Tagen nicht wirklich angebracht. Das wichtigste war, ruhig an die Sache ranzugehen. Doch konnten sie das schaffen, wenn sie nicht ein mal wussten was Moriartys verrückte Pläne waren? Warum er sich genau den Kindergarten für sein nächstes Spiel aussuchte? Der Arzt wandte seinen Blick wieder dem Detective zu, als dieser das Buch zuschlug, es auf ein Regal legte und meinte alles sollten Morgen kommen und glücklich sein. Es war wie eine Aufforderung. John ahnte, dass die Kinder wirklich nichts mitbekommen sollten. Das hieß als eine glückliche Maske aufsetzen. Ob John das konnte? Die Kinder sollten die nächsten Tage nicht wegen diesem miesen Verbrecher in Angst leben, also würde John es können. Insbesondere wenn er da an Gwyneth dachte. Vielleicht würde zwischen dem kleinen Mädchen und Sherlock doch etwas in der Art wie eine Freundschaft entstehen? Watson hoffte es, denn das Mädchen schien den scheinbar gefühlskalten Detective zu mögen.
Mit der nächsten Aufforderung, dass John kommen sollte, verschwand Sherlock in der Garderobe und lies insbesondere die beiden Erzieherinnen verwirrt stehen. „Ich komme gleich!“ rief der Arzt ihm eilig hinterher. Er wusste, dass der Detective derweile wohl versuchen würde, ein Taxi in diesem Vorort bekommen zu können. „Was ist den los, John?“ fragte Nina nun und auch Marinna schien ein Interesse daran zu haben, was plötzlich beide Männer so sprachlos und schockiert, zumindest für einen Moment, hat wirken lassen. Der Arzt wandte sich den beiden Frauen zu. Die Wahrheit konnte er ihnen nicht sagen, schließlich sollten sie nicht beunruhigt werden und dennoch wollte er auch nicht lügen. Daher entschied er sich einfach, nicht direkt auf die Frage einzugehen. „Wir sollten in nächster Zeit nur etwas mehr ein Auge auf die Kinder haben, nichts schlimmes…“ Der Arzt unterbrach sich kurz. Mit „nichts schlimmes“ wusste er, dass er jetzt gelogen hatte. Den Moriarty war nicht nichts schlimmes, er war das Schlimme in Person. „Wir machen Morgen einfach weiter, wie heute auch. Das Buch sollten sie allerdings von den Kindern fern halten, nicht dass ich Morgen noch daraus vorlesen muss…“ er versuchte sich an einem lächeln als er hinzufügte: “…oder Sherlock.“ Watson wandte sich zum gehen, um Sherlock zu folgen, drehte sich aber noch mal um. „Brauchen Sie noch Hilfe bei den Büchern?“ fragte der Arzt. Marinna schüttelte den Kopf. „Ich denke das schaffen wir schon allein, bis Morgen dann,“ antwortete sie. Allerdings hörte man auch aus ihrer Stimme immer noch die Verwirrung heraus und dennoch lächelte sie kurz darauf, auf ihre Antwort. John nickte, hob die Hand zum Gruß, lächelte Nina noch mal zu und verschwand dann ebenfalls zu den Garderoben. Sherlocks Mantel am Elefantenhaken war schon verschwunden, daher nahm Watson an, dass er schon nach draußen verschwunden war. Der Arzt warf nur einen kurzen Blick nach draußen, um feststellen zu müssen, dass das Wetter immer noch so scheußlich und ungemütlich war. Die Wetterexperten im Radio hatten recht. Das würde noch eine wunderbare Woche mit viel Regen werden. Watson schüttelte sich angesichts dessen, dass es draußen wohl ziemlich nass und kühl war, schnappte sich seufzend seine Jacke vom Löwenhaken und drehte sich noch mal um. Prüfend ließ er seinen Blick durch die offene Garderobentür in den Flur wandern, so als könnte er irgendetwas verdächtiges, irgendwelche Hinweise auf Moriarty ausmachen. Doch da war absolut nichts. John seufzte erneut. Erst das Wetter, dann Moriarty, konnte es denn noch schlimmer kommen? Zu einem späteren Zeitpunkt würde sich John wünschen diese Frage nie noch nicht mal im stillen gedacht zu haben.
Der Arzt öffnete die große Kindergartentür nach draußen, wobei ihm bereits Wind und Regen entgegenpeitschten. Fröstelnd zog er seine Jack über seinen Pullover und zog seinen Kopf ein. Er hasste Gewitter, er hasste sie beinahe so sehr, wie er Moriarty hasste. Er überlegte für kurze Zeit vielleicht noch unter dem Vordach zu warten, bis der Regen ein wenig nachgelassen hatte und seine Haare nicht auch noch durchnässt wurden, aber diese Überlegung ließ er fallen. Es war keine gute Idee zu warten. Denn dieser Regen würde so schnell nicht nachlassen. Er sah wie das Taxi am Straßenrand stand und die Scheinwerfer, die durch den fallenden Regen verschwommen wirkten, während sie sich durch das Dichte grau des leicht aufkommenden Nebels bohrten. Der Arzt schloss die Augen und wartete einen Donner ab. Erst als dieser mit einem grollen zu Ende war, verließ er das Vordach, mit einem prüfenden Blick nach oben in die Wolken und eilte dann auf das schwarze Taxi mit dem gelb leuchtenden Schild zu. Er zog die Tür zur Rückbank auf und lies sich auf diese sinken, während die Tür mit ein wenig mitgenommenem Regen in ihren Rahmen fiel und den restlichen Regen draußen behielt. „Da sind Sie ja, was hat das so lange gedauert?“ fragte der Taxifahrer. Augenblicklich sah John auf und zu diesem. Noch jemand der eine schlechte Laune hatte. Ob das an dem Wetter lag? „Immer mit der Ruhe, ich bin ja da,“ gab er zurück und sah kurz zu Sherlock. Eigentlich wollte sich der Arzt nur kurz vergewissern, dass auch Sherlock mit seinem schützenden Mantel nicht unbeschadet nass geworden war und deshalb so fluchte, doch dann zog der Arzt die Stirn in Falten. Was war das war das für ein Geruch. Watson würde nichts einfallen, was sonst so nach, ja nach was riechen konnte? Nach Gemüse von Mittag? John wollte gerade Fragen, was das genau war und wo es herkam, da bemerkte er die Hand ins Sherlocks Manteltasche vergraben. Er schien nach etwas zu tasten, als hätte irgendjemand etwas da rein. Aber was? Urplötzlich schlich sich, trotz den zurückliegenden Erkenntnissen, ein weiteres schadenfrohes Lächeln auf seine Lippen. Gemüse von Mittag. Das war der Geruch. John konnte sich gut denken, dass eines der Kinder sich einen Streit erlaubt hatte und anstatt den Brokkoli zu verspeisen, wohl in eine von Sherlocks Manteltaschen gesteckt hatte. Diese Kinder hier waren ja richtige Plagegeister. Man wusste nicht ob man sie als Nervensägen bezeichnen sollte oder sie trotz allem als schlaue, gute Kinder ansehen konnte. Vielleicht eine Mischung aus beidem. Der Taxifahrer ließ das Fenster auf Sherlocks Seite herunter, wobei ein Teil des Regens hereinflog, was John nicht wirklich begrüßte. „Sehen Sie zu, dass sie diesen Geruch los werden“, meinte der Taxifahrer mit angewidertem Ausdruck und weiterhin schlechter Laune. Watson zog ein sauberes Taschentuch aus seiner Hosentasche und reichte es dem Detective, dass er der „freundlichen“ Bitte des Taxifahrers nachkommen konnte und das Zeug aus seiner Tasche entfernen konnte. Sein schadenfrohes Lächeln lies nach, als sich der Arzt seinem Fenster zuwandte und wieder mit angespanntem, wachendem Blick dem Wetter draußen folgte. Wenn er sah, dass es wirklich nur Donner war, der immer wieder den Himmel erfüllt, keine Schüsse, dass es nur der Wind war, der draußen heulte, keine Hilferufe, dann fühlte sich der ehemalige Militärarzt besser. Zumal es Tag war und nicht Nacht. Obwohl so ein Unwetter den Tag auch mal zur Nacht machen konnten, was einige Lichter von Häusern in weiter Ferne bewiesen. Der Arzt folgte den Wassertropfen auf der Scheibe, während er seine Fragen sortierte. Zumindest versuchte er das riesen Knäul aus Fragen in seinem Kopf zu entwirren.
„Wie geht es weiter? Morgen?“ fragte der Arzt und wandte sich von den Wassertropfen ab. „Ich meine wir sollten achtsamer sein, finden Sie nicht? Moriarty muss irgendwie in den Kindergarten gekommen sein oder wie sonst sollte das Buch hier auftauchen? Er muss ungesehen ein und ausspaziert sein. Nur wann?“ Watson ließ die Frage nach dem, was Moriarty genau hier wollte aus, wusste John doch aus dem Gemurmel vorhin, dass sich Sherlock die Frage schon gestellt hatte. Der Arzt ging kurz alle Möglichkeiten in Gedanken durch. Wie kam Moriarty ins Gebäude? Hatte er es überhaupt persönlich in den Kindergarten gebracht? Aber wie. Die Tür des Kindergarten war doch von außen verriegelt und ging nur mit einem Klingeln auf und dem entsprechenden Türsummer auf, oder? Aber wann verschaffte er sich zutritt? Hätte nicht einer von ihnen etwas bemerken müssen?
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~Der Charakter~ : Mein Name ist Sherlock Holmes und ich bin 32 Jahre alt. Ich wurde in London geboren und wohne heute in genau dieser Stadt. Beruflich bin ich Beratender Detektiv. Außerdem bin ich bekannt als das unangenehmste, rüdeste, ignoranteste und alles in allem widerlichste A*schloch dem zu begegnen jemand das Pech haben kann. Aktiv im Inplay? Ja


BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Mi Sep 03, 2014 3:29 pm

Die Stille, die Sherlock und John umgab, als Johns Verdacht bestätigt wurde, war noch fast gruseliger als alle anderen Möglichkeiten.
Holmes hatte sich fast gewünscht, dass John noch etwas sagen würde, damit er wusste, was er dachte, aber leider schwieg er. Der Detektiv fühlte sich in dieser Stille entsetzlich hilflos. Er konnte nichts tun. Bis es passierte oder zumindest bis sich er zeigte. Und er würde sich zeigen, ganz sicher.
Moriarty war keiner der nicht seine hässliche Unterschrift unter seinen Gräueltaten brauchte.
Er musste immer irgendwie zeigen, dass er es war, und sei es durch sein Erscheinen.
Vielleicht bemerkte auch nur Sherlock, dass es immer Jim war, weil er es war, der hier der Consulting Detective war, denn das Scotland Yard schien oft genug überfordert. Gott sei Dank, sonst hätte Sherlock ja nie was zu tun.
Aber im Moment versetzte die Anwesenheit des kriminellen Mastermind den Detektiven in einen verängstigten Zustand. Hier, das waren Kinder.
Natürlich, Sherlock hatte viel zu oft jemanden sterben sehen, dessen Tod er hätte verhindern können, wie damals bei ihrem Spiel, aber das waren doch zumeist erwachsene gewesen.
Kinder hatten ihr Leben noch vor sich. Kinder konnten so viel ändern, konnten das anders machen, was andere falsch machten.
Sherlock atmete tief durch. Nicht emotional werden.
Aber manchmal zweifelte Sherlock sogar an sich selbst, wenn er Moriartys Taten sah. Er schnaufte amüsiert, aber sehr müde. Im Grunde waren sie gleich. Die gleichen verrückten Psychopathen.
Und sie alle hatten Recht. Letztendlich war er ja doch ein Psychopath. Hochfunktionaler Soziopath war ja nur eine Umschreibung. Letztendlich hieß es das gleiche, nur dass die Leute keine unangenehmen Fragen stellten, wenn sie keine Ahnung hatten, wovon der Typ da redete.
Moriarty machte sich keinen Kopf darum. Er war der Psychopath und alle wussten es. Anders als Sherlock versteckte er sich hinter keinem Namen. Das war es, verstecken. Sherlock war feige. Unheimlich feige. Aber das sollte niemand wissen, sonst würden sie alle nichts mehr von ihm wollen.
Wer brauchte einen Consulting Detective?
Holmes atmete wieder tief durch. Jetzt hatte er es geschafft emotional zu werden. Sehr gut, Holmes, wirklich ganz toll gemacht kritisierte er sich im Inneren.
Er schluckte und sah zu John hinüber. Woran er wohl dachte? Es läge nahe, wenn er sich an die Grausamkeiten erinnerte, die Moriarty ihm angetan hatte. Oder, was vielleicht sogar wahrscheinlicher wäre, die Grausamkeiten, die er anderen angetan hatte.
Aber machte Sherlock das denn besser?
Jim hatte ihnen einen imaginären Hund, den man sehen konnte, auf den Hals gejagt, in einem dunklen Wald, aus dem man flüchten konnte, wenn man dumm und mutig genug wäre.
Sherlock hatte ihm mit einem Mikrophon, aus einer Sicheren Beobachtungskabine einen imaginären Hund auf den Hals gejagt, den man nicht sehen konnte, in einem dunklen Labor, aus dem man nicht flüchten konnte.
Der unbestimmte Drang, sich zu entschuldigen kroch in Holmes hoch, aber er ignorierte es, weil er ein Holmes und das ein unpassender Moment war.
Stattdessen stellte er seine Frage. Aber er war sich nicht sicher, ob es wegen dem Buch oder wegen sich selbst war.
Sherlock bemerkte, dass der Stoff neben ihm raschelte, Johns atmen, wenn er seine Haltung veränderte und realisierte, dass er immer noch das Buch anstarrte, eine Hand auf dem Buchrücken, eine auf der Seite, die man aufklappen konnte. Aber aufschauen wollte er auch nicht. Da war kein Antrieb, den Blick zu heben. Keinen Sinn, warum er es tun sollte.
Er starrte einfach den Titel an.
Auf Ninas Frage schaffte er es erst nicht, diese Pose zu verlassen, erst bei dem nachgeschobenen Blick sag er auf und straffte dann die Gestalt.
Dann machte er seine Ansage, ohne einen Seitenblick auf John, obwohl er den nur zu gerne gemacht hätte und entledigte sich des Buches. Es war irgendwie ein gutes Gefühl es aus der Hand zu haben, und nicht mehr darauf schauen zu müssen. Es war wie ein Fluch gewesen, je länger Sherlock darauf gesehen hatte, desto ängstlicher wurde er, er hatte aber auch nicht aufhören können.
Dann verließ er den Raum und verschwand Richtung Straße, wo Gott sei Dank ein Taxi stand.
Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was ein Taxi denn mutterseelenallein in einem Vorort suchte, aber im Moment war er zu abgelenkt von dem Buch, und vor allem ob und wie Jim neue Wegweiser aufstellen wollte.
Nachdem er den Brokkoli bemerkt, Schimpfwörter losgelassen John wieder gekommen und der Taxifahrer wütend geworden war, nahm Sherlock, Johns Gesicht möglichst ignorierend, das Taschentuch an. Die Regentropfen störten ihn nicht, ungerührt schaufelte er den Großteil des ekligen Zeuges aus seinen Taschen und den Rest wischte er mit dem Taschentuch aus. Alles zusammen, Pampe und Tuch, warf er auf die Straße, wo es sich mit dem Regen vermischte und gemächlich dem nächsten Gully entgegenfloss.
Der Fahrer konnte sich ein abfälliges „Wenn ich etwas davon unter meinen Reifen wiederfinde hat das Folgen.“ Nicht verkneifen, dann reihte er sich hinter ein vorbeifahrendes Auto ein.
Sherlock verlegte sich auf Schweigen, auch wenn es ein ekliges Gefühl war, da wo der Brokkoli gewesen war. Er legte seinen Arm auf das Fensterbrett und seine Hand berührte das kühle Glas. Draußen folgte er dem Geschehen hinter den perlenden Regentropfen auf der Scheibe.
Auf Johns Frage sah er zu ihm hinüber. „Ich denke, soweit werden wir nichts tun.“ Beantwortete er die erste Frage, dann ging er auf die zweite ein. „Er hat es niemandem mitgegeben. Ich denke, es war einer seiner Freunde, er selbst wäre zu vorsichtig. Das Fenster, an dem ich saß, wies Spuren von getrocknetem oder verdunstetem Wasser mit einem kleinen Anteil Dreck auf. Ich habe es als unwichtig abgetan, weil wir uns in einem Kindergarten befinden, aber je mehr ich drüber nachdenke, desto wahrscheinlicher scheint es mir, dass es eine Fußspur war. Gestern Nacht hat es geregnet, irgendwie hat sich irgendwer Zutritt verschafft.“
Holmes stieß so etwas wie ein Seufzen aus. „Aber ich weiß weder wie, noch was als nächstes kommen wird, sicher ein Beweis, aber“ er schaute in dem Gebären verzweifelten Unwissens nach vorne, wo ein moderner Bildschirm zum Zeitvertreib der Mitfahrenden angebracht war. Während er seinen Satz beendete weiteten sich seine Augen. „ich… Ich weiß nicht wo-wo ich suchen soll.“ Stotterte er noch, dann riss er sich von seinem Anschnaller los und hangelte sich zum Fahrer durch. Ein mittelalter Herr, schütteres Haar und blaue Augen. Kein Jim. Wie konnte das sein?
Begleitet von unhöflichem Schimpfen schwang sich Sherlock zurück.
Der Bildschirm war angegangen als er geredet hatte und zeigte nun eine Schmuckanzeige. Dieselbe Schmuckanzeige wie damals, als er die Freifahrt bekommen hatte! Moriartys Freifahrt.
Sherlock wartete nur darauf, dass das Bild flackern und seine Visage zeigen würde.
Aber nichts geschah.
Holmes wurde nach vorne gerissen und hätte er sich nicht am vorneliegenden Sitz abgehalten hätte er sich hart den Kopf gestoßen. Das Taxi hatte gehalten.
„Verlassen Sie das Fahrzeug!“ brüllte der Fahrer und machte heftige Verscheuch-Gesten. „Das ist genug, verschwinden Sie!“



OUT: Argh, schon wieder Anspielungen auf Das letzte Problem… Tschuldigung ^^‘

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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Mi Sep 03, 2014 10:39 pm

Watson lauschte Sherlocks Antwort, wobei er mittendrin sich wieder dem Geschehen auf der Straße zuwandte. Nicht weil ihm Sherlocks Antwort nicht gefiel, oder sonst etwas. Es sollte nicht mal unhöflich rüberkommen, weil John sonst immer jeden ansah, wenn ein Gespräch am laufen war. Nun ja, meistens zumindest. Aber gerade hatte Watson zum ersten mal ein komisches Gefühl, als Sherlocks Worte zu ihm drangen. Schwang da Verzweiflung mit? John konzentrierte sich darauf, wie Sherlock im Kindergarten war, als er das Buch näher angeschaut hatte. John schloss die Augen um einem weiteres Donnergrollen zu ignorieren. Schließlich war es der Donner und nichts anderes, das da draußen wütete.
Watson dachte nach. Der Detective hatte nicht wirklich zu John gesehen, er schien die ganze Zeit über auf das Buch fixiert zu sein, sich genauso Fragen zu stellen und zu beantworten, wie John es tat. Nur fand Watson keine Antworten auf seine Fragen, ob das beim Detective auch so war? Im Moment schien es so. Warum hatte der Detective nicht zu John gesehen? Sonst tat er es doch auch immer. Außerdem wirkte Sherlock in den Momenten, als er das Buch durchblätterte, anders. Nur wie. Watson versuchte Worte in seinem Kopf zu finden, die den gefühlskalten Detective in der Situation vorhin beschrieben. Aber er fand kein Wort in seinem Kopf. Vielleicht weil es in dieser Situation vorhin keinen gefühlskalten Detective gab. John wusste, dass der Detective auch nicht immer gefühlskalt war, nur für die anderen kam es so rüber. Aber vorhin, da dachten sie doch beide an Moriarty und vor allem an das, was er vor haben wollte. Wollte er wirklich Kinder mit reinziehen? Kinder. Andere Menschen, die den Detective nicht so gut kannten, wie John, dachten, dass es ihn nicht mal scheren würde, wenn Kinder im Spiel waren. Doch das Stimmte nicht. Der Arzt war sich sicher, dass die Situation vorhin, Sherlocks verhalten vorhin, dem entsprach, dass er doch an die Kinder dachte. Irgendwo hatte auch Sherlock ein Herz, auch wenn vielleicht er selbst meinte, gar keines zu Besitzen. Der Arzt kannte einige Seiten von Sherlock und eine Seite war es bestimmt nicht egal, was mit den Kindern geschehen könnte. Dem Detective ging die Sache genauso nahe wie John. Besonders weil hier unschuldige Kinder im Spiel waren. Hatte er auch deshalb Blickkontakt vermieden? Weil er, John, sonst vielleicht gesehen hätte, dass Sherlock auch anders konnte? Anders als ein „Gefühlskalter“ denken konnte? Überhaupt, woher wussten den immer alle, dass Sherlock keine Gefühle hatte? Nur weil er sich ein Soziopath nannte, er selbst sagte er habe kein Herz und deutlich machte, dass die Gefühle aller anderen ihm egal waren. Und die anderen nahmen es so auf, glaubten selbst daran, weil sich der Detective so verhielt. Von Grund auf war doch niemand gefühlskalt oder herzlos, oder? Jeder war doch ein Kind mit den Vorlieben jedes Kindes, mit den Gefühlen jedes Kindes, bis es soweit war, dass man sich veränderte und erwachsener wurde. Wann es bei Sherlock wohl soweit gewesen war, dass er sich zu dem veränderte, der er heute ist? Oder war er schon immer so? Eigentlich konnte das nicht sein, niemand war eben von Anfang an so, wie er heute vielleicht ist, nicht mal der Detective. Vielleicht hatte sich der Detective in seiner Kindheit schon verhalten, wie heute. Aber dann musste es doch irgendwas gegeben haben, dass er so gefühlskalt geworden ist, wie er eigentlich vorgab zu sein. Oder war er in seiner Kindheit nur ein kluger Kopf, wie sein Bruder? Der Arzt erinnerte sich mal daran, dass Mycroft am Ende des Falls in Belgravia mal einen Pirat erwähnt hatte. Dass sich Sherlock als Kind als Pirat verkleidet hatte. Watson war sich sicher, dass, sollte es Sherlock nicht schon längst herausgefunden haben, es irgendwann deswegen noch Streit zwischen den Holmesbrüdern geben könnte, weil Mycroft John etwas erzählt, was er vielleicht gar nicht wissen durfte. Aber selbst daran sah man doch, dass wirklich jeder zu seiner Kindheit anders war, als man heute ist. Man verändert sich einfach, wird erwachsen. Der Arzt könnte da jetzt einige Personen nennen, die sich ziemlich verändert hatten. Über eine wollte er überhaupt nicht nachdenken und diese war auch garantiert nicht Thema hier. Obwohl es auch noch eine zweite Person gab, die sich verändert hatte, so ziemlich. Aber auch an diese wollte er nicht denken. Im Moment machte es John einfach sorgen, dass Sherlock vorhin so, so, ja wie hatte er den gewirkt? Überrascht? Watson hatte bisher eigentlich auch immer behauptet, der Detective hätte keine Angst, vor nichts und niemanden. Aber selbst wenn der Detective keine Gefühle zu besitzen schien, wusste John trotzdem, dass sie da waren. Also vielleicht auch die Angst? John würde offen und ehrlich zugeben, dass er vor Moriarty Angst hatte, oder eher davor, was in seinem kranken Gehirn vorging. Ja, als ehemaliger Soldat wurde er oft mit der Angst konfrontiert und das setzte sich mit Moriarty fort. Aber genauso hatte er mit der Angst leben gelernt, sie gelernt zu kontrollieren. Dem Detective schien es außerdem zu ärgern, dass er keine Antworten fand. Noch nicht. Ihm war es nicht zu verübeln, dass er das nicht sehr begrüßte. Aber woher wusste John denn, das er meinte zu wissen, dass er den Detective kannte. Keiner kannte einen in und auswendig. Kein Mensch wusste alles über einen. Menschen wusste nicht alles über John, John wusste nicht alles über seine Mitmenschen. Auch nicht über den Detective. Nur eins konnte er mit Sicherheit sagen, dadurch das Sherlock durchaus Gefühle besaß, sie nur nie wirklich deutlich zeigte, gleichte er Moriarty kein bisschen. Den Moriarty war ein Irrer. Ein Irrer, der es liebte mit Menschenleben zu spielen, egal welche Altersklasse. Gut, Sherlock freute sich ja auch über so manches Leid unterschiedlicher Menschen und über Fälle, meist egal wie hart sie waren. Aber vielleicht rührte sich ja tief in dem Detective doch etwas, was auf dem sonst immer so kalten Gesicht nicht zu sehen war. Vielleicht manchmal Mitgefühl? Ein klein wenig? Watson würde wahrscheinlich vergeblichst tausend und aber tausend Gedanken daran verschwenden, zu überlegen was der Detective und sein gefühlskaltes Image an sich hatten, ob er jedes Wort so meinte, wie er es aussprach oder ob da manchmal nur Augen für Arbeit, für Beschäftigung und Anstrengung seines Gehirns hatte.
Manchmal wünschte John sich, er könnte Gedanken lesen. Vielleicht würde er so mehr über Sherlock erfahren? Allgemein über das Image von beiden Holmesbrüdern, die unter einigen wirklich als Herzlos galten. Vielleicht konnte er mit dem Gedanken lesen auch wissen, was seine Schwester dazu bewegte….Nein, ganz eindeutig Falsches Thema! Das war ein Gedanke, der eigentlich ganz weit hinten in seinem Kopf bleiben sollte. Es war vielleicht schon ganz gut, keine Gedanken lesen zu können, auch wenn John es sich manchmal wirklich wünschte. Wahrscheinlich würden selbst Wissenschaftler daran scheitern, einen Weg fürs Gedanken lesen zu finden. Außerdem war es schon ganz gut so, dass John nicht alles über Sherlock wusste. Schließlich reichte es, wenn Watson wusste, dass Sherlock sehr wohl ein Herz und Gefühle hatte, es nur nicht zeigte, zumindest nicht vor anderen. Wahrscheinlich brauchte der Detective es auch, dieses Auftreten, überlegen, mit seinem hochgeschlagenen Kragen, dem dunklen Mantel. So wie der Mantel gehörten auch seine gefühlskalte, aufrechterhaltende Seite dazu und seine genauso kaltherzigen Kommentare. Denn ohne sie wäre Sherlock einfach nicht Sherlock, so wie andere Menschen ihn kannten und so wie manche Verbrecher Respekt und Ehrfrucht vor ihm hatten. Leider zeigte diese Seite vom Detective, und John wollte eigentlich nicht so genau wissen, wie viele Seiten der Detective wirklich hatte, keine Wirkung bei Moriarty. Er schien sich vor nichts abschrecken zu lassen. Ob dieser Irre eigentlich auch vor irgendetwas Angst hatte? Mit Sicherheit nur um seinen Westwood Anzug. Watson erinnerte sich mit Genugtuung daran, wie er ihn gepackt hatte, im Schwimmbad, dann aber wieder loslassen musste, weil sich die Lichtpunkte plötzlich auf seinen Freund konzentrierten, als auf ihn. Moriarty hatte sorgsam über seinen Anzug gestrichen, als wäre er ihm lieb und teuer. Gut teuer war dieser Anzug sicher, das wagte John nicht zu bestreiten.
Ein stottern zerbrach Johns Gedankengänge und sofort sah er zu dem Detective. Hatte er gerade wirklich gestottert? Moriarty musst in ihm wirklich irgendein Gefühl auslösen, dass er gerade so anders wirkte. Aber war es den verwunderlich? Niemand wusste bis jetzt, was Moriarty nun wieder plante. Und der Typ hatte wirklich oft genug seine Skrupellosigkeit bewiesen. So schnell wie Watson wieder kurz in die Gedanken abgesunken war, konnte er nicht mehr reagieren, als Sherlock schon nach vorn rangelte und den Taxifahrer musterte. Was war den nun los? „Sherlock?“ John zog die Stirn kraus, hatte seinen Namen mit entsetzten und doch gleichzeitig etwas Besorgnis gerufen, denn der Detective musste doch etwas ahnen, wenn er sich so plötzlich zum Fahrer nach vorn am Sitz vorbei erhob, so viel wie es ein Taxi zuließ. Sherlock sank Sekunden später zurück auf den Sitz und John konnte sich noch immer keinen Reim bilden, was gerade in den Detective gefahren war. Als der Fahrer zu allem übel noch scharf bremste und der Gurt um Johns Schulter sich kurz unangenehm in seine Haut drückte, damit er nicht mit dem Sitz vor sich Bekanntschaft machte, sah Watson wieder zu Sherlock, der sich zum Glück am vorderen Sitz festhalten konnte. Keine weitere Sekunde später ging die Schimpftirade seitens des Taxifahrers los. Watson ahnte doch, dass dieser seiner schlechten Laune noch bald richtig kund tun würde. Und mit Sherlocks Action machte er dies nun auch. Und zwar richtig heftig. Der Arzt rieb sich kurz über die Stirn. Sherlock beunruhigte etwas ziemlich tief. Ob es wirklich Moriarty war, der ihn gerade so naja, so etwas zerstreut wirken ließ? Oder eher die Tatsache, dass er nicht sofort Antworten fand? John hatte immer einen Spaziergang getätigt, egal wie spät es war, wenn Albträume ihn beunruhigten. Manchmal half die klare Luft einem wieder normal denken zu können. Watson sah zum Taxifahrer. Den konnte man wohl heute nicht mehr beruhigen. Rauswerfen wollte er sie beide. John sah mit einem unguten Gefühl nach draußen. Der Regen hatte nachgelassen, war zu einem Nieselregen übergegangen. Ein Donnergrollen kam nach dem letzten mal nicht mehr und nur noch weiter hinten sah man in den dunklen Wolken einen kleinen Blitz zucken. Das Wetter hatte sie wohl ein wenig gebessert, zumindest für eine Zeit lang. Und das hatte wohl auch der Taxifahrer bemerkt, sonst würde er jetzt nicht mit einem Rauswurf drohen. Nein, er drohte nicht. Er meinte es wirklich ernst. Sherlock Holmes und Dr. John Watson wurden von einem Taxifahrer aus dem Taxi verscheucht. Würden die Presse das erfahren, würden sie sich um diese Schlagzeile reißen. Wäre die Situation nicht so ernst, hätte Watson gelächelt. Aber da es eben ernst war, sah er den Taxifahrer eher noch mit einem entschuldigenden Blick an. John machte aber dann doch den ersten Schritt, einen Vorschlag. Der Arzt nickte dem Taxifahrer also entschlossen zu, seinen wütenden Worten folge zu leisten und stieg auf der sehr unbefahrenen Straße aus. „Sherlock? Kommen Sie, ein wenig frische Luft sollte uns ganz gut tun,“ meinte der Arzt als er ausstieg und dem Fahrer trotz des Rauswurfes eine Summe für den halben Weg zahlte. Dieser nahm das Geld mit einem wütenden brummen entgegen und brauste dann davon. Watson sah dem Taxi kurz nach. John hätte dem Detective auch eine Standpauke halten können, dass er doch nicht so auf den Taxisfahrer losstürmen konnte, doch so eine Standpauke brauchte es jetzt nicht. Watson war sich sicher, Sherlock hat das nur getan, weil er jemanden hinter den Taxifahrer vermutete oder vielleicht weil der Taxifahrer vielleicht nicht vorgab der zu sein, der er wirklich war. Aber das war anscheinend eine falsche Vermutung? John wusste es nicht genau, aber so oder so. Frische kühle Luft war jetzt wohl wirklich das beste, für den Detective als auch für den Arzt. John jedenfalls wusste, dass er meist seine Gedanken im freien sortieren konnte, auch die die Moriarty angingen. Watson sah kurz zu Sherlock und ging dann einfach neben dem Straßenrand her, vergrub die Hände in seine Jackentaschen und blinzelte zum Nieselregen in die grauen Wolken nach oben. Der Arzt hoffte, der kleine Spaziergang würde Sherlock gut tun. Auch wenn John selbst vielleicht doch lieber im Taxi geblieben wäre, eben weil da dieses Wetter noch da war und auch nicht so aussah, als würde es sich verziehen, aber eine weile würde es schon gehen.
John hörte wie der Wind durch ein paar Baumkronen, etwas weiter entfernt vom Straßenrand, zog und ignorierte diesen laut, der ihn an viel mehr als nur an ein Wasserrauschen erinnerte. Ein klein wenig angespannt beobachtete er diese grauen Wolken, die sich am Himmel ausgebreitet hatten und den Nieselregen auf sie beide hinabprasseln ließen. Noch kein Donner und seit längerem auch kein Blitz mehr über den Wolken. Dennoch ließ er seine wachsamen Blicke nicht vom Himmel. Gewitter war genauso wenig zu trauen, wie einem Gegner. In diesem Fall vielleicht Moriarty. Zum Glück war dieser Irre gerad nicht hier. John wandte seinen Blick kurz von den Wolken ab, richtete ihn auf die Teerstraße neben ihnen und dann zu Sherlock. „Wissen Sie, ich denke wir beide schaffen es auch, so einen Irren wie Moriarty zu überlisten, egal welche Geschütze er auffährt,“ meinte der Arzt kurz, sah wieder zu den Wolken und überlegte seine nächsten Worte. „Solange wir beide ein Auge auf die Kinder haben, wird Moriarty nicht an die Kleinen herankommen. Da bin ich mir sicher“, sagte John dann, nahm aber seinen Blick nicht mehr von den Wolken, da ein Blitz wieder durch diese hindurchzuckte, auch wenn es weiter weg war. „Moriarty hat eine Schwachstelle. Er hätte sich früher vielleicht mehr mit den Märchen der Brüder Grimm auseinander setzen sollen.“
In dem Märchen der Grimmbrüder gab es immer etwas Böses oder zumindest jemand der nichts gutes tun wollte. Neben dem Bösen gab es das Gute und fast immer hatte das Gute eine Begleitung einen Rat eine Mahnung, die es auf den richtigen Pfad führte und man so das Böse überlisten konnte. „Brüderchen hätte schon das erste mal aus einem Brunnen getrunken, hätte Schwesterlein nicht gesagt, er solle warten, weil die Stiefmutter das Wasser verzaubert hatte“, beendete John den Satz von vorhin und hoffte, dass Sherlock wusste wie es gemeint war. Sie waren zu Zweit und Moriarty allein. Gut er mochte zwar seine Handlanger haben, doch er vertraute mit Sicherheit keine so sehr, wie John vertrauen in Sherlock setzte und umgekehrt vielleicht genauso. Nur deshalb waren sie zwei stark genug um Moriarty möglicherweise ohne Hilfe die Stirn zu bieten. Weil sie sich gegenseitig stützten, wenn einer vom Weg, vom Ziel abkam führte der andere ihn wieder dorthin. Moriarty war sozusagen also allein.
John lächelte. Brüderchen und Schwesterchen. Das Märchen hatte er geliebt, weil es seine Schwester geliebt hatte. Das einzige, was ihn an die frühere, heile Zeit mit seiner Schwester erinnerte. Würde Sherlock den Satz nicht verstehen, würde John sogar seine Gedanken dazu laut aussprechen, aber Watson war sich sicher, dass der Detective den Satz weitestgehend richtig interpretierte. Der Arzt zwang sich dazu, den Blick von den Wolken abzunehmen, egal was sie hinter diesen verbergen mochte und lächelte Sherlock aufmunternd zu. Watson wusste sie würden eine Lösung finden, gegen Moriarty. Ihn endlich mal selbst in die Schranken weisen, ihm zeigen, dass er bei Kindern nicht willkommen war. Was auch immer sein vorhaben sein mochte.
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Sherlock Holmes
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Do Sep 04, 2014 11:37 am

Sherlock redete und schaute John dabei an. Er bemerkte, dass John ebenso wenig erfreut über die Wendung der Dinge war und das beruhigte ihn aus irgendeinem Grund. Das war John, wie er ihn kannte, ein Stückchen, dass er kannte, in einer Welt voller unbegreiflicher Grausamkeiten.
Aber gleichzeitig hieß es auch, dass Sherlock irgendwie verraten hatte, dass er panisch war und das war das schlechteste, was er im Moment tun könnte.
Trotzdem besann er sich darauf, die richtigen Worte zu treffen, und doch nahm er nun auch das leichte Zittern in seiner Stimme wahr, dieses leichte Beben, dass zeigte, dass selbst er bestürzt war. Selbst er, der kalte und emotionslose Holmes.
Und dieser Holmes hatte ein Image, das er bewahren wollte.
Jeder der Holmesgebrüder war so und Sherlock wollte auf keinen Fall anders sein. Mycroft war noch nie Begeistert von Freunden gewesen, generell von innigeren Beziehungen als eine flüchtige Bekanntschaft, und er hatte sich schon oft darüber aufgeregt, dass Sherlock sich so manipulieren ließ.
Aufgeregt. Sherlock musste unweigerlich schnaufen. Er war ihm doch egal. Schon als sie Kinder hatten sie sich gestritten. Schon als Kind hatte er ihn gehasst. Mycroft brauchte Sherlock nicht und Sherlock brauchte Mycroft nicht. Aber wen hatte er denn sonst in seiner Familie?
Seine Eltern waren ja nun wirklich nicht seine Liebsten.
Zum Glück hatte er John! Und da war es wieder. Sein großer Bruder. Wollte er seinen großen Bruder stolz machen und war deshalb so, wie er war?
Was hätte er denn, dass er Mycroft stolz machen zu wollen? Und warum war Sherlock dann immer so kalt?
Sherlock wusste es nicht. Und eigentlich wollte er es nicht wissen. Er wollte so bleiben, wie er war. Er wollte absolut nichts ändern. Und vor allem wollte er, dass diese Kinder keinen Schaden nahmen.
Irgendwas musste er doch tun können! Irgendwas!
Nur was?
Alles was er wusste war, dass Moriarty kommen würde. Mehr wusste er nicht und dementsprechend wenig konnte er tun.
Sherlock sah ganz kurz zu John hinüber. Er musste sich anstrengen. Allein seines Freundes wegen. Es wäre dumm zu sagen, er würde nie eine ernsthafte Beziehung bekommen. Er würde eine Frau haben, ein Haus, vielleicht einen Garten mit einem Baum drin. Und er würde Kinder haben.
Holmes war sich nicht sicher, ob es sein Gedankenpalast war, seine Fantasie oder einfach seine Verwirrung, aber er sah eine Wiese, mit einem kleinen Häuschen. Nicht in London, irgendwo auf dem Land.
Kinderlachen drang hervor, dann sah er Lächeln. Ein Kind, eine Frau und… John.
Allein wegen ihm musste sich der Detektiv anstrengen. Irgendwann würde John Kinder haben, da war sich Sherlock sicher, und was, wenn das seine Kinder in diesem Kindergarten wären?
Würde er es John zumuten, dass seine Kinder durch einen Irren starben? Er konnte es nicht, und er wollte es nicht.
Er bemerkte, dass er gegen sämtliche Regeln des Soziopath-seins verstieß, aber das interessierte ihn im Moment wirklich wenig.
So war er nicht. So sollte er nur für die sein, die es verdienten. Für seinen Freund wollte er auch mal der sein, der ganz okay war, und mit dem man redete.
Aber dann bemerkte Sherlock, was er da dachte.
Nein, ganz und gar nicht. Er war der Soziopath, und das ist gut so.
Nach allen Mühen fokussierte sich Holmes auf ein anderes Thema. Seine Arbeit. Er musste von diesem Trip runterkommen, bevor John etwas mitbekam.
Also, Moriarty, was würde er in einem Kindergarten wollen?
Leider traf auf ihn alles zu, Erpressung, Mord, die ganze Palette, sonst würde er sich nicht Consulting Criminal nennen. Das war übrigens sehr schlecht für die Ermittlung, nicht zu wissen, was der Täter tun würde. Das war eigentlich das schlechteste, was einem passieren könnte, involviert werden einmal ausgenommen.
Es waren einfach zu wenige Beweise da. Allerdings traute Sherlock Jim zu, noch mindestens ein halbes dutzend zu verstecken, bevor es rund ging. So war Jim.
Er wollte ein Spiel, dann beschaffte er sich eins.
Also hieß es warten. So langweilig und nervig und furchtbar es auch war.
Sherlock schaute aus dem Fenster. Der Regen schlug stark gegen die Scheibe, der Wind peitschte, die Bäume bewegten sich im Wind.
Es war ganz und gar ungemütlich. Der ganze Tag war ungemütlich. Alles war ungemütlich.
Manchmal wünschte sich selbst der große Detektiv, seinen Kopf unter ein Kissen zu stecken, und zu warten, bis die Welt sich weitergedreht hatte. Manchmal wollte selbst er nicht mehr.
Der Detektiv legte seine Handflächen aneinander und stützte seine Nase. Er dachte nach.
Was wäre das? Wenn der große Holmes seinen Kopf einzog? Würde sich die Welt weiterdrehen? Für alle? Für Jim? Für Mycroft? Würde sie sich für John weiterdrehen?
Und warum war er jetzt so sentimental? Er sollte damit aufhören, es machte ihm langsam selbst Angst.
Er musste logisch bleiben, logisch und kühl. Gefühle schränkten ein und gerade brauchte er so wenige Schranken wie nur möglich.
Das schuldete er den Eltern und den Erziehern. Und den Kindern. Und John.
Oh, und wie er es ihnen schuldete.
Immerhin war Moriarty doch nur zum Kindergarten gekommen, weil Sherlock sich dort aufhielt.
Da war es ja! Natürlich, wie hatte er so blind sein können?!
Der Mann, oder die Frau, die zum Fenster hineingeklettert war, musste direkt, oder indirekt mit Johns kranker Erzieherin zu tun haben! Immerhin hatte er doch niemandem außer Sherlock von diesem Vorhaben erzählt, außer Sherlock und der Frau, vielleicht ein zwei andere Leute, die sich aber ausschließen ließen, weil sie keine Ahnung hatten, wie die Fenster funktionierten, geschweige denn, wie irgendetwas im Kindergarten funktionierte.
Die Frau musste das, weil sie Erzieherin dort war. Oder?
Ach, das war alles zu undurchsichtig. Sherlock seufzte. Er brauchte mehr Beweise.
Am besten schnell. Am besten jetzt gleich.
Hektisch sah Sherlock aus dem Fenster. Es musste doch etwas geben, was er tun konnte! Irgendwas!
Nur was?
Im Moment fühlte sich Holmes entsetzlich Hilflos. Er hatte keine Ahnung was passieren würde, und die Kinder waren in unmittelbarer Gefahr. Wäre es eine Hilfe, wenn er morgen zu Hause blieb? Und den Rest der Woche?
Und wenn Moriarty doch nicht ihn wollte, sondern wirklich die Kinder? Dann wäre Sherlock nie rechtzeitig da, allein der Heimweg von dem Siedlungsgebiet in die Innenstadt Londons dauerte lange, zu lange um rechtzeitig da zu sein und laufen wäre unmöglich.
Müde und dahingerafft lehnte der Detektiv seinen Kopf an das kühle Glas des Fensters und schloss kurz die Augen. Dann rieb er sie sich und nahm dabei natürlich den penetranten Brokkoli-Geruch wahr.
Diese Kinder! Sie taten noch solche Sachen, und doch waren sie soviel wert!
Brokkoli in der Manteltasche hin oder her!
Sherlock beschloss, jetzt ruhiger zu werden, und die Fassung zurückzugewinnen. Er richtete sich auf und aus dem müden, gequälten Ausdruck wurde die kalte, straffe Maske, die er sonst immer bevorzugte.
Das war besser, das gab ihm halt und vielleicht auch John.
Jetzt nahm er Stellung zu Johns zweiter Frage, aber sobald wieder die Gedanken Einzug in seine Gedanken fanden, so begann er auch wieder in seinen Sitz zu sinken.
Seine Worte wurden müde, ganz leicht verzweifelt und liefen aus dem Ruder, er sah zu John und schaute ihn fest an, aber dennoch wollte seine Fassung nicht zurückkehren.
Auch John beschäftigte sich mit der Frage.
Nicht, dass Watson mit seiner Beachtung vorsichtig umging, er schaffte es zehn Dinge zu deduzieren, die den Kern der Sache leider komplett verfehlten und nicht mal komplett richtig waren, aber doch schien das Thema ihn zu beschäftigen.
Das war vielleicht ganz gut, es war nie negativ, wenn zwei Leute sich mit einem Thema beschäftigten, aber trotzdem zeigte es schmerzlich hart, dass es Realität war, und keine Einbildung.
Gerade wollte Sherlock zur zweiten Hälfte seines Satzes ansetzen, er richtete dabei den Blick von John ab, als der Bildschirm ihm gegenüber, sich einschaltete.
Er brauchte einen Moment um es zu realisieren, was das war und in der Zeit stotterte er, dann stürzte er sich Richtung Fahrerabteil.
Hinter sich nahm er seinen Namen wahr, der von John ausgerufen wurde, aber er war ganz gefesselt von dem Fahrer. Kein Moriarty.
Ein mittelalter Herr mit fahlem Haar und blauen Augen versuchte gleichzeitig die Straße und den verrückten Mitfahrer im Blick zu behalten.
„Was machen Sie hier?“ fragte er entgeistert, aber Sherlock war schon wieder hinten angelangt, woraufhin der Fahrer mit ein paar unflätigen Wörtern begann.
Der Detektiv ließ sich in seinen Sitz fallen, frustriert schaute er zur Werbeanzeige, da wurde er schon nach vorne geschleudert.
Er streckte die Arme aus und seine Handballen trafen unangenehm hart das Polster vor ihm.
Die ganzen Schimpfwörter von Seiten des Fahrers nahm Sherlock gar nicht wahr, er war zu gebannt von der Werbetafel, die tatsächlich in diesem Moment zu flackern begann. Allerdings erschien nicht Jim, sondern eine andere Werbeanzeige, bei der unterschiedliche weibliche Schaufensterpuppen, nebeneinander, unterschiedliche Schmuckstücke zeigten.
Sherlock hasste Werbung, er hasste sie wirklich abgrundtief, weil sie langweilig war, unlogisch, unnötig und unpassend.
Er sah selten Fern, aber Werbung sah er, nach bemühen, fast nie.
Aber diese interessierte ihn. Im hinteren Teil waren nämlich die Initialen JM aufgeführt, als Schmuckmarke getarnt.
Und die Schmuckträger machten auch ganz interessante Posen.
John beorderte ihn raus, der Taxifahrer funkelte ihn an.
Warum hatten alle Leute so wenig Taktgefühl?
Er war hier grade dabei, ein Verbrechen aufzuklären, indem Kinder involviert waren! Und diese Werbeanzeige…!
Grummelnd hievte sich der Consulting Detective von seinem Sitz runter. Dann stieg er neben John aus und knallte die Tür geräuschvoll zu. Er sah sich einmal um. In dieser Straße waren sie also. Besser hätte es nicht kommen können. John bezahlte noch, und ehe Sherlock es sich versah, war das Fahrzeit weiter. Das war nicht gut. So schnell er konnte zog er sein Handy und notierte sich das Nummernschild, dann packte er es weg. Wenn er sich beeilte würde John vielleicht gar nichts von seiner Abwesenheit bemerken.
Er erkannte nämlich die in Decken gehüllte Person, die an der Gebäudefassade lehnte und an die sich ein Paket mit Windhundkopf behaglich gekuschelt hatte. Als er auf sie zu kam wollte sie rufen, aber er schnitt ihr mit einer Bewegung das Wort ab.
„Verfolg das Taxi für mich.“ Er zeigte ihr die Nummern, woraufhin sie sich einen alten Füller nahm und die Zahlen und Buchstaben auf ihren Unterarm übertrug. „Es dürfte nach Brokkoli riechen. Hier hast du zwanzig Pfund, das dürfte für eine Fahrt reichen, filme die Werbeanzeige und bring sie mir in die Baker Street, am besten noch heute, ich werde durchgehend da sein. Für den Rest kannst du dir und dem Hund was kaufen.“
Das Mädchen nickte, schälte sich aus der Decke, die sie vollends trocken gehalten hatte und befreite auch ihren Hund, dann winkte sie den beiden noch einmal zu und verschwand in die Richtung, in die das Taxi gefahren war.
Der Nieselregen floss Sherlock inzwischen am Gesicht hinab, während er zu John sah, der ebenfalls den Blickkontakt gesucht hatte, dann ging er zu seinem Freund und neben ihm her.
Die Luftfeuchtigkeit ließ seine Haare kräuseln, mehr, als sie es vorher schon gewesen waren und das Wasser floss ihm an Gesicht und Mantel entlang. Der Geruch nach Gemüse verflog langsam, auch wenn Sherlock seine Hände in die Manteltaschen gesteckt hatte. Anders wäre das nicht auszuhalten gewesen.
Der Arzt war bestimmt wütend. Sherlock warf ihm einen Seitenblick zu. Nur wegen Sherlock mussten sie gehen und das tat ihm fast ein bisschen Leid.
Zumal sein Kamerad hatte bezahlen müssen. Das war eigentlich nicht ganz fair.
Aber wenn John den Grund kennen würde, würde er es verstehen. Er verstand alles, was Sherlock tat. Mehr oder weniger. Sein Vertrauen war eigentlich fantastisch.
Aber der CD durfte ihm nicht sagen, was da in ihn gefahren war, zumindest nicht direkt. Das würde zu viel Verwirrung schaffen, oder, noch schlimmer, Verständnis.
Sherlock schaute zu John. Er war doch eigentlich sein bester Freund, und auch sein einziger. Aber einen anderen wünschte er sich auch nicht.
Sein Leben, so im großen und ganzen war doch eigentlich… Gut.
Er hatte einen Irren Gegner, natürlich, und er war nicht beliebt, aber er hatte so viel, was sein Leben lebenswert machte.
Und das hatten die Kinder auch. Er schuldete es ihnen, sein bestes zu geben, um Moriarty zu stoppen. Das war das mindeste. Er schuldete es ihnen.
Dass er immer noch John anstarrte, bemerkte er erst, als der redete und zu den Wolken aufsah.
Die Worte verstand er erst mit etwas Zeit, und es zauberte ein Lächeln auf seine Lippen und so etwas wie ein ganz leichtes Nicken, während er die Hände hinter den Körper nahm, sie dort ineinander legte und ebenfalls zu den Wolken aufsah, während er Johns weiteren Worten lauschte. Das Lächeln wurde echter. John. Der gute John. Immer auf das Wohl der anderen aus.
Wie konnte man nur so gut sein?
Ein Blitz schlängelte an den Wolken entlang, weiter weg. Früher als Kind hatte Sherlock oft mitgezählt. Damals… Als Kind. Sherlock dachte nicht oft zurück. Nicht gerne.
1… 2… 3… … 6… … 10… 11… 12…
Bei dreizehn brach der Donner herein. Das Gewitter verzog sich.
Bei dem lauten Geräusch rückte Sherlock etwas näher zu John.
Er zeigte ihm oft genug, dass er nicht allein war. Und John war auch nicht allein.
Auf seine letzte Aussage zog Sherlock die Augenbrauen fragend zusammen und sah zu John hinab.
Er wartete auf eine Weiterührung, aber da kam keine. Nach einem Zitat war Schluss. Sherlock kannte Märchen nicht besonders. Die Holmes-Gebrüder waren nie wirklich Märchenhörer gewesen. Sie waren zu sehr mit ihrer Hassliebe beschäftigt und die Eltern waren auch nicht die Aufmerksamsten in der Beziehung.
Also versuchte der Detektiv sein Gehirn zu benutzen und dachte über den Satz nach.
War damit das Vertrauen gemeint, dass die beiden in jeweils den anderen steckten? Das wäre das am Nächsten liegende gewesen.
Plötzlich musste Sherlock grinsen. Das wurde stärker und er drehte sich weg und bemühte sich sehr, nicht albern zu wirken, als er in sich hinein lachte. Moriarty war die Stiefmutter, nein, was ein Vergleich!
Oh, John war gut! John war fantastisch.
Sherlock genoss seine Anwesenheit. Nicht nur wegen der Gewissheit, in allem genommen zu werden, wie er war, auch in der, immer jemanden zu haben, der da war, wenn er in Not war. Den treuen Freund, der einen beschützte wie einen Hund. Mit dem man gehen, lachen, angst haben und Kinder bändigen konnte. Bei dem man sich sagen konnte; Ja, wir schaffen das zusammen. Hatte Sherlock das je in seinem Leben gehabt?
Bis jetzt hatte ihn jeder als Freak dargestellt, bis auf seine Familie oder wenige andere Leute.
Bei John hatte Sherlock nie gedacht, dass er es tun würde, hatte nie einen Gedanken daran verschwendet, dass John ihn verlassen würde. Das hieß- Natürlich hatte er das. In Angstphasen, die ihn so verletzlich machten und die er so hasste, aber wenn er versuchte logisch zu bleiben, so war John doch sein bester Freund.
Er genoss das Gefühl. Einen Freund zu haben, der ihn beschützte und bei ihm war.
Er genoss es, ja, und er war verletzlich durch Freunde.
Aber das war ihm egal, weil er wusste, dass er sich auf ihn verlassen konnte.
Und Mycroft… Wen interessierte Mycroft?

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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Do Sep 04, 2014 5:52 pm

Der Arzt hatte den Blitz mit aufmerksamen, wachsamen Blicken verfolgt. Wusste er doch, dass Bald wieder der Donner folgen würde. Früher hatte der Arzt mal mitgezählt, weil er wissen wollte, wie lange es wohl brauchte, bis der Donner kam. Doch heute war es ihm egal. Der Donner kam und das würde sich nie aufhalten lassen. Durch das Zählen würde das Gewitter leider auch nicht so einfach verziehen. Man würde nur noch ungeduldiger werden, bis der Donner kam. Aufgeregter. John sehnte sich Gewitter allgemein nicht gern herbei, schon allein weil es Geräusche beinhaltete, die den ganzen Himmel erfüllten und manchmal auch, so war das Gefühl da, die Erde beben ließen. Eigentlich waren John Gewitter am Tag nicht wirklich von Bedeutung, aber wenn man draußen war und den schneidenden Wind, samt Regen und Blitzen mitbekam, war es doch noch anders, als wenn man hinter der schützenden Glasscheibe in einem warmen Raum stand. Aber nun waren sie beide eben draußen. Zum Glück war der Taxifahrer so gnädig abzuwarten, bis der Regen ein wenig abgeflacht war. Oder wäre er so dreist gewesen, sie auch bei hartem Regenfall auf die Straße zu schicken? Menschen mit schlechter Laune sollte man nicht unbedingt noch schlechtere Laune bereiten.
Der Arzt schielte minimal von den Wolken zu Sherlock, der ebenfalls seinen Blick zu den Wolken gewandt hatte. Ob er vielleicht mitzählte? Das Thema Gedanken lesen hatte er ja vorhin schon mal und da er es eben nicht konnte, lies er auch die Frage eine Frage bleiben. Vielleicht zählte er mit, vielleicht nicht. Da aber der Arzt nicht mitzählte, widmete er sich schleunigst wieder voll und ganz den Wolken. Schließlich wusste er ja nicht, wann der Moment gekommen war, in dem der Donner auf sich praktisch hereinbrechen würde. Manchmal fragte sich der Arzt, ob es ein paar seiner Kameraden genauso erging, wie ihm. Ob jeder so seine Gedanken hatte, zu bestimmten Geräuschen. Aber schließlich ging auch jeder anders mit den Dingen um, die einen beschäftigten. Vielleicht sollte sich der Arzt auch in Zukunft einen Strategie überlegen, wie er in Nächten mit einem Gewitter klar kam, außer sich ans Fenster zu stellen und warten, bis es vorbei war. Aber fürs erste war ihm das immer die einzige Möglichkeit gewesen, mit wachsamen Blick in den Nachthimmel gerichtet und abwarten bis das Gewitter weiter zog, dann wieder ruhig einschlafen zu können.
Als dann der Wind etwas zunahm und John seinen Blick kurz auf einen Baum in der nähe eines einsamen Hauses in der Gegend schweifen ließ, erfüllte dann das erwartete Geräusch den Himmel. Johns Blick schnellte nach oben zu den Wolken, während sein Herzschlag einen Moment auszusetzen schien. Wenn man draußen war, dann war so ein Donnergrollen noch viel lauter, als es Watson sonst immer in Erinnerung hatte. Einen Moment sah er staubigen Boden vor seinen Augen auftauchen, doch bevor seine Erinnerungen an seine Kameraden wieder lebendiger wurden, spürte er, das Sherlock ein Stückchen näher gekommen war, gerade als das Donnergrollen am lautesten wurde. Und somit verschwand auch wieder das Bild des staubigen Bodens, auf den schon so viele Kameraden verwundet wurden. Also hatte Sherlock doch mitgezählt, wenn er genau beim lautesten Donnergrollen während des gehens ein wenig näher gekommen war. Der Arzt begrüßte die stumme Geste. Wenigstens hatte jemand mitgezählt, wenn es John selbst schon nicht tat. Jedenfalls, als John die Geste bemerkte wandte er den Blick von den Wolken ab und lächelte. Ein flüsterndes „Danke dir“ kam über die Lippen des Arztes. So hatte er wenigstens das Gefühl, dem Geräusch nicht allein ausgeliefert zu sein. Gleichzeitig festigte das die Tatsache, dass John hier war, hier auf einer eigentlich recht friedlichen Straße vor London, nicht mehr dort, was er immer als „da unten“ bezeichnet hatte.
Erleichtert stellte der Arzt fest, dass das dann wohl das letzte Donnergrollen gewesen war, da kein Blitz mehr auftauchte und der Wind schien auch wieder ruhiger zu werden. Gut, das war gut. Nunja, bis auf die Tatsache, dass dafür der Regen wieder etwas mehr zunahm. Aber dennoch war die kühle Luft gerade unheimlich gut und Watson merkte, dass auch dem Detetctive der Spaziergang gut tat.
Tief atmete John die frische Luft ein, die durch seine Lungen strömten. Ja, er war nicht allein und auch Sherlock war es nicht. Sie waren zu zweit. Aber John wusste, wer allein war und wer wohl auch immer allein bleiben würde. Moriarty.
Nach seinem letzten Satz, den John wieder mit einem Blick in den Wolken ausgesprochen hatte, lag ein langes Schweigen in der Luft. Der Arzt beobachtete ein paar umliegende Häuser, in ein paar davon brannte Licht, in anderen war es dunkel. Ob Sherlock verstand, was John sozusagen mit dem Zitat gemeint hatte? Die Holmesbrüder hatten sich ja möglicherweise nicht so ganz mit Märchen befasst, dann doch eher mit Sachliteratur, oder was auch immer. Als der Arzt aber einen weitern Blick zu Sherlock warf und der um ein wenig Fassung bemüht war, dass man sein grinsen nicht so sah, wusste John er hatte es verstanden. Nicht nur weil er mit dem Satz das Vertrauen von ihnen beiden aufzeigen wollte, sondern auch ein wenig Auflockerung mit reinbringen wollte. Zwar war es eigentlich ziemlich ernst, das Thema mit Moriarty, aber dennoch. Moriarty würde einfach immer und über all perfekt das Böse abgeben. Auch in Märchen und auch als Stiefmutter. Der Arzt schmunzelte ebenfalls. Oder noch besser, Moriarty der böse Wolf. Wenn der Irrer Märchen verändern konnte, dann konnte es John auch. Aber nur zur reinen Belustigung über diesen Wahnsinnigen.
Nachdem das schmunzeln von Watson wieder aufgehört hatte, und das brauchte nun doch etwas, weil Moriarty ja keine Ahnung hatte mit wie vielen Märchengestalten man ihn eigentlich noch hätte vergleichen können, wurde John aber wieder ernst. Er hatte einen Entschluss gefasst, still und heimlich, kurz nach dem Sherlock Johns Vermutung noch im Kindergarten bestätigt hatte. Er würde Sherlock überall hin folgen und ihn Beschützen, sogar mit seinem Leben, wenn es nötig war. Eigentlich würde er jeden mit seinem Lebe beschützen, wenn es ihm möglich wäre, zumindest denen, denen er nahe stand oder die ihm nahe standen. Wie auch die Kinder. Vielleicht lag es auch einfach in seiner Natur, oder an seiner Berufung sich für andere Menschen einzusetzen. Der Arzt blickte auf, als er vereinzelt Motorgeräusch wahrnahm. Kamen sie etwa einer befahrenen Straße näher? Eine Abzweigung war vorne zu erkennen, aus einer Richtung kam ein Auto vorbeigefahren. Dann sollten sie wohl doch so langsam dann rechts Abbiegen, wenn sie die Chance haben wollten, ein Taxi zu erwischen.
Moriarty wollte John im Moment nicht mehr zur Sprache bringen. Schließlich sollte der Spaziergang noch ein wenig ruhe vor dem Wahnsinnigen Bieten, wann auch immer er sich zeigen wollen würde.
Die Wolken wurden ein wenig heller, als sie dann die Straße rechts der Abzweigung entlang gingen. Erleichterung machte sich in dem ehemaligen Militärarzt breit, da der Himmel nun nicht mehr so bedrohlich wirkte, wie zuvor. Auch wenn der Regen immer noch da war, so war das kühle Nass zumindest ein wenig erfrischend, vor der Aufregung und der Erkenntnis zuvor. „Wussten Sie eigentlich, dass Anderson mit Gwyneth verwandt ist?“ Der Arzt lenkte nun ganz bewusst auf ein komplett anderes Thema um für die Taxifahrt anderen Gesprächsstoff zu haben, als an Moriarty zu denken. Dieser Mensch konnte einen selbst aufwühlen, ohne dass es selbst präsent war. Der Arzt erinnerte sich daran, dass Nina Anderson mal kurz zur Sprache gebracht hatte, als John erwähnt, dass er eben einen Bekannten im Kindergarten getroffen hatte. Phillip hatte sie ihn genannt, sogar bei seinem Vornamen. Ob da mal was war oder immer noch lief? Andere Gedanken waren doch jetzt recht willkommen. Zumindest so lange bis sie in ihrer Wohnung waren. Ob der Detective sich dann wohl gleich daran machte, mehrere Hinweise zu finden, was Moriarty vorhaben könnte? Obgleich es John ein Rätsel war, wie der Detective das anstellen wollte. Der Arzt sah, wie weiter hinten der Straße Autos sich einen Weg entlang bahnten. Das letzte war schwarz, soweit John sehen konnte. Mit einem gelben Schild. Hoffentlich ein Taxi, denn so langsam fühlte der Arzt sich doch wie unter einer Dusche, des Regens wegen. „Ich sollte mal Mrs Hudson fragen, ob sie noch Wolle hat“, murmelte der Arzt dann abweichend vom vorherigen Thema mit Anderson. Da fiel ihm Ja noch Sophie ein, die sich so gerne ein pinkes Kleid mit großen Löchern für ihre Puppe gewünscht hatte.
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Sherlock Holmes
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Fr Sep 05, 2014 10:15 am

Sherlock ging neben John her. Ging einfach. Ging sich den Stress von der Seele. Ging sich Jim von der Seele.
Er genoss, seine Beine zu bewegen und einfach zu gehen, durch den zarten Regen, während der Wind an seinem Mantel zerrte. Die Luft belebte und Sherlock atmete tief durch.
Die Luft roch nach Gewitter. Ein Sturm zog auf. Der Sommer war vorbei.
Der Blitz rankte sich in seiner vollen Pracht an den Wolken entlang und verschwand, ehe man ihn wirklich erfassen konnte.
Leise, nur in seinem Kopf, zählte der Detektiv mit. Er war Sherlock Holmes. Er war nicht nur der kalte arrogante Soziopath. Er war auch der kleine Junge.
Der Donner erfüllte die Luft. Ein brechendes Geräusch, ein Rumpeln und beim nächsten Schritt war Holmes einen Schritt näher bei Watson.
Er war nicht nur Soziopath und Junge. Er war auch ein Freund.
Und das wollte er so bewahren.
Falls John etwas bemerkt haben sollte wollte Sherlock nicht riskieren, dass er etwas sagte, also schaute er einfach starr geradeaus, mit den Adleraugen, die keine Worte akzeptieren würden.
Der Wind war wieder stärker geworden und Sherlock zog den Mantel enger um sich.
Bei den leisen Dankesworten Johns sah er allerdings runter. Unweigerlich mit dem etwas weltfremden, abwertend fragenden Blick, den er immer drauf hatte, wenn etwas Unerwartetes kam.
Dann fasste er sich und schaffte es fast zu lächeln.
Er sah wieder nach vorne und genoss die fast nachtähnliche Luft, die Steine unter seinen Füßen und der Weg, den er noch gehen konnte. Und dass er gehen konnte. Dass ihn seine Beine trugen, wohin er wollte; dass er funktionierte.
Das leise Platschen des Regens und ihrer Schritte wenn sie über den leicht überfluteten Gehsteigs untermalten die Szene.
Als John das Geschehen lockerte kicherte Holmes ein wenig, hatte sich aber bald schon wieder im Griff. Trotzdem erfreute es ihn, dass John die Szene auflockern wollte. Der gute John.
Gab es einen besseren Menschen auf dieser Welt?
Langsam lichteten sich die Wolken, während die beiden Freunde durch die Nebengasse liefen und ließ vereinzelte Sonnenstrahlen durch, die die Straße zum glänzen brachten. Und noch etwas- Weiter vorne blitzte Metall. Ein einzelnes Auto fuhr an beiden vorbei und reihte sich vorne in den Verkehr ein- Ein Taxi war in Sicht.
Auf Johns Aussage musste der Detektiv schadenfroh grinsen. „In der Dame stecken mehr Geheimnisse, als sie denken.“ Sagte er dann und suchte die Gegend nach einem Taxi ab.
Schon wenig später hielt tatsächlich eins, nachdem Sherlock seine Hand nach einem gehoben hatte.
Die restliche Fahrt verging dann ruhig, er sagte zumindest nichts mehr, und da die Baker Street sowieso nicht mehr weit war blieb auch gar nicht mehr viel Zeit für ein anständiges Gespräch.
In der 221b verabschiedete Holmes, nicht dass er etwas gesagt hätte, sich und verschwand dann sofort vor seinem Laptop.
Da das Internet weder zur Schmuckmarke JM noch zu der Anzeige, die schon vor Jahren lief. Also war das von ihm arrangiert worden. Das sah ihm ähnlich, er wollte nur das Beste für sein Spiel, nur die undurchsichtigste Beweiskette.
Trotzdem druckte er sich die Seite aus, auf der Stand ‚Keine der Suchanzeigen trifft auf die Suchlaute ‚JM Jim Moriarty Schmuck‘ zu und dann noch die andere, fertigte eine kleine Beschreibung zu dem selbstgedrehten Werbespot an, setzte eine Skizze darunter, verfluchte sich kurz, kein Bild vom Märchenbuch gemacht zu haben, zwang sich, es morgen zu tun und holte sich ein par Pinnadeln aus einem Döschen.
Dann steckte er alles auf und verband ein wenig mit Geschenkband, dass er für so etwas immer benutzte. Als Abschluss wurde noch über alles ein Bild von einer Silhouette mit Fragezeichen, aber aufgemaltem, unverkennbarem Westwoodanzug. Den Filzstift noch in der Hand schloss Sherlock sämtliche 0815-Bild-Webseiten, schaltete den Drucker aus und trat vor seine Beweiskette.
Noch bevor Jim hinzugekommen war waren noch die einen oder anderen Bilder vom Kindergarten hinzugekommen, etwas weiter weg, auf einer anderen Spalte als der der Werbespots die möglichen Opfer. Im Internet hatte Sherlock ein Gruppenbild von allen Gefunden, und das aufgeheftet, jetzt wusste er auch, wie eine der kranken Erzieherinnen aussah, unter dem großen Foto mehrere kleine, die Einzelne Kinder zeigten und Einzelmotive darstellten. Gwyneth, weil sie mit dem Detective geredet hatte, für einige hatte das ja schon für den Todesstoß gereicht, drei Jungen, zwei Mädchen, weil ihre Eltern anhand Sherlocks erster Deduktionen etwas reicher waren als der Durschnitt, und dann noch jeweils die Erzieherinnen, ganz speziell übrigens die Kranken, weil die ja auch der Grund sein konnten.
Der Detektiv trat ein paar Schritte von seinem Kunstwerk weg und schaute ehrfürchtig hinauf.
Über der Couch würde jetzt nach und nach eine Gewitterwolke an kleinen Zettelchen auftauchen, die letztendlich zu etwas Großem führen würden. Jim.
Der Holmes Bruder gönnte sich einen Tee, den er, den Blick immer noch bei seinen Theorien, aus fragwürdigem Wasser (vielleicht war es ja noch Teil eines Experiments, dass es so grünlich war?) und einem Teebeutel, der schon durch gebrüht in der Spüle gelegen hatte, dann nippte er vorsichtig daran, während er weiterhin seine Notizen besah.
Nachdenklich stieg er auf das Sofa, die hochgewachsene Gestalt in schwarzem Jackett nun noch einen Kopf größer, und untersuchte noch einmal die Puppen aus dem Clip. Er würde ja hoffentlich noch das Filmmaterial dazu bekommen, aber man durfte doch schon mal anfangen.
Also, die erste hielt ihre Hand gesenkt, abgeknickt, dass sie nach unten Zeigte. Etwas unten? Der Heizungskeller? Die zweite hielt sich den ausgestreckten Zeigefinger vor den Mund. Etwas Stilles?
Hatten die Puppen überhaupt etwas damit zu tun? Oder vielleicht die Anzahl der Ringe an ihren Fingern?
Doch egal wie sehr Sherlock sich die nächste halbe Stunde still und konzentriert an den Schreibtisch setzte, er fand keine Geheime Kombination.
Was hatte es eigentlich damit auf sich, dass es eine Schmuckmarke war, die ihm da vielleicht Hinweise liefern sollte?
Sherlock legte die Fingerspitzen aneinander und stützte die Nase. Dann verschwand er in seinem Gedankenpalast, während er, für andere draußen einfach nur starr da saß und die Wand ihm gegenüber, also das Buchregal, unverwandt anstarrte.
Brainstorming Schmuck.
Sherlock stand in einem langen Gang, der Boden von kunstvollem Marmor bedeckt, die Wände waren Türen, gläserne Türen mit dunklen Mahagoni-Rahmen. Er trug seinen Mantel, seinen Schal und die Handschuhe, wie meistens im Palast, unter seinen Füßen klackten die Sohlen seiner Schuhe über den Boden, da bemerkte er, dass er ging.
Rechts und links standen Personen, kamen zu den Türen heraus oder lehnten plötzlich an einer.
Mycroft stand vor einer Tür und verschloss sie erst, Sherlock musste aber weiter gehen und er sah zu ihm zurück. „Reichtum.“ Rief sein Bruder und der jüngere Holmes wandte sich zu Molly um, die gerade hastig die Tür schloss um „Damen!“ zu rufen. Bis jetzt war da nicht viel, aber Sherlock wanderte ja erst in den Palast hinein.
„Sah ziemlich teuer aus.“ Anderson lehnte an einer Tür und bedachte den Wandernden mit einem abwertenden Blick. „Kinder können sich sowas nicht kaufen.“ Sherlock drehte sich um. Da lehnte John an einer Tür und bedachte ihn mit seinem normal-grimmig-hilfreich-Blick.
Es kamen noch ein paar Personen, aber Andersons Satz und Johns hinzugefügte Worte gingen dem Detektiven nicht aus dem Kopf.
Er kam schließlich in einen Raum, der ähnlich aufgebaut war, wie die anderen, nur hier war die Wand Cremefarben und es gab keine Türen. Hinter Sherlock war der Gang, plötzlich leer, und vor ihm ein Podium, wie eine Bühne, nur zweimal so hoch wie der Consulting Detective, mit einem hübschen Geländer, auf das sich eine ganz bestimmte Person stützte wie ein Politiker, oder Redner.
„Nein Sherlock.“ Moriarty wiegte mit dem Kopf hin und her. „Kein Kind kann sich sowas leisten.“
Hastige Schritte auf der Treppe und eine Windböe, die heftig gegen das Fenster schlug ließen Sherlock aufsehen. Er war nicht mehr im Palast, er war in der Baker Street. Sein bevorzugtes Habitat, auch wenn er den Palast, sofern ein Gedankenpalast, allemal vorziehen würde.
„Mr. Holmes!“ Das Mädchen kam hineingestürzt, der Hund dicht hinter ihr. Sie nahm sich kurz die Zeit, den Lichtschalter zu betätigen. „Mr. Holmes! Es war weg!“ während sie ihm eine Vielzahl kleiner Pfundmünzen auf den Tisch klatschte, sodass diese in vielen zu Boden fielen.
„Die Werbeanzeige war weg, da gab es keine, der Bildschirm war dunkel!“ rief sie dann, obwohl sie nah neben ihm stand und er sie auch verstanden hätte, hätte sie normal geredet.
„Ich verspreche Ihnen, ich bin in genau dasselbe Taxi gestiegen, das sie meinten, aber die war weg! Nichts, was ich filmen könnte!“ Sie zog ein altes Telefon hervor, so alt, das Filmen wirklich schon die modernste Einstellung davon war, aber das Bild war trotzdem verpixelt und abgehaxelt. Trotzdem sah man sehr gut, dass auf dem gefilmten Bildschirm nichts lief, er war aus. Gegen Ende des fünfminütigen Clips hörte man noch ein „So, Sie sind da.“ Und dann wurde der Film beendet.
Sherlock zog die Augenbrauen zusammen. Da ging ein schöner Beweis und eine große Hilfe den Bach runter.
Er gab dem Mädchen das Geld wieder und sagte, sie könne es behalten, dann verabschiedete er sich und stand auf.
Es war spät, aber ans Schlafen war nicht zu denken.

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John Watson
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Mein Name ist John Watson und ich bin auf den Tag genau 40 Jahre alt. Ich wurde in London geboren und wohne heute in London. Beruflich bin ich Arzt. Außerdem bin ich bekannt als hoffentlich doch loyaler Freund und guter Arzt. Aktiv im Inplay? Ja, seit dem 18.11.14



BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   So Sep 07, 2014 9:34 pm

Der Arzt hatte das schadenfrohe lächeln seines Freundes bemerkt, allerdings gönnte er es ihm. John hatte ja eigentlich kein Problem, dass sich das Mädchen ein Kleid für seine Puppe wünschte. Nur er selbst stellte das Problem da. Er konnte weder häkeln, noch stricken, noch mit Nadel und Faden umgehen. Daher würde er wohl wirklich die Hilfe einer gewissen Dame in Anspruch nehmen. Erst recht, als der Arzt Sherlocks Worte hörte. Wie recht der Detective doch hatte. Allerdings wunderte es John, dass der Detective das so wissend und fast schon geheimnisvoll aussprach. Wusste Sherlock etwa mehr von Mrs Hudson, als John? Nunja, die beiden kannten sich ja schon vor dem Aufeinandertreffen des Consulting Detective und des Arztes. Klar konnte der Detective da noch so einiges mehr wissen, als Watson. Hoffentlich war hinter den Geheimnissen der Vermieterin auch eine gute Strickerin dabei, oder wenigstens jemand, der sich gut mit Nähen und dem ganzen drum herum auskannte.
Nachdem ein Taxi, nicht nur von John gesichtet wurde, hielt es der Detective auf, womit sie auch endlich vom Regen Unterschlupf finden konnten. Nicht das John der Spaziergang nicht gefallen hat, ganz im Gegenteil, durch den Regen war die Luft erst angenehm frisch geworden und der Wind tat auch mal gut, nach diesen vielen Gedanken. Nur der Donner hatte gestört. Aber der war nun verschwunden und somit musste man auch nicht mehr darüber nachdenken. Der Arzt griff nach seinem Anschnallgurt, als sie sicher im Taxi saßen, die Adresse wurde kurz genannt und dann lehnte sich John in seinem Sitz zurück. Schutz vor dem Regen, der mit der Zeit doch etwas viel wurde, hatten sie jetzt endlich auch. Sherlock verlegte sich auf Schweigen, also tat es der Arzt ihm gleich. Schließlich brauchten sie beide noch etwas die erholsame Ruhe, bevor in der 221b gearbeitet wurde. Gut, Sherlock arbeitete. Er hatte was zu tun. Watson würde aber versuchen, weitestgehend zu helfen. Vielleicht würde John für sich im Stillen versuchen, ein paar Fragen zu beantworten oder eine Theorie zu finden. Wobei das der Consulting Detective doch besser konnte, als der Arzt. Eigentlich war es auch immer der Detective, der die Hauptarbeit übernahm und John arbeitete ihm zu. Manchmal fragte sich der Arzt schon, ob sein Mitbewohner sich nicht manchmal überarbeitete, ihm Fälle zu viel wurden. Aber anscheinend brauchte er diesen Druck, diesen Nervenkitzel. Nur bei Moriarty war es anders. Mit Moriarty war nicht zu spaßen, Moriarty war ein Irrer. John hatte seinen Blick nach draußen gewandt. Nein, jetzt kein Moriarty. Die Taxifahrt wollte er schließlich noch genießen, bevor er sich um das Häkelproblem kümmern würde und vielleicht konnte er auch Sherlock auf irgendeine Weise behilflich sein.
Das Taxi hielt schon nach kurzer Zeit vor der allzu bekannten Baker Street. Sherlock stieg aus und verabschiedete sich. Gut, nicht mit Worten, sondern einfach mit einem Blick, bevor er zur Tür ging. Die Arbeit hatte begonnen. Der Fall, Moriarty stand bevor. John nickte nur. Der Detective würde wohl den ganzen Abend, vielleicht spät bis in die Nacht an den Fragen dransitzen, was der Irre wollte, wie genau das Buch in den Kindergarten kam, was zu beachten war und und und. Sherlock hatte zu tun. Bei solch einem Fall wie Moriarty allemal und John würde sich bemühen ihn nicht zu stören, sondern zu unterstützen.
Als Sherlock ins Haus verschwand, dabei aber die Haustür offen ließ, da der Arzt ja noch nachkam, wandte sich dieser an den Fahrer des Taxis. Der Regen fiel immer noch von den Wolken herab, weshalb John das Zahlen so schnell wie möglich hinter sich bringen wollte. „Miserables Wetter, was?“ fragte der Fahrer, während er das Geld dankend entgegennahm. „Da haben Sie recht“, bestätigte John. „Schlimm. Jetzt wo der Sommer vorbei ist, ist nur noch Regen zu erwarten. Die ganze Woche. Schrecklich. Da möchte man lieber im Bett bleiben“, redete der Fahrer weiter. Der Arzt nickt, hob dann die Hand zum Gruß, woraufhin sich auch der Fahrer verabschiedete, während John schon auf die Haustür zulief. Unten im Flur angekommen, schloss er die Haustür und strich sich kurz über sein feuchtes Haar. Er hörte Schritte von oben, ihrer Wohnung. Ob der Detective wieder seine Zettelchen, Fotos und Informationen an die Wand hängen würde, wie bei einer Pinnwand? Jedenfalls schien er bereits Feuer und Flamme, hinter Moriarty Machenschaften zu kommen. Zumindest was er im Kindergarten verloren hatte. Vielleicht hatte sich dieser Irre ja auch mal verirrt und war anstatt bei irgendeinem großen öffentlichen Gebäude bei den kleine Kids gelandet. Wobei das mehr als unwahrscheinlich war. Dennoch, diesmal würden sie Moriarty in die Schranken weisen und wie.
Der Arzt öffnete den Reisverschluss seiner Jacke, während er kurz noch auf die Treppe nach oben sah, dann wandte er sich Mrs Hudsons Wohnung zu. Schließlich hatte er ja noch ein Anliegen an sie.
Kurze Zeit später war er auch schon bei der Vermieterin in der Wohnung. Genauer gesagt in der Küche, in der sie gerade etwas in ihren Backofen schob, das verdächtig nach einem Kuchen aussah. „Und wie war Ihr erster Tag im Kindergarten? Ich hoffe Sherlock hat sich wenigstens bei den Kindern zusammengerissen?“ fragte die Dame, während sie die Ofenlucke schloss. John lächelte kurz. Er hatte seine Jacke über einen Stuhle gehängt und sich auf diesen an einen kleinen Tisch gesetzt. Tja, wie war bloß der erste Tag. Eigentlich verlief er gar nicht schlecht, bis eben dieses Buch kam. Aber das sollte er vor der Vermieterin nicht erwähnen. Sonst würde es Morgen schon die ganze Nachbarschaft wissen, dass Jim Moriarty direkt oder indirekt im Kindergarten war. Das wäre dann weniger gut. „Der erste Tag war gut. Ja, gut. Sherlock ist Sherlock. Sie kennen Ihn doch. Bücher werfen finden die Kinder aber recht lustig und seine komplizierte Art vorzulesen stört den Kindern nicht wirklich. Also ja, ich würde sagen er hat sich schon eingelebt“, erklärte der Arzt mit einem versuchten ehrlichen lächeln, schließlich war Moriarty in Gedanken präsent und ebenso die Frage, was er wollte. Was er im Kindergarten wollte und vor allem ob er etwas von den Kindern wollte oder doch von Sherlock und ihm? Auf dem Gesicht der Vermieterin erschien ein herzliches lächeln. „Ohhh, das wundert mich gar nicht. Sherlock ist doch fast wie ein Kind, kein Wunder das er so bei den Kleinen ankommt“, die alte Dame griff nach einem Teller auf ihrer Küchentheke und stellte diesen dann auf den Tisch, an dem der Arzt saß. Britisches Gebäck. Watson war sich sicher, sie würde gleich noch Tee servieren. „Und wie geht es Ihnen?“ Der Arzt hatte dem alten Radio, welches am hintersten Eck des Tisches stand, aufmerksam gelauscht. Der Wetterbericht meldete für den restlichen Tag abwechselnd stärkeren Regen, in der Nacht überwiegend Platzregen, vereinzelt Hagel. Kein Gewitter. Ein Glück. John hatte aber trotzdem nicht vor, schnell einzuschlafen. Er musste abwarten, zumindest solange, bis er wirklich sicher war, dass kein Gewitter kommen würde. Die Stimme der Vermieterin lies ihn jedoch von dem Radio aufsehen. „Mir?“ fragte John verwundert. Er hatte nicht gedacht, dass die Vermieterin gleich nach seinem Befinden fragen würde. „Ja, Ihnen John. Sie sehen müde aus“, erklärte die Dame und setzte nun noch zwei Tasse Tee auf dem Tisch, ehe sie sich selbst an den Tisch setzte. Gegenüber vom Arzt. Watson lachte schwach auf. „Bei der Horde an Kindern, die einen wirklich beanspruchen können, ist das ja auch kein Wunder. Aber sonst, alles bestens. Ich könnte mich nicht beklagen und Ihnen?“ Watson nickte dankend wegen des Tees und nahm die Tasse vorsichtig aus der Untertasse, um die heiße Flüssigkeit etwas kühler zu pusten. „Ach…“ die alte Dame machte eine abfällige Handbewegung. „Unkraut vergeht nicht. Nur die Hüfte macht mal wieder Probleme“, antwortete Mrs Hudson und legte ihre Handfläche kurz auf besagtes Körperteil um damit ihre Aussage zu unterstreichen. Watson nickte verstehend und begutachtete das Gebäck auf dem Teller. Eigentlich hatte er noch keinen sonderlich großen Hunger, aber Mrs Hudsons auffordernden Blick sich eines zu nehmen konnte er nicht entgehen, daher nahm er sich das kleinste, während beide erst mal schweigend Tee und Gebäck genossen. John hatte noch nie erlebt, dass Mrs Hudson so lange schweigen konnte. Aber wahrscheinlich hatte sie nicht viel zu erzählen. Kein Besuch bei Mrs Turner? Wahrscheinlich wieder das Wetter, dass eher zum Schlafen einlud, als zu einem Gespräch.
Der Wetterbericht verkündete gerade, dass am Morgen früh bis hin zu Mittag wieder schwerere Gewitter angesagt wären und man schon mal die Schwimmwesten rausholen sollte, wie immer ein witziger Kommentar des Moderators. Nur bei John sowohl als auch bei Mrs Hudson verfehlte es seine Wirkung. „Achja, weswegen ich hier bin. Sie haben nicht zufällig etwas zu Häkeln und eine pinke Wolle da?“ fragte John dann, als er das letzte Stück seines Gebäcks hinuntergeschluckt hatte. Die Vermieterin, die ihre Tasse mit beiden Händen umklammert hatte und den Gesprächen sowohl als auch der Musik im Radio lauschte, sah auf die Frage des Arztes mehr als verwundert auf. „Was wollen Sie den mit einer pinken Wolle? Hat Sherlock Sie geschickt, um Wolle für ein Experiment zu besorgen?“ das wäre zumindest das einzige Plausible für die Vermieterin, dass John nach einer pinken Wolle fragte. Obwohl sich Mrs Hudson auch nicht vorstellen konnte, welches Experiment eine pinke Wolle benötigte. Watson schüttelte belustigt den Kopf. „Nein, das ist wirklich mein Problem. Ich habe indirekt eine Kind versprochen, ein Kleid für ihre Puppe zu besorgen. Mit großen Löchern und in pink. Die Kleine meinte damit wahrscheinlich das Häkeln. Nur bin ich darin genauso unbegabt, wie Sherlock und sein Wissen über das Sonnensystem“, erklärte der Arzt. Sofort strahlten die Augen der Vermieterin. „Ach John, da haben Sie sich ja ganz schön in die Bredouille geritten. Gut, dass ich genügend Freizeit habe,“ meinte die Dame erfreut und faltete ein mal ihre Hände lächelnd ineinander, bevor sie aufstand und in ihrem Schlafzimmer verschwand. Watson drehte sich leicht auf dem Stuhl und sah ihr verwirrt nach. Hieß das jetzt, sie hatte Wolle und etwas zu häkeln? Keine Minute später, als sie im Zimmer verschwunden war, kam sie wieder. In einer Hand etwas ähnliches wie Stricknadeln, nur waren diese Nadeln kleiner und hatten eine verbogene Spitze, oder so was in der Art. In der anderen Hand hielt sie tatsächlich eine pinke Wolle und etwas längeres, dass bereits angefangen wurde zu häkeln, oder war es schon fertig? Während sich die Vermieterin wieder auf ihrem Platz zurückbegab, hob sie das längere, schlauchförmige pink gehäkelte Etwas hoch, dass verdächtig nach einem Schal aussah. „Ich habe schon vorgesorgt. Man weis ja nie, wann der Winter so genau eintrifft. Ein mal, ja vor einigen Jahren da war der Winter sogar…“ und da war sie wieder, die gesprächige Mrs Hudson, die sofort in Erinnerungen verfiel, wenn ein Gegenstand oder ein erwähntes Wort sie auf etwas brachten. „Mrs Hudson, könnten sie mir zeigen wie das Funktioniert?“ fragte der Arzt und schnitt ihr dabei mit gespieltem Interesse das Wort ab, schließlich wollte er jetzt keine lange Geschichte hören, sondern schon am liebsten ein Puppenkleid fertig in den Händen halten. Dann wäre zumindest eine Sache erledigt. „Ich kann zwar mit Spritzen, Stethoskope und Patienten umgehen, aber mit Häkeln hab ich mich noch nie befasst“, fügte Watson dann hinzu. „Ach John, keine Sorge. Häkeln ist noch einfacher als Stricken, glauben Sie mir. Wir beide werden in Handumdrehen ein schönes Kleidchen für die Puppe des Mädchens angefertigt haben“, antwortete die Vermieterin und legte ihren Schal beiseite, während sie den Anfang der wolle nahm, diesen um ihren Finger wickelte und dann mit den Stäbchen anfing, Watson Stück für Stück das Häkeln zu zeigen. In ganzen drei Stunden lernte der Arzt die Kunst des Häkelns, welcher Teil des Fadens in welche Schlaufe musste und wie man korrekt ein Kleid aus dem Stücken gehäkeltem zaubern konnte. Nadel und Faden waren dabei natürlich auch im Spiel. Und da es eigentlich auch John war, der das Kleid anzufertigen hatte, durfte er sein gelerntes Wissen auch mal an dem Kleid ausprobieren und Häkeln. Dennoch übergab Watson Mrs Hudson das unfertige Kleid schon nach wenigen Minuten wieder. Sie konnte es doch eindeutig besser. Außerdem wäre es kaum auszudenken, würde irgendjemand von Johns Häkelstunden erfahren. Schlimm genug, dass Sherlock es noch bemerken würde, wenn er es nicht schon längst wusste. Schließlich hatte er auch heute im Kindergarten erwähnt, dass, wenn der Arzt den Kindern was bieten wollte, er mit dem Nähen anfangen müsste. Was er garantiert nicht tun würde.
Dann, nach drei Stunden in denen die freundliche Vermieterin begann, alte Geschichten über ihr Leben zu erwecken und von ihrer ersten Fahrt auf einem Mofa, einem Campingausflug in der Jugendzeit und ihre unzähligen Treffen mit Mrs Turner berichtete, war das Kleidchen, für Sophies erwähnte Barbiepuppe, auch schon fertig. „Wie heißt das Mädchen den, dass das Kleidchen bekommt?“ fragte nun die Dame, die eben genanntes Kleid hoch hielt und noch ein mal kritisch einer Musterung unterzog. „Sophie“, antwortete ihr John, der sich wieder dem Radio zugewandt hatte, dann aber Teller auf dem noch mehr als die Hälfte des Gebäcks und die leeren Teetassen auf die Küchentheke stellte, um der Dame diese Arbeit wenigstens abzunehmen. Als er sich umdrehte hielt Mrs Hudson ihm das fertige Kleidchen hin und John lächelte. „Darüber wird sie sich freuen“, meinte er, als er das Puppenkleid entgegen nahm. „Das ist schön. Aber erwähnen sie bloß nicht, dass ich ihnen geholfen habe. Das war ja praktisch selbstverständlich“, erklärte die Vermieterin und packte ihre Näh- und Häkelutensilien in eine Kiste. Watsons lächeln verwandelte sich in ein grinsen. Er würde die Vermieterin erwähnen, schließlich hatte sie die Arbeit fast vollständig für ihn übernommen. Aber wenn Mrs Hudson so viel daran lag, nicht erwähnt zu werden, dann würde er sie große Helferin bezeichnen, wenn er Sophie das Kleid Morgen überreichen würde.
John wandte sich, als er nach seiner Jacke griff, zum Fenster. Draußen war der Himmel wieder Wolkenbehangen, nicht mehr so wie am Nachmittag noch mit Sonnenstrahlen, die durch die Wolken drangen. Schätzungsweise musste es Spätnachmittag, kurz vor Abend sein. Da draußen es sowieso immer gleich aussah, durch die dunklen Wolken, konnte man schlecht auf die Zeit schließen. Nur Johns Blick auf Mrs Hudsons Küchenuhr bestätigte ihn in der Annahme, dass es mit halb fünf schon Richtung Abend zuging. Der Arzt wandte sich von dem Fenster ab und lächelte der Vermieterin zu. Er war aufbruchsbereit, zumindest um nach oben in die Wohnung von dem Detective und ihm zu gehen. Das bemerkte auch Mrs Hudson, da sie aufstand. „Nein nein, bleiben Sie sitzen Mrs Hudson. Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe. Sie haben was gut bei mir“, meinte John und verabschiedete sich somit von der Dame, die sich mit einem herzlichen lächeln wieder hingesetzt hatte. Watson machte sich aus Mrs Hudsons Wohnung auf den Weg nach oben.
Nach 10 Minuten stand Watson in einem blauen Hemd mit schwarzer Strickjacke in der Küche und setzte einen Tee auf. John hatte zuvor seine Jacke an den Hacken gehängt, das Puppenkleid in seinem Zimmer verstaut und den Pullover eben gegen Hemd und Strickjacke getauscht. Die Stunden unten mit Mrs Hudson waren sehr beruhigend. Allgemein fühlte sich der Arzt bei Mrs Hudson manchmal wie bei einer guten Oma. Selbst ihre Art, wie ein Wasserfall zu reden, hatten John nicht gestört. Im Gegenteil, es war wirklich faszinierend, was Mrs Hudson in jungen Jahren alles erlebt hatte. Das wenigste davon, hätte John ihr zugetraut. Dass sie mit Mofa über die Straßen gebrettert war, so was sah man ihr nicht wirklich an. Aber hätte man ihr auch angesehen, dass sie mal als exotische Tänzerin aufgetreten war oder ihr Mann ein Kartell geführt hatte? Watson erinnerte sich mit einem lächeln an Sherlocks Satz, bevor sie ins Taxi gestiegen waren. Ja, Mrs Hudson steckte wirklich voller Geheimnisse. John lies einen Teebeutel in dem kochenden Wasser in einer Tasse verschwinden und wandte sich den Kühlschrank nach einem Fläschchen Sahne zu. Ja, bei Mrs Hudson zu sitzen und ihr beim Häkeln zuzusehen, hatte auch etwas ablenkendes im Bezug auf Moriarty. Aber jetzt galt es Sherlock vollends zu unterstützen, wo John nur konnte. Der Detective schien schon seit einiger Zeit in seinem Gedächtnispalast zu sein, den er saß in am Schreibtisch und rührte sich nicht. Wahrscheinlich versuchte er dort weitere Antworten zu Moriarty zu finden und zu dessen Vorhaben. Watson hatte selbst beschlossen, sich ein wenig mehr mit den Märchen auseinanderzusetzten, die Moriarty alle verändert hatte. Vielleicht versteckte darin sich eine Antwort oder ein Hinweis darauf, was Moriarty wollte? Der Arzt hatte ein Fläschchen mit Sahne gefunden und stellte es neben die Tasse Tee. Den Kopf im Kühlschrank hatte er einfach ignoriert. Wahrscheinlich würde er noch ewig dort stehen. Denn so wie es im Moment aussah, würde Sherlock die ganze Woche durchhalten. Allein schon wegen Moriarty. Aber wenigstens war der Tisch etwas ordentlicher und das Grundprinzip Sherlock mit in den Kindergarten zu nehmen, war ja geglückt. Auch wenn sich das Ganze nun anders entwickelt hatte. Der Arzt wandte sich seinem Laptop zu, der auf dem Küchentisch lag, klappte ihn auf und fuhr diesen hoch. Als der Tee dann auch nach ca 6 Minuten durchgezogen hatte, nahm Watson den Teebeutel raus und entsorgte ihn in die Mülltonne. Mit einem Löffel rührte er die Sahne in den Tee und legte diesen Löffel dann auf die Untertasse. Einem guten warmen Earl Grey würde dem Detective jetzt gut tun. Nicht die Tasse Tee, die John beim kurzen betreten des Wohnzimmers vorhin leer auf dem Tisch aufgefunden hatte und dazu noch etwas kleineres, undefinierbares am Grund der Tasse entdeckt hatte. Auch ein Experiment, dass sich in den Tee verirrt hatte, wie das Auge damals im Kaffee? Jedenfalls sollte eine weitere Tasse Tee mit Sahne nicht schaden, schließlich war sich John sicher, dass die Reise des Detectives in dessen Gedankenpalast anstrengend war. Auch wenn es Sherlock wohl nicht selbst zu geben würde. Watson stellte also die Tasse Tee auf den Platz am Tisch im Wohnzimmer, an der auch zuvor die leere Teetasse gestanden hatte, die einen neuen Platz in der Spüle fand. Warf einen kurzen Blick zum Detective, der tatsächlich in seinem Gedankenpalast verschwunden war und begutachtete dann die Wand über dem Sofa. Diese strotzte nur so von Zetteln, Bildern und Fäden die eben diese Zettel verband. Ob das eine Mindmap oder etwas ähnliches war? Jedenfalls hatte Sherlock das schon mehrere mal gemacht, alle Informationen zu sammeln und an der Wand aufzuhängen. Obwohl Mrs Hudson genauso wenig erfreut darüber war, wie von dem Smiley, den man auch jetzt noch leicht unter den Zetteln entdecken konnte. Der Detective hatte sich eine heiden Arbeit damit gemacht, während John seine Zeit noch unten bei der Vermieterin verbracht hatte, um sein kleines Problem zu lösen. Nun, da dies auch gelöst war, würde sie auch John um ein paar Fragen bezüglich Moriarty kümmern.
Der Arzt lies noch mal seinen Blick über ein paar Bilder schweifen, die ein paar Kindergartenkinder, sowohl als auch Erzieherinnen zeigte, die John noch nicht kannte. Außer die eine, die bei ihm in der Praxis war. Ob der Rest von ihnen diejenigen waren, die krank waren? Wahrscheinlich schon, sonst hätte man diese ja im Kindergarten gesehen. Watson dachte an den Tag, an dem er ihr versprochen hatte, mal im Kindergarten nach dem Rechten zu sehen und ein wenig beim Betreuen zu helfen, so lange nur zwei Erzieherinnen dort anwesend waren. Ob er den Vorschlag besser hätte sein lassen sollen? Dann hätte er auch nicht Sherlock mitgenommen, sie wären überhaupt nicht im Kindergarten anwesend und vielleicht hätte sich Moriarty dann dort auch nicht bemerkbar gemacht. Andererseits war es gut, dass Sherlock nun dabei war. Wer weiß was vielleicht hätte geschehen können, hätte niemand das Buch bemerkt und hätte John Sherlock nicht gedroht, den Kopf in die Mülltonne wandern zu lassen, wenn er nicht mitkäme.
Watson wandte sich der Wand ab und verließ auf leisen Sohlen das Wohnzimmer um Sherlock nicht weiter in seinem Gedankenpalast zu stören. Dann setzte er sich an seinen, bereits hochgefahrenen, Laptop und loggte sich ein um gleich danach seine Suche nach den Märchen im Internet zu beginnen. Vielleicht gab es da Auffälligkeiten, die Moriarty ganz bewusst in seinen Geschichten verändert hatte, die im richtigen Märchen ganz anderst dargestellt wurden. Welche Titel waren es eigentlich noch mal? John scrollte etwas herunter, während er auf eine Textzusammenfassung des Märchen Aschenputtels stoß. War in Moriartys Buch nicht irgendwo mal eine Überschrift von Adlerputtel? Warum erinnerte ihn das an jemanden? Watson scrollte weiter, fand das Märchen Rotkäppchen. In Moriartys Geschichtensammlung wurde ein böser Hund hinzugefügt. Also John weitersuchte, fand er ein weiteres Märchen, die drei Spinnerinnen, der Irre hatte in seinen Gruselgeschichten die der Lotuse erwähnt. Erfand Moriarty wirklich alle Titel frei nach seinen verrückten Gedanken, damit sie gruselige wirkten? Schneewittchen und die sieben Zwerge war das letzte, dass er in der Liste im Netz fand, bei Moriarty war es eine kleine Abwandlung in die sieben Bösewichte. Dieser Mensch war ja so stolz darauf, die Märchen schaurig zu verdrehen. Er sollte einen eigenen Laden mit seinen Geschichten aufmachen. Moriartys Gruselmärchen. Sämtliche Kinder würde dieser Wahnsinnige abschrecken. Watson verbannte den Gedanken aus seine Gedächtnis. Nein, die Vorstellung Moriarty würde wirklich einen eigenen Laden aufmachen, wäre zu verrückt. Watson musste bei der Sache bleiben.
Also, zurück zu den Märchen. Will Moriarty mit den veränderten Buchtiteln eigentlich irgendetwas sagen? Wohl kaum, so leicht würde dieser Irre doch keinen Hinweis auf sein mögliches Vorhaben verstecken, oder? Zumal, gibt es überhaupt irgendeinen Hinweis, was dieser Irre als nächstes vorhaben könnte? John öffnete eine neue Seite, wollte gerade einen Link eingeben, als er wieder auf seinen Blog kam, dessen Adresse er unter den anderen eingespeichert hatte. Watson wollte da eigentlich nicht hin, sondern nach weiteren Märchen suchen, als ihm plötzlich wieder ein Blogeintrag des Falls in Belgravia vor die Augen trat. Der Fall war wohl bisher einer der härtesten überhaupt. Zumal Irene Adler tot war. Watson sah kurz ins Wohnzimmer. Ob der Detective sie wirklich geliebt hatte? John konnte sich erinnern, dass der Detective an bestimmten Tag recht komisch wirkte, besonders hatte er sich an Weihnachten mehr zurückgezogen. Dennoch war es damals schon amüsant, wie immer dieser merkwürdige Klingelton aus seinem Handy ertönte. Den mit Sicherheit keine geringere als die Adler…Adler. In Johns Kopf ratterte es, als er hastig seine Blogeinträge überflog. Adlerputtel. Hatte der Titel etwa etwas mit Johns Blogeinträgen zu tun? Rotkäppchen und der böse böse Hund. War es nicht eigentlich ein Wolf? Die drei Lotuse, gleichten die nicht den schwarzen Lotusblüten die sie im Fall des Blinden Bankers bei den Opfer fanden? Der Arzt besann sich ruhig zu bleiben. Konnte das Zufall sein? Vielleicht hatten die Titel absolut nichts mit Johns Blogeinträgen zu tun und er steigerte sich gerade in seiner Theorie rein. Vor allem warum sollte Moriarty den Parallelen zu dem Blog des Arztes und seinem Gruselbuch aufbauen, würde das den Sinn ergeben? Wohl eher nicht. Zumal sein verändertes Gruselmärchen Schneewittchen und die sieben Bösewichte nicht auf irgendeinen Blogeintrag im Blog des Arztes passte. Also auch alles nur Einbildung. Der Arzt blickte auf die Uhr. Eine Stunde war vergangen. Vielleicht sollte sich der Arzt nach oben aufmachen, damit Sherlock vollends ruhe hatte, mit seinen Gedanken und seinem Gedächtnispalast. Kaum tat sich der Gedanke in Johns Kopf auf, schloss er seinen Laptop und stand auf, um nach oben in sein Zimmer zu verschwinden.
Dort angekommen legte er seinen Laptop auf sein Bett und warf einen prüfenden Blick nach draußen. Prasselnder Regen, nicht zu laut, gerade so, dass er einschläfernd wirkte. Von einem Gewitter war weder etwas zu sehen, noch zu hören. Der Wind schien sich auch gelegt zu haben. Wie sollte er Sherlock den noch helfen können, was würde dem Detective denn noch helfen? Watson wollte seinem Mitbewohner bei der Sache mit Moriarty unterstützen, aber im Moment wusste er nicht wie. Er selbst fand ja nicht mal Antworten, was der Irre im Kindergarten wollte. Mit den Kleinen Versteckspielen ja wohl kaum. Wollte er seine Macht, alles tun zu können, mal wieder unter Beweis stellen? Moriarty war doch alles zuzutrauen. Vielleicht würde der Arzt ja noch im laufe der Woche Zeit finden, Sherlock zu unterstützen. Morgen durften auf jedenfalls die Kinder nichts von einer gewissen Anspannung oder dergleichen bemerken. Marinna und Nina sollten das Buch von den Kindern fernhalten und so tun, als gäbe es das Buch gar nicht. Bei dem Gedanken an den Erzieherinnen fiel John auch noch ein, dass er Marinna Morgen mal fragen sollte, ob er nicht mal das Kochen übernehmen dürfte. Spaghetti Carbonara würden da bei den Kindern vielleicht schon eher ankommen, als durchgekochtes Gemüse. Watson grinste, als er an die Kinder dachte, die ihr Gesicht verzogen hatten, bei den Speisen, die sie essen mussten. Und danach als er dem Detective die Bonbontüte in die Hand gedrückt hatte und die Kinder sich allesamt um ihn scharrten. Kinder waren schon was tolles. Sie zeigen einem doch Tag für Tag wie sie die Welt sehen, mit den Augen eines Kindes. Da gibt es noch keine Gedanken an den Beruf, noch an Geld oder grausame Menschen, wie Moriarty einer war. Die Kinder sollten so bleiben wie sie waren und nicht von diesem Irren in Angst und Schreck versetzt werden. Ob er es wagte, sich den Kindern sogar persönlich zu zeigen. Ob er aus dem Buch vorlesen würde, wenn er die Möglichkeit hätte. Die Vorstellung daran, wie Moriarty auf einem Stuhl saß, sein Buch in den Händen, sein Gesicht so verrückt verzogen wie immer und die Kinder, die wie hypnotisiert auf ihn starrten, jagte ihm ein Schauer über den Rücken. Oh nein, solange John und Sherlock im Kindergarten waren, sollte Moriarty nicht mal die Möglichkeit haben, die Kinder zu Gesicht zu bekommen.
Watson bemerkte nach seinen Gedankengängen, die dann auch in die Richtung führte, wie es wohl mal sein würde, wenn John eigene Kinder hatte, dass es schon recht dunkel draußen war. Also war die Zeit noch ein Stück vorangeschritten. Gerade wollte er auf seinen Wecker sehen, wie viel Zeit wirklich vorangeschritten war, das hörte er Stimmen von unten. War etwas noch jemand in der Wohnung außer Sherlock? Wer konnte das wohl sein? Ein Klient doch wohl kaum. Mrs Hudson? Vielleicht. Johns Neugierde war allerdings wie immer geweckt, also beschloss er nachzusehen. Auch um sich ein Glas Wasser zu besorgen. Er öffnete seine Zimmertür und marschierte die Treppe nach unten, als zwei Gestalt, die Richtung Haustür aus der Wohnung huschten, ihn inne halten ließen.  „Wer…“ murmelte John leise und ließ die restlichen Treppenstufen schneller hinter sich um bis zur weiteren Treppe nach unten zu kommen. An der Haustür sah er noch, wie ein Mädchen in Begleitung eines Hundes, der wohl vor der Tür gewartet hatte, verschwand. Ob das jemand aus dem Obdachlosennetzwerk des Detectives war? Watson beschloss heute nicht mehr weiter nachzufragen. Zumal John die Müdigkeit bereits in seinen Knochen spürte und seine Aufnahmefähigkeit irgendwelcher Worte eingeschränkt war. Die Kinder forderten einen wirklich und auch wenn es Watson nicht gerne erkannte, aber auch das Wetter machte ihm zu schaffen. Der Arzt ging in die Küche, nachdem er noch mal einen kurzen Blick ins Wohnzimmer geworfen hatte. Aus dem Kühlschrank nahm er eine Flasche Mineralwasser und schenkte sich etwas davon in ein Glas ein. Dann stellte er die Flasche wieder zurück und machte sich mit dem Glas wieder zur Treppe auf. Es war wirklich spät und weitere Gedanken an Moriarty waren, zumindest für John, nicht mehr zu Gebrauchen. Er würde sich eh nur in dem Versuch verrennen, herauszufinden, was der Irre wollte. Vielleicht würde der morgige Tag neue Erkenntnisse bringen.
Bevor John jedoch wieder die Treppe bestieg, sah er noch mal ins Wohnzimmer. „Nacht Sherlock.“ Watson sah wieder kurz zu der Wand mit den zahlreichen Zetteln und Bildern. Dann sah der Arzt noch mal mit einem ruhigen, aber doch leicht besorgten Ausdruck zum Detective, weil er Bedenken hatte, dass sich der Detective mit dem Fall Moriarty etwas übernehmen könnte. Besonders wenn er so lange wach blieb und wieder in seinem Gedächtnispalast verschwand. „Und machen Sie nicht so lang“, meinte John also noch und verschwand dann wirklich die Treppe nach oben und in sein Zimmer. Dort stellte er sich dann vors Fenster, musterte nur ein mal kurz sein Bett und beobachtete dann das Geschehen draußen. Der sanfte Praselregen ging jetzt in einen richtigen Platzregen über, der sich anhörte, als würden Schritte, aber Millionen Schritte draußen unterwegs sein. Menschen, deren Schritte auf den Boden stapften. John stellte sein Wasserglas auf dem Nachttisch ab, lauschte kurz, ob der Detective unten umherschritt, aber er konnte nichts hören. Watson hoffte inständig, sein Mitbewohner würde sich wenigstens ein paar Stunden Ruhe gönnen, auch wenn es um Moriarty ging. Schließlich war der Detective keine Maschine die den ganzen Tag arbeiten könnte, auch wenn es manchmal den Anschein danach hatte. Der Arzt machte auf, sich in seinem Gegenüberliegenden Bad für die Nacht fertig zu machen. Nur wenige Minuten später kam er im Pyjama zurück und legte seine Tageskleidung auf einem Stuhl ab, ehe er sein Glas wieder in die Hand nahm und sich ans Fenster zurückstellte. Das Licht im Zimmer blieb aus. Wachsam sah er in den Himmel, von dem der Regen unaufhörlich hinabfiel. Es wurden keine Gewitter für diese Nacht gemeldet und doch wartete John darauf, ob eines kommen würde. Dem Wetterbericht konnte man nicht trauen. Oder viel mehr einem Wetter konnte man nicht trauen. Der angekündigte Hagel setzte ein, fiel aufs Dach und Watson kam es so vor, als würden leere Patronen auf dem Dach landen, die wie in Zeitlupe ein paar mal auf und abfielen, bis sich wirklich liegen blieben. Watson lehnte seine Stirn an das kühle Glas der Fensterscheibe und beobachtete, durch die Nähe zum Glas, verschwommen wie ein paar Regentropfen auf der Fläche draußen an der Scheibe hinabflossen. Eine lange Nacht, das würde es werden. Watson nahm seine Stirn von der Scheibe und nahm einen großen Schluck von seinem Wasserglas, bevor er es auf dem Nachttisch abstellte, seinen Laptop in der Schublade verstaute und auf das Bett zusteuerte. Dennoch, er musste versuchen zu schlafen. Vielleicht mit dem Gedanken, an das Kinderlachen und vielleicht auch mit dem Gedanken, dass er nicht allein war.
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Di Sep 09, 2014 11:24 am

Sherlock stand im Wohnzimmer, die Hände hinter dem Rücken ineinander gelegt und musterte die Wand vor ihm. Eigentlich war es streng genommen kein Unterschied von vorhin, nur das er stand und nicht saß; er hatte dennoch den selben unverwandten Blick, die entschlossenen Augen, die erschreckend selten blinzelten, er war aufgerichtet und grade, wie eine Statue, ganz besessen von dem Anblick seiner Beweiskette.
Er schreckte nur einmal hoch, als John etwas rief und erwiderte etwas, vermutlich erwiderte er, was der Arzt gesagt hatte, aber sicher war er sich im Nachhinein nicht.
Die ganze Nacht versuchte er, etwas zu finden, dass er brauchte, aber er spürte, wie etwas in seinen Knochen hochwanderte, das er sonst nur manchmal Abends fühlte, wenn er am vergangenen Tag ein Verbrechen gelöst hatte. Müdigkeit. Hatten die Kinder ihn wirklich so hingerafft?
Sherlock rieb sich die Augen mit einer Hand und schüttelte kurz den Kopf und steckte ein rotes Band neu, dass er als Theorienweiser benutzte.
Es war doch nicht zu fassen. Nach einiger Zeit griff er nach einem Tee, der auf dem Beistelltisch stand, er war sich nicht mehr sicher, wer ihn dort abgestellt hatte, aber er belebte kurzfristig. Aber wirklich nur kurzfristig.
Sherlock Holmes hatte keine Ahnung, wie er auf den Boden gekommen war, geschweige denn, wie er dann eingeschlafen war, aber als er am nächsten Tag von dem zarten Kitzeln Hausstaubes in der Nase geweckt wurde fand er seinen Kopf auf dem Boden der 221b Baker Street.
Verwirrt richtete er sich auf und robbte zu dem Beistelltisch hinüber. Tee. Der von gestern, fast bis zum Rand gefüllt. Also war er nach und nach eingeschlafen, kaum dass er ein paar Schlucke genommen hatte. Aber war er einfach so eingeklappt? Wohl kaum, das würde ja zum Himmel stinken!
Sherlock wechselte von der knienden zu der stehenden Position und während er sich mit einer Hand das Gesicht rieb stopfte er sich mit dem anderen das Hemd hinten in die Hose. Ein kleiner Blick auf die Couch und den Boden bestätigte; er hatte sich auf das Sofa gesetzt, war eingeschlafen, hinuntergerutscht und hatte sich so lang gewälzt, bis er in der Lage, in der er aufgewacht war gelegen hatte.
Wäre er ein Toter gewesen hätte man Embryostellung dazu gesagt, aber Holmes gab sich nicht gerne mit Polizeiausdrücken ab.
Alles zu banal.
Also hatte er wirklich tief und fest geschlafen… Unangenehm, vor allem, wo er doch noch so viel hatte machen wollen! Er drehte sich ein bisschen, es lag alles da, wo es gewesen war, nur die frühe Morgensonne schien zum Fenster herein und ein Tablett mit Tee stand auf dem Beistelltisch. Sherlock fragte sich jeden Morgen, wie es da hin kam aber inzwischen hatte er sich mit der wenig logischen aber enorm beruhigenden Theorie abgegeben, es erscheine einfach immer.
Während er sich einen Tee eingoss schaute er zum Fenster und während er von dem Tee trank ging er hin um hinauszusehen.
Den Hagel schien er verpasst zu haben. Genauso wie den Platzregen und dem leichten Regen. Normalerweise hatte er einen leichten Schlaf, das war ihm grade sehr unangenehm.
Umziehen musste der Detektiv sich nicht, er trug immer noch Hose, Hemd, Jackett und Schuhe und das erleichterte ihn ungemein. Was würde John denn denken, wenn er bemerkte, dass sein Mitbewohner geschlafen hatte?
Sherlock stellte seine Tasse auf die Lehne des Stuhls und richtete seinen Blick immer noch nach draußen, während er sich durch die Haare strubbelte. Sie waren ein bisschen verfilzt, worüber hatte er nochmal geträumt? Musste was Mieses gewesen sein, vermutlich mit Moriarty.
Holmes fuhr sich ein letztes Mal über das Haar und machte sich dann auf in die Küche.
Er hätte heute vielleicht etwas gefrühstückt, aber da ja Jim aufgetaucht war fiel diese Option schneller aus als je zuvor. Wobei sie ja sonst immer von Anfang an abgelehnt war.
Adlerputtel… Der Name schwirrte dem Detektiven seit gestern durch den Kopf.
Konnte damit Adler gemeint sein? Wie aus Reflex schaute er auf sein Handy. Nichts.
Sie war Tod.
Oder?
Sherlock schüttelte den Kopf und bemerkte, dass er sich auf einen Sitz hatte fallen lassen. Er legte einen Arm auf die Theke und sah sich um. Gab es hier etwas von seinem Interesse?
Während er das Handy wegpackte, immerhin musste er heute viele Fotos machen, suchte er in den Unmengen auf dem Tisch nach irgendetwas Brauchbarem.
Etwas, dass er benutzen konnte, um den Druckpunkt zu finden. Holmes hielt kurz ein. Druckpunkt?
Das klang gar nicht gut, besser er versetzte den Ausdruck bis an die hinteren Enden seiner Vokabulars. Aus irgendeinem Grund schien ihm das Wort unangenehm, aber er konnte nicht sagen warum.
Mit einem leichten Schulterzucken kramte er etwas weiter.
Als er nichts fand stand er auf und nahm vom Kaminsims etwas herunter, das er sodann in seine Innere Manteljackentasche fallen ließ.
Besser weder Kinder, Erzieherinnen noch John wussten davon, dass er das mit in den Kindergarten brachte.

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John Watson
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Mi Sep 10, 2014 12:44 pm

John war vor einer dreiviertel Stunde aus einem Traum aufgewacht. Traum war gut, Albtraum traf es besser. Zum Glück wütete diese Nacht kein Gewitter sondern lediglich ein wenig Platzregen und Hagel. So hatte er in seinem Traum wenigstens immer nur einen staubigen Boden vor sich gesehen, an dem er entlang gerannt war, keine Geräusche, nichts. Außer jemand, der den Namen Moriarty geflüstert hatte. Aber mehr war da auch nicht. Watson hatte ja nicht ahnen können, dass man wirklich Stundenlang nur davon träumt, wie man auf einem Boden entlang läuft, ohne zu Wissen warum. Außer das Gefühl verfolgt zu werden, flüchten zu müssen. John würde diesen Traum sogar als einen der leichtesten Abstufen. Es gab weit aus schlimmere. Allerdings hatte er sich nach diesem Traum doch wieder in die Kissen fallen lassen. Richtig schlaf, fand der Arzt nicht mehr, dennoch döste er nach kurzer Zeit vor sich hin, schon wieder dabei in einen tiefen Schlaf zu fallen, als Schritte von unten ihn langsam die Augenlider aufschlagen ließen. Licht viel nicht wirklich ins Zimmer, zumindest nicht viel Sonnenlicht. Der Himmel war bedeckt, also musste sich die Sonne ziemlich schwer tun durch die Wolken zu dringen. Aber geregnet musste es schon seit ein paar Stunden nicht mehr haben. John schielte zu seinem Wecker. Kurz vor sieben. Um kurz nach 8 kamen meist die Kinder, daher mussten der Detective und er auch so um die Zeit erscheinen. Watson seufzte. Dann durfte er jetzt auch mal aufstehen, wenn er noch einen Anruf tätigen wollte. Gähnend richtete sich der Arzt auf, streckte seine Arme ein mal kurz und erhob sich dann um aus dem Fenster auf den Hinterhof zu sehen. Tatsächlich war der Himmel mit dunklen Wolken bedeckt. Der Wetterbericht meinte es wohl wirklich ernst, die ganze Woche schlechtes Wetter. Nur durch ein paar Wolken schaffte es die Sonne hindurch zu dringen. Wahrscheinlich nur für kurze Zeit. Watson bemerkte erst jetzt, als er nach seiner Kleidung für den Tag griff, dass sein Hemd feucht war. Klar, wenn man rannte, schwitzte man auch, selbst wenn es nur ein Traum gewesen ist. John verschwand also wieder in seinem gegenüberliegenden Bad und sprang fast sofort unter die Dusche. Kaltes Wasser würden die Spuren vom Traum schon vertreiben. Das tat es doch immer. Sein durchgeschwitztes Shirt und Pyjamahose lies er in den Wäschekorb fallen, Mrs Hudson würde das mit der Wäsche schon erledigen. Das tat sie immer, auch wenn man sie nicht darum bat und auch wenn sie nicht die Haushälterin war. Aber sie tat es einfach, wahrscheinlich um eine Beschäftigung zu haben. Watson sollte ihr bei der Wäsche mal unter die Arme greifen, schließlich war es eigentlich die Aufgabe von ihm und dem Detective, die Wäsche zu säubern. Eine Waschmaschine konnte Watson schließlich bedienen, ob sein Mitbewohner das konnte, daran zweifelte er allerdings. Unwichtiges strich er ja aus seinem Gedächtnis. Nachdem seine Katzenwäsche erledigt war, machte er sich in frischer Kleidung auf dem Weg zurück in sein Zimmer. Er hatte ja noch einen Anruf zu tätigen. Auf halben Weg in sein Zimmer, rief er dem Detective von oben noch ein „Morgen, Sherlock“ zu. Watson wusste, dass er wach war. Die Schritte hatte er ja schließlich gehört. Wahrscheinlich hatte der Detective doch nicht  geschlafen, so wie Watson ihn kannte. Bei einem Fall schlief Sherlock nur selten. Erst recht, wenn es ein Fall wie dieser war. Wenn Moriarty der Fall war.
Dann verschwand John in sein Zimmer und nahm sein Handy vom Nachttisch. Die Nummer von Marinna hatte er schon von seiner kranken Patientin bekommen, die ihm die Nummer von der aktuellen Leiterin des Kindergartens gegeben hatte, falls es Probleme gäbe. Und die aktuelle Leiterin war eben Marinna. Schade, dass es nicht Nina gewesen ist. Mit ihr hätte er vielleicht lieber telefoniert. Sie schien besonders zu sein, besonders als alle anderen Frauen, die John zuvor hatte. Und Nina schien Sherlock auch zu mögen, wenn sie laut eigener Aussage, ein Gespräch mit ihm nicht so schlimm fand. Der Arzt schallte sich in Gedanken dafür, jetzt nicht an Nina denken zu dürfen, sondern sich lieber auf seine Zutatenliste zu konzentrieren, die er versucht hatte, im Kopf zu behalten. Watson wählte also die Nummer von Marinna und stellte sich wieder ans Fenster. Immer noch Wolken behangen. Denn Sonnenschein, der noch durch die Wolken drang, sollten sie unbedingt genießen, bevor die Wolken die Sonne ganz verdecken würden. „ Marina Adams?“ fragte die ältere Erzieherin in den Hörer. „Guten Morgen Marinna, John Watson hier“, begrüßte er die Frau am anderen Ende der Leitung. „Ah, John. Guten Morgen, wie geht es ihnen? Herrlich ein wenig Sonnenschein genießen zu dürfen. Nach den Wolken zu Urteilen, wird das aber nicht mehr lange so bleiben“, redete die Erzieherin gleich munter los. „Mir geht’s gut, sind Sie schon auf dem Weg?“ fragte Watson und beobachtete, wie ein paar Vögel ihre Kreise am Himmel zogen und eine Katze über eine Mauer zum Hinterhof sprang. „Ich komm heute erst später in den Kindergarten. Nina weis schon bescheid. Ich muss ein wenig den Bonbonvorrat auffüllen. Die Kinder haben davon ja gestern alles ziemlich schnell verputzt“, erklärte Marinna. Watson wechselte das Handy in seine andere Hand. „Ich hätte da eine bessere Idee. Anstatt die Kinder mit süßem zu Belohnen, wenn sie das Mittagessen verspeist haben, hätte ich vor heute mit den Kindern was zu kochen, was sie bestimmt mögen. Und wenn man selbst mit kocht, dann bekommt man auch mehr Hunger“, schilderte Watson sein Anliegen.
„Und Sie wollen mich fragen, ob ich nicht etwas besorgen könnte, nicht?“
Wenn es Ihnen keine Umstände macht?“
„Aber nein, überhaupt nicht. Ich bin ja wegen den Bonbons sowie so später im Kindergarten, da kann ich Ihnen auch noch was mitbringen. Was solls den geben?“
„Spaghetti Carbonara. Das Rezept hat mir unsere Vermieterin mal gegeben,“ meinte John, erwähnte aber nicht, dass er das Rezept schon wieder verlegt hatte und nach Gedächtnis ihr gleich darauf die Zutaten aufzählte. Währenddessen wandte sich der Arzt seinem Nachttisch zu. „Warten Sie mal kurz, ich denke, dass muss ich mir dann doch aufschreiben“, erklärte Marinna und kramte wohl nach Stift und Zettel. In der Zeit überlegte John, ob es nicht besser war, seine Waffe mit in den Kindergarten zu nehmen. Schließlich war Moriarty gestern präsent gewesen, oder zumindest einer seiner Handlanger. Da war es doch besser, vorbereitet zu sein, oder nicht? Andererseits, eine Waffe mit in den Kindergarten nehmen? Das war keine so gute Idee. Zwar würde er die Patronen in seiner Hosentaschen verstauen, aber trotzdem. Die Kinder würden nur fragen stellen und die Erzieherinnen wären darüber sicherlich nicht erfreut. Überhaupt wusste er ja nicht, ob sich Moriarty wirklich heute blicken ließ, oder ob seine Handlanger wiederkamen. Vielleicht wäre eine Waffe doch zu übertrieben? Watson nahm die Hand von der Schublade, die er gerade öffnen wollte und griff eine Schublade höher. Und sein Taschenmesser? Nein, im Kindergarten völlig ungeeignet, zumal er damit Moriarty auch nicht aufhalten könnte, sollte er erscheinen. „Also, ich glaub ich hab alles. Tomaten war das letzte auf ihrer Liste?“ Watson schreckte aus seinen Gedanken und bejahte Marinnas frage eilig mit „Ja“ und einem hinzugefügten „Danke.“ Der Arzt wandte sich von seinem Nachttisch ab. Nein, heute musste es nun doch noch ohne Waffe gehen. Wer weiß, vielleicht würde Moriarty das Interesse verlieren? Gut, das glaubte John auch nicht. Aber sich einen weiteren Tag überblick über die Situation zu verschaffen, war ganz gut. Dann könnte John ja am Mittwoch überlegen, ob er als Schutz seine Waffe mitnehmen sollte. Aber da waren sie, wenn das Wetter keinen Strich durch die Rechnung machte, im Schwimmbad.
Der Arzt nahm seine Jacke, in der Jackentasche war auch das Puppenkleid verstaut, vom Stuhl am Kleiderschrank, verließ sein Zimmer, zog die Tür hinter sich zu und machte sich an den Abstieg der Treppe, als Marinna bereits weiterredete. „Keine Ursache. Eine tolle Idee, dass sie mit den Kindern kochen wollen. Ich denke, dass einige ganz begeistert sind. Nina hat sich für heute auch noch was überlegt. Sollte das Wetter einigermaßen stabil sein, wird sie mit einigen Kindern nach draußen gehen und auf dem Parkplatz ein Wasserpfützenspiel veranstalten.“
„Wasserpfützenspiel?“ hinterfragte der Arzt. „Ja, in der Nacht hat es ziemlich geregnet. Wir haben eine Unmenge an Schlaglöchern auf unserem Parkplatz, eigentlich sollten die schon längst mal mit Teer aufgefüllt werden, aber bisher hat die Gemeinde auf unseren Antrag noch nicht geantwortet. Jedenfalls nutzt sie die Schlaglöcher um ein ganz besonderes Fangspiel zu spielen. Das hat sie sich selbst ausgedacht. Die Kinder spielen ganz normal fangen, wenn einer gefangen ist, bleib er nicht versteinert stehen oder muss raus, sondern muss sich in die Pfütze stellen und wird erst abgelöst, wenn es von einem anderen angetippt wird. Sind mehrere Kinder gefangen, wird das mit den Pfützen schon mal problematisch und fünf Kinder versuchen sich eine Pfütze zu teilen. Den Kleinen macht es auf jeden Fall einen heiden Spaß.“ John lächelte, als er das hörte. „Das glaub ich Ihnen sofort,“ mittlerweile war der ehemalige Militärarzt in der Küche angekommen, seine Jacke hatte er auf das Treppengeländer gelegt. Von der Küche aus, sah er wie Sherlock am Kaminsims stand. Ob er wieder nach seiner Zigarettenschachtel suchte? Mrs Hudson und er hatten sie bereits erfolgreich an einem neuen platz verdeckt. Aber Sherlock hatte gar keinen Grund rückfällig bezüglich Zigaretten zu werden. Zumal er gerade einen Fall hatte und nicht seine Langweilphasen ausstehen musste. Der Arzt wandte sich dem Kühlschrank zu, Marinna sprach weiter. „Die Kinder könnten somit aufgeteilt werden. Die älteren helfen Ihnen beim Kochen und die jüngeren können mit Marinna nach draußen. Wohin ihr Mitbewohner mitgeht, kann er ja dann selbst entscheiden. Hauptsache er wirft nicht mehr mit Büchern“, vom anderen Ende der Leitung war ein schmunzeln zu hören. „Nein, das wird er mit Sicherheit nicht“, erklärte John eindringlich und warf einen erneuten Blick ins Wohnzimmer, bevor er sich zum inneren des Kühlschranks wandte, den Kopf total vergessen hatte und deswegen auch wieder etwas erschrocken zurückwich. Die ältere Erzieherin hatte in der Zeit eine Frage gestellt, aber John hatte sie verpasst. „Ähm…was?“ fragte der Arzt noch mal nach und warf dem Kopf einen zornigen Blick zu, als würde dieser noch einen Blick erwidern können. Watson musste etwas gegen dieses Ding im Kühlschrank unternehmen. Da Sherlock jetzt wohl die ganze Woche im Kindergarten sein würde, musste John einen anderen Weg finden, den Kopf zu entsorgen. Vielleicht konnte Sherlock sein Experiment auch im Labor durchführen? Watson nahm sich zwei Äpfel, die er am Samstagabend besorgt hatte, aus dem Kühlschrank, bevor er diesen wieder schloss. „Wann Sie heute da sein werden, hab ich Sie gefragt“, wiederholte Marinna soeben. „Sherlock“ sagte John halblaut und blickte ins Wohnzimmer, damit er kurz die Aufmerksamkeit auf sich wandte. Der Arzt warf ihm dann einen Apfel zu. Wenn Sherlock schon nicht geschlafen hatte, Watson hatte ja keine Ahnung das dem nicht so war, sollte der Detective wenigstens ein kurzes Frühstück zu sich nehmen, auch wenn es nur ein Apfel war. Dann konzentrierte er sich auf Marinnas Stimme, die gerade meinte, dass Nina heute um halb acht schon da wäre. Der Arzt lehnte sich zurück an die Küchentheke. „Ich denke, wir sind um ca 8 Uhr da, vielleicht kurz nach 8. Je nach dem wie die Verkehrslage aussieht“, erklärte der Arzt und biss dann seinerseits von seinem Apfel ab. „Das ist gut. Ich werde mit den Einkäufen auch sobald wie möglich wieder im Kindergarten sein, aber jetzt lassen sie sich erst mal Zeit für ihr Frühstück.“ Der Arzt nickte, während er auf die Küchenuhr sah. „Naja, allzu viel Zeit haben wir ja auch nicht mehr, aber Sie sollten sich nicht von ihrem Frühstück abhalten lassen. Bis später“, damit drückte der Arzt auf den roten Hörer um das Gespräch zu beenden und lies das Handy dann in seine Hosentasche fallen. „In zehn Minuten sollten wir los,“ rief der Arzt dem Detective zu, als John sich mit einer Hand auf der Theke abstützte und mit der anderen den Apfel haltend, erneut von diesem Abbiss. „Im übrigen, hatten Sie gestern Abend noch Besuch? Ich meine mich an eine Gestalt zu erinnern, die aus der Wohnung gegangen ist, ihr Hund hat unten vor der Haustür gewartet“, äußerte der Arzt dann seine Entdeckung von Gestern noch, als er seinen Bissen hinuntergeschluckt hatte.
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   So Sep 14, 2014 11:31 am

Sherlock nickte John nur einmal zu, als der mit Telefon am Ohr herunterkam. Das Gerufene von eben hatte der Detektiv nicht beantwortet, aber er war zusammengezuckt, während er den Knopf für die Tasche verschlossen hatte. Ein Reißverschluss wäre sicher besser gewesen, vor allem weil man den kaum sehen und nicht das Verlangen verspüren konnte, ihn aufzumachen, aber etwas besseres gab der Mantel nicht her.
Der Detektiv räumte noch einiges in dem Zimmer hin und her, sah nur einmal auf als John ‘er‘ sagte und blieb ansonsten still, weil er seinen Mitbewohner und die Erzieherin nicht unterbrechen wollte. Er fragte sich im Übrigen schon, ob Nina vielleicht in Johns doch recht breitausgefächertem Interessenbereich lag und sagte sich, er solle es im Auge behalten, dann bemerkte er einen Briefumschlag, den er schon lange gesucht hatte, und steckte ihn in die Innentasche seines Jacketts, weil er wusste, wenn er es jetzt irgendwohin räumte vergaß er es nur wieder.
Auf seinen Namen sah der Detektiv auf und fing geschickt den Apfel. Dann legte er ihn auf den Beistelltisch und kramte weiter.
Vermutlich war John wieder ein wenig von dem Kopf erschreckt worden, diese Menschenstypische Atemsveränderung war kaum zu überhören, wenn man sein Gehör danach ausrichtete. Der Arzt wollte sicher keinen dritten Mitbewohner mehr, aber Sherlock brauchte ihn noch. Mindestens einen Tag, dann wäre wieder Ruhe vor ihm, aber dieser eine Tag war unerlässlich.
Gerade als Watson das Gespräch beendete war auch Sherlock weitestgehend fertig, er sah auf, nickte und ging in die Küche, um schräg vor John seine Bereitschaft für ein kleines Gespräch zu symbolisieren indem er ihn einfach still anstarrte.
Als der dann redete entschied er sich doch zu sitzen, nahm Platz und faltete die Hände auf dem Tisch, während er ein kleines, durchsichtiges Glasschälchen unter dem Mikroskop hervorzog. Indessen er das seltsame grüne Etwas wegwarf berichtete John von den Gestalten, die er gesehen hatte.
„Obdachlosen Netzwerk.“ Sagte Sherlock monoton und konzentriert als er mit einem Löffel den Rest auskratzte. „Ich investiere.“ er stand auf, um das Glasschälchen in den Geschirrschrank zu stellen.
„Wir können gleich los.“ Meinte er dann und verschwand im Flur.
In seinem Zimmer angekommen öffnete er eine Schublade von dem Schrank und nahm ein Handgroßes Päckchen hervor. Damit ging er zum Fenster und sah hinab auf den Innenhof. Ganz sachte begann es wieder zu regnen und die Tropfen spielten in den Pfützen als der Detektiv seinen Ärmel hochkrempelte, das Päckchen zwischen Handfläche und Kleinem- und Ringfinger eingeklemmt. Die drei Pflaster, die Gwyneth so nachdenklich gemacht hatten, kamen zum Vorschein. Nacheinander riss er sie ab und entsorgte sie in einen kleinen Mülleimer, dann öffnete er das Schächtelchen.
Allerdings hielt er ein, als er stärker an das Mädchen denken musste. Und an die anderen Kinder.
War es nicht gemein, in einem Kindergarten so etwas dabei zu haben? Die Kinder würden fragen und Sherlock würde lügen müssen. Und Fragen brauchte der Detektiv nicht, nicht in dieser Lage.
Langsam klappte er die obere Öffnung wieder zu und krempelte dann den Ärmel schnell wieder hinab, wie als würde er den Anblick des Armes nicht ertragen.
Einen Tag würde er es doch wohl aushalten. Ganz sicher. Zu Hause könnte er ja alles machen, was er wollte, aber einen Tag im Kindergarten schaffte er sicher auch ohne Nikotin.
Er schmiss die Schachtel in die Schublade, schob sie heftig zu und ging mit großen Schritten in die Küche zurück während er den anderen Ärmel auch noch hinab krempelte.
„So.“ sagte er in der Küche und sah sich um. Sherlock ging noch einmal ins Wohnzimmer um seine Mindmap mit dem Handy ab zu photographieren, damit er bei freien Minuten noch einmal alles überlegen konnte.
Er wusste zwar, dass es kaum freie Minuten geben würde, aber auch wenn er nie hoffte, immerhin fiel niemandem etwas in den Schoß, hoffte er doch ein paar finden zu können.
Wenn es heute nicht schon losging, aber Jim spielte, er hetzte nicht.
Sherlock klopfte sich einmal auf die Taschen, dann lächelte er. Nicht gerade falsch aber trotzdem nicht ganz richtig.
„Wir können. Ich rufe uns ein Taxi.“
Er ging in Flur, blieb aber einmal stehen, als sei er sich unsicher, ob er John nun von der Waffe erzählen sollte oder lieber nicht. Er drehte sich einmal um, rang mit sich und drehte sich wieder um, John musste nicht alles wissen, das war zu seinem eigenen Vorteil.
Um sein Versprechen einzuhalten ging der Detektiv die Stufen hinab, durch den Vorraum auf die Straße und rannte zum nächsten Taxi, dessen Schild leuchtete.
Der Fahrer frühstückte grade, aber er erklärte sich freiwillig, in Fünf Minuten zwei Passagiere in den kleinen Vorort zu fahren, in dem der Kindergarten stand.
Sherlock sagte selbstverständlich nicht Kindergarten, er nannte eine Adresse in der Nachbarsstraße, weil er gar nicht erst riskieren wollte, dass der Taxifahrer sich über einen hochgewachsenen, mysteriösen Mann Gedanken machte, der zum Kindergarten fuhr. Mit einem anderen Mann, der in dieser Zeit ebenso mysteriös schien und dem anderen das Image des extrem hochgewachsenen Mannes einbrachte.
Zumal es ja ein Verbrechen geben sollte, und dann wollte weder Sherlock noch John vor irgendjemandem verantworten müssen, bevor man bemerkte, dass sie zum Kindergarten dazugehörten und der Mann vom Taxi nichts zu den Ermittlungen beigetragen hatte, viel zu viel Trubel für nichts, also, besser kein Risiko eingehen.
Der Fahrer klopfte an die Gegenüberliegende Glasscheibe und Sherlock schreckte auf. Das Frühstück war beendet, jetzt war der Fahrer sogar bereit, jemanden zu transportieren.
Der Detektiv öffnete die Tür und stieg ein.

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John Watson
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Sa Sep 20, 2014 9:56 pm

John lauschte der Antwort des Detectives. „Obdachlosen Netwerk, natürlich. Das ich da nicht gleich drauf gekommen bin. Was würden Sie bloß ohne ihr Netzwerk tun?“ Es war keine wirkliche Fragestellung, mehr eine Feststellung.  Beobachtet dann mit hochgezogener Augenbrauen, wie der Detective eines seiner Experimentengläser in den Gefrierschrank stellt und sich mit ein paar Worten ins ein Zimmer aufmacht. Er nickt kurz, als er die Worte verstanden hat, wartet kurz bis er hört, wie die Tür zum Zimmer des Detectives ins Schloss fällt und macht sich dann an den Gefrierschrank ran. „Ich brauch nicht noch ein Experiment im Gefrierschrank“, murmelte John, stellt das Gals wieder an den vorherigen Platz zurück. „Der Kopf reicht mir“, mit diesen Worten macht er sich auf zum Treppengeländer, um dort seine Jacke zu nehmen und sie sich überzuziehen. Blickt wieder zu Sherlocks Zimmer. Was er wohl macht? Hoffentlich nimmt er nicht aufgrund von Moriartys möglicher Anwesenheit eine Waffe mit in den Kindergarten. Obwohl, zum Schutz…nein, eine Waffe ist im Kindergarten  fehl am Platz, Moriarty ist aber weitaus mehr als fehl am Platz, dachte sich der Arzt, sah noch einen Augenblick in Richtung Küche und damit auch in Richtung des Schlafzimmers des Detectives und machte sich dann ins Wohnzimmer auf, während er die letzten Bisse von seinem Apfel hinunterschluckte. Das erste, was John neben der Mindmap ins Auge fiel, war der Apfel, der unberührt weggestellt wurde. Der Apfel, den er Sherlock als Frühstück zugeworfen hatte. Warum konnte dieser Detective nicht mal einen Apfel zum Frühstück essen? Ach, genau. Sie hatten ja sozusagen einen Fall und deshalb vermied der Detective das Essen, wie? Warum musste Moriarty überhaupt in einem Kindergarten auftauchen? Wehe er würde den Kindern was antun.
John marschierte zurück in die Küche, meinte etwas im Schlafzimmer des Detectives poltern gehört zu haben.  Lauschte kurz, aber nach dem er nichts mehr gehört hatte, dachte er, er hatte sich das nur eingebildet. Watson entsorgte den Rest seines Apfels im Mülleimer.  Der Detective investiert also. John hatte schon öfters gesehen, dass er seinen Leuten aus dem Obdachlosennetzwerk  für ihre Arbeit etwas gab. Manchmal durfte auch Watson seine Geldbörse offen halten, aber das nur mal so nebenbei. Eigentlich beweiste die Tatsache, dass der Detective investierte, und das nicht nur für irgendwelche Leute in seinem Obdachlosennetzwerk sondern für di e Leute die Hilfsbedürftig in finanziellen Angelegenheiten waren,  dass der Detective  sehr wohl ein Herz hatte.  Wenn Anderson und Donovan davon wüssten, würden sie ihre Aussagen mit Freak wohl noch mal überdenken. Aber jetzt war erstmal das Problem Moriarty wichtig. Was er wohl im Kindergarten vor hatte? Unschuldigen Kindern ein perfektes Verbrechen beibringen? Wohl kaum.
Watson sah auf, als der Detective wieder in die Küche kam und nickte dann, als er meinte, dass sie könnten.  Der Arzt sah kurz daraufhin, wie sich der Detective umdrehte, im Flur innehielt, noch mal zu John sah und dann doch nach unten verschwand. Wollte Sherlock ihm was sagen? Wenn ja, warum hatte er das dann nicht? John wusste nicht, ob er das wissen wollte, oder lieber nicht. Deshalb beschloss er auch einfach zu warten. Vielleicht würde der Detective noch mit der Sprache rausrücken, wenn er etwas zu sagen hatte. Watson zog den Reisverschluss seiner Jacke hoch, prüfte noch ob das Puppenkleid wirklich in seiner Jackentasche war und suchte dann noch nahm dem Hausschlüssel. Als er diesen zwischen ein paar Experimenten auf der Küchentheke fand, machte er sich nach unten auf. In Mrs Hudsons Wohnung war heute noch alles leise, wahrscheinlich schlief sie heute Morgen noch.  John schloss die Haustür hinter sich, blickte dann zur Straße und sah etwas vorne am Bürgersteg ein Taxi warten. Der Arzt machte sich zu diesem auf und stieg ein. Sherlock wirkte ruhig, also ging John davon aus, dass er den Taxifahrer auch in Ruhe lassen würde. Was er gestern wohl an dem wütenden Taxifahrer vermutet hatte? „Sie haben den Apfel nicht angerührt“, erklärte John dann, während er nach dem Gurt griff und sich anschnallte. „Schmeckt Ihnen das Essen im Kindergarten mehr?“
Die Taxifahrt dauerte nicht allzulange, schließlich war es nur bis zum nächsten Vorort, dennoch blieb genug Zeit, zumindest für John, nicht an Moriarty zu denken, sondern daran, ob er auch wirklich alles für das Rezept, Marinna gesagt hatte. Allerdings sollten Spaghetti Carbonara auch mit wenig Zutaten gut zu kochen sein. Notfalls brauchte man ja nur eine Fertigsoße und Nudeln, aber John wollte die Soße mit den Kindern selbst machen, damit sie sahen, dass leckere Soßen nicht unbedingt bloß in der Verpackung gab. Watson stieg aus, als er merkte, dass das Taxi hielt. Dabei sah er allerdings kurz fragend zum Detective. Das Taxi hatte an einer Nachbarstraße gehalten, anstatt direkt vor dem Kindergarten, an dem bereits einige Kinder bei Nina abgeliefert wurden und sich diese Kinder , manche fröhlich manche traurig von ihren Eltern bis Mittag verabschiedeten. „Sherlock, wieso halten wir hier?“ fragte John, als er ausgestiegen war. Ob da wohl jemand sein Image bewahren wollte und nicht von einem Taxifahrer direkt am Kindergarten abgeliefert werden wollte, weil der ja sonst was denken könnte?
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   So Sep 21, 2014 6:06 pm

„Ja, das frage ich mich auch, wie sind sie nicht sofort darauf gekommen?“ Sherlock schloss die Tür und die eisige Temperatur in seinem Gesicht verschwand. Die zweite Aussage ignorierte er geflissentlich, dann verschwand er im Zimmer, ging wieder zu John, auf die Straße und zum nächsten Taxi, da stieg er nach einiger Zeit ein und blieb still bis John einstieg.
Auf seine erste Aussage murrte Sherlock nur leise, aber die zweite ließ ihn empört zu John hinübersehen. „Es schmeckt mir nicht besser, gestern dachte ich nur nicht, dass ich noch etwas machen werde. Das müssten Sie doch wissen.“ Holmes sah zum Fenster hinaus, sah aber schon bald wieder zu John hinüber. Natürlich, er wusste es, er hatte sich nur Gewissheit verschaffen wollen. Immerhin kannten sich die beiden schon etwas länger als zwei Tage. Wobei sie sich nach zwei Tagen schon so gut kannten wie einige nach zwei Monaten. Zumindest Sherlock über John und relativ schnell hatte der sich ja dann auch ein Bild zum Detektiv gemacht.
Die Fahrt war kurz und still, Sherlock begrüßte es sehr, dass sein Freund ihn nicht ausfragte und der wiederum schien auch nachzudenken. Vermutlich nicht über Moriarty, sonst wären da vermutlich doch ein paar Fragen aufgekommen.
Aber woran er dachte konnte Sherlock sich leider auch nicht denken. Das Telefonat hatte rein gar keinen Aufschluss gegeben und ansonsten war da keine andere Methode, es zu ermitteln.
Der Detektiv schreckte auf, als das Taxi hielt und John ausstieg. „Ein kleiner Fußweg. Nicht viel.“ Sagte er, nachdem er Johns Frage gehört hatte und klopfte sich den Mantel. Dann steckte er die Hände in die Jackentasche und begann seinen Weg, ohne auf John zu achten. Es gab immer noch Sachen, die sein Freund nicht wissen musste. Vor allem, weil er es in der Hinsicht nicht verstehen und sich nur grundlos lustig machen würde. Und wer brauchte das schon! Sherlock jedenfalls nicht.
Er ließ die Eltern und Kinder links liegen, als er zum Kindergarten kam, er zwängte sich nur an Nina vorbei ins Innere des Gebäudes, bemüht dass niemand sein Gesicht richtig mitbekam.
Dann hängte er seinen Mantel auf, an den letzten Haken und verschwand im Hauptraum. Dort wandte er sich sofort an die Bücherecke, aber das Märchenbuch war verschwunden. Sofort eilte der Detektiv zum Fenster, an dem er gestern gesessen hatte. Es stand, wie gestern, auf Kipp, aber der Griff war nicht bis zum Anschlag fest gemacht, er war nur leicht gedrückt und stand in Reichweite einer Hand, die durch den Schmalen Schlitz fasste. Der Detektiv sah hinaus. Rasen. Aufgewühlt und Matschig, aber da waren keine genauen Spuren zu sehen. Ganz eindeutig waren die Spuren schon von dem derzeitigen Nieselregen verwischt worden, also verquollen, dann musste der Einbrecher abends nach Kindergartenschluss gekommen sein.
Eilig begab sich Sherlock auf den Flur, um John zu finden. Und natürlich, weil es ja immer schlechter sein konnte, als man dachte, gab sich auch Anderson wieder die Ehre.
„Erschreckend wie wenig Sie zu tun haben, dass Sie noch einen Tag da sind.“ Rief er ihm von der Tür aus zu, worauf Sherlock, nachdem er Gwyneth an einem Flamingo-Haken ausgemacht hatte, erwiderte, dass er Freiberufler sei und „Es erschreckend ist, wie wenig Sie zu tun haben, obwohl Sie ja leider eine Volleinstellung haben.“ Bevor der Pathologe fragen konnte, warum der Detektiv leider gesagt hatte, war der schon weitergegangen, an der Topfpflanze vorbei, direkt Richtung Küche.
Er wusste zwar nicht genau, was er da wollte, aber alles war besser als ein Gespräch mit Anderson, der ja schon bekannt dafür war, nicht der geistreichste Gesprächspartner zu sein.
In der Küche sah er sich um. Marinna war nicht da. Auch krank geworden? Vermutlich nicht. Kaufte sie noch ein? Konnte es etwa sein, dass John deshalb mit ihr telefoniert hatte? Wollte er, dass sie etwas für ihn mit einkaufte?
Aber das waren leere Vermutungen und von denen hielt sich Sherlock lieber fern.
Außerdem war in seinen Gedanken jetzt nur Platz für Jims Plan. Ein Heizungskeller? Das war sein Verdacht gestern gewesen.
Also erhob er sich und ging zu Nina, um sie zu fragen, ob es in diesem Kindergarten einen Heizungskeller gab. Dafür musste er sie aus einem Gespräch ausklinken und ihre Gesprächspartner, ein älteres Ehepaar, war darüber gar nicht erfreut.

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John Watson
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Mo Sep 22, 2014 9:43 pm

„Ein kleiner Fußweg also…“ murmelte John und sah dem Detective nach, der diesen Fußweg auch schon antrat. „Na was solls, dann eben ein kleiner Fußweg.“ John zuckte mit den Schultern. Ob es wirklich das Image war, dass er bewahren wollte? Das würde auch zu ihm passen. Immer schön vorgeben, der kalte, herzlose Detective zu sein. Aber das es nicht immer so war, wusste der Arzt ja. Und wohl auch Moriarty…Der Arzt erinnerte sich an die Szene am Pool, hatte er da nicht erwähnt, dass Sherlock ein Herz habe, dass er es wisse? Woher kam diese Annahme? Und dann noch von einem verrückten.
John blickte sich um. Ob er eigentlich hier war? Ob er sie gerade beobachtete? Allerdings war nichts zu sehen, außer ein paar Nachbarschaftshäuser und das lachen der Kinder vom Kindergarten weiter vorne. Der Arzt schloss zum Detective auf. Wenn er schon seinen Apfel nicht gegessen hatte, und natürlich war das wegen diesem Fall, von den John am liebsten wünschte, er wäre gar nicht da dieser Fall oder eher Moriarty, würde Sherlock eine große Portion Spaghetti bekommen. Wenigstens auch etwas was den Kindern schmecken würde.  Sie bogen in den Kindergarten ein und steuerten auf dein Eingang zu, dessen Türen weit offen standen, damit die Erwachsenen ihre Kinder reinbringen konnten. Einige spielten noch draußen vor der Tür, weil sie sich gerade getroffen hatten, andere wurden mit Mamas oder Papas Hand ins innere geführt. Als Guten Morgen grüße von allen Seiten kamen, grüßte auch John, so wie es sich gehört. Natürlich auch mit dem freundlichen lächeln, welches trotz des nicht gerade so freundlichen Wetters angebracht war. Als sich Sherlock möglichst bedeckt hielt und schnell ins innere huschte, musste John schmunzeln. Natürlich wollte der große Sherlock Holmes nicht in einem Kindergarten erkannt werden. Watson folgte ihm, achtete aber darauf, nicht mit ein paar Kindern zusammen zu rempeln, die die Fläche der Garderobe als Rennbahn benutzten. „Ah, Guten Morgen John. Ihr Mitbewohner hat es aber eilig“, hörte er die Stimme von Nina, die gerade ein Kind zu dessen Platz schob und sich dann zu ihm gesselte. „Ich denke das liegt daran, dass er es nicht begrüßt, wenn ihn jemand hier erkennen würde. Daher die Eile“, erklärte der Arzt. „Ok. Ähm, ja Sie kochen heute, nicht wahr?“ Watson nickte. „Ja das stimmt. Ich finde, die Kindern sollten auch mal sehen, dass leckeres Essen genauso gesund ist, vor allem, wenn man Soßen selber macht.“ Die junge Erzieherin nickte. „Das finde ich gut von Ihnen, John. Marinna hat mir schon davon erzählt. Es soll Spaghetti geben?“ Der Arzt nickte wiederum. „Ich bin mir sicher, die Kinder werden sich freuen“, sagte Nina begeistert. John lachte kurz „Na, ich hoffe es. Ein Sternekoch bin ich ja nicht“. „Aber ein guter Mensch und deshalb bin ich mir auch sicher, dass es Ihnen gelingen wird,“ fügte sie an Johns Zweifel hinzu. „Oh, Hallo Phillip“, hörte er dann Nina rufen. John drehte sich wieder zum Eingang. Phillip? Ob sie sich wirklich näher kannten? „Morgen Nina, ich muss Gwyneth wieder abliefern, mein Schwager. Hat keine Zeit dafür, die Arbeit. Du weißt ja…John? Sie schon wieder hier?“ Tatsächlich war Anderson wieder hier vorbeigekommen, schob Gwyneth sanft zu ihrem Flamingohaken und kam dann zu ihnen beiden herüber. Watson räusperte sich. Anderson war manchmal nicht ganz der hellste im Scotland Yard, aber so schlau war er, dass er eins und eins zusammenzählen könnte um bald anzumerken, ob Sherlock auch hier war. Und darauf wollte John nun lieber keine Antwort geben. Am Ende war der Detective noch eingeschnappt. Vor allem wenn sein Image gefährdet war. Und ja, manchmal konnte Sherlock wirklich eingeschnappt sein. „Kleiner Besuch“, fügte er daher schnell hinzu und warf einen hilfesuchenden Blick zu Nina, die doch hoffentlich verstand, das Gespräch zu übernehmen, auf ein anderes Thema zu lenken. Die Erzieherin verstand natürlich sofort. „Hast du gestern Gwyneth noch mit zu dir nach Hause genommen, oder sie sofort zu deinem Schwager gebracht? Meist erzählt sie ja immer, wie sehr sie deine Pfannkuchen liebt, wenn sie bei dir war oder aber sie schwärmt von deiner  tollen Arbeit,“ fing Nina also ein Gespräch an. John grinste und wandte sich eilig von diesem Gespräch ab. Wäre Sherlock gerade hier, würde er zur tollen Arbeit einen Kommentar abgeben. Ganz sicher. Wobei, wo war Sherlock nun eigentlich so schnell hin? Ob er sich noch mal das Buch ansehen wollte? John würde auch gerne noch mal einen Blick reinwerfen, nur um sicher zu gehen, dass seine anfängliche nicht gerade realistische Theorie mit dem Zusammenhang von den Titel seines Blogs und Moriartys Gruselmärchen nicht zusammenhängen konnten. So hoffte er es zumindest, weil das wäre doch ein ziemlicher Zufall. Oder nicht? Watson stellte sich an den Türrahmen zum weiteren Flur in Küche und Hauptraum und beobachtete die Kinder, wie sie sich von ihren Eltern verabschieden und dann wild herumtoben. „John, sehen sie schon mal zu, dass die Kinder in den Hauptraum gehen? Sie sollen etwas spielen.“Watson nickte. Das Marinna heute erst etwas später kommen würde, merkte man daran, dass wirklich jeder nun mit an packen musste.„So alle Jungen und Mädchen, Flugzeuge und Rennautos, Prinzen und Prinzessinnen, auf in den Hauptraum, die Spiele warten“, erklärte John mit einem lächeln den Kleinen, wies mit seinem Arm wie ein Schild in Richtung Hauptraum und die meisten, schon von Jacken und Mützen befreiten Kindern machten sich auf den Weg dahin. Die Zwei Jungs von gestern, die mit ihm zusammengestoßen sind, natürlich wieder in der Rolle von Flugzeugen, einige düsten davon wie Autos, andere ließen sich Zeit, vor allem die Mädchen, die sich über ihre Puppen unterhielten. Der Arzt sah ihnen nach, als er spürte, wie jemand an seiner Jacke zupfte. „Du Johnny, hast du das Puppenkleid dabei?“ Der Arzt grinste. „Aber natürlich, versprochen ist versprochen.“ Watson holte aus seiner Jackentasche das Kleidchen, gehäkelt und pink, wie gewünscht. „Ohh wie toll! Das hat ja sogar Löcher.“ Watson wusste nicht, ob es was half, zu erklären, dass diese „Löcher“ beim Häkeln manchmal entstehen konnten, also entschied er sich einfach für ein schmunzeln. „Hast du das selbst gemacht?“ fragte die Sophie mit großen Augen und drückte das Puppenkleid fast schon wie ein Teddy an sich. „Nicht wirklich. Manchmal brauchen Menschen ein wenig Hilfe, weil nicht jeder die gleichen Fähigkeiten hat. Aber so können sich andere nur unterstützen und ergänzen mit den unterschiedlichen Fähigkeiten, die er hat. Ich hatte Tatkräftige Unterstützung von einer großzügigen Helferin“, erklärte John und kniete sich zu Sophie, um auf Augenhöhe zu sein.„Von einem Weihnachtswichtel?“ fragte die Kleine. Der Arzt lächelte herzlich.  Mrs Hudson sollte er ja nicht verraten, wieso also sollte er Sophies Gedankengänge zerstören? „Vielleicht“. Allerdings hatte Watson da nicht so wirklich gut mitgedacht, denn Sophie quietschte erfreut auf, rannte den Flur entlang auf den Hauptraum zu und rief. „Wisst ihr was ich glaube? Johnny ist der Weihnachtsmann!“ Der Arzt lies den Kopf sinken und musste sich wirklich zusammenreißen, nicht laut anfangen zu lachen.  War doch eigentlich klar, dass die Kleine darauf kommen musste, wenn er ihre Frage indirekt bejahte oder zumindest nicht verneinte. John stand auf, mit einem breiten lächeln auf den Lippen und sah zu Nina, die wieder ein paar Kinder zum Hauptraum schickte. Anderson beschäftigte sich gerade mit Gwyneth. Gut, also lief er nicht mehr in Gefahr, in ein Gespräch hineingezogen zu werden. „John, Weihnachtsmann? Sie müssen wissen, dass sie ab jetzt für die Weihnachtsmannrolle hier im Kindergarten angaschiert sind“, sagte Nina lachend. „Im übrigen höre ich manchmal Musik, wenn ich mich von lauten Geräuschen in der Nacht abschotten will“, fügte sie hinzu. Watson zog die Stirn fragend kraus. „Augenringe. Sie haben schlecht geschlafen. Ich kenn das auch, Kinder machen einen manchmal müde. Aber bei Ihnen scheinen das nicht die Kinder zu sein, nehm ich an? Sie machten gestern auch schon einen müden Eindruck“, erklärte die Erzieherin, schob ein weiteres Kind in den Flur zum Hauptraum und kam auf John zu. „Sie könnten beinahe meinem Mitbewohner Konkurrenz machen“, meinte John belustigt. „Das glaub ich weniger. Wie Sie ihn in ihrem Blog beschreiben, so klug bin ich dann auch wieder nicht. Ich kenne das Gefühl von Müdigkeit und die Anzeichen nur“, meinte die junge Erzieherin mit einem leicht besorgten Ausdruck. Watson lächelte sie nur leicht an. „Mir geht’s gut, danke für den Tipp. Ich werde ihn mir merken. Ich schau dann mal in der Küche vorbei, Inventar absuchen,“ antwortete der Arzt ihr. Nina nickte und wurde in ein Gespräch mit einem älteren Ehepaar verwickelt. John verschwand kurz noch im Hauptraum, um zu sehen, ob dort alles in Ordnung war. Aber weder gab es Streit unter den Kindern, noch war irgendetwas von Moriarty oder seinen Leuten zu sehen, im Moment auch kein neuer Gegenstand. Dann begab sich John in die Küche. Sherlock hatte er verpasst, der zu der Zeit schon bei den Garderoben war, wo Watson noch kurz  bei den Kindern im Hauptraum nach dem Rechten gesehen hatte. Aber die spielten alle munter und fröhlich. Sophie nebenbei verkündete ihren Freundinnen natürlich, zu wissen, wer der Weihnachtsmann sei. Noch ein Grund mehr vorerst in der Küche zu verschwinden. Dort überprüfte er dann auch erst mal die Arbeitsgeräte, die zur Verfügung standen.
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Fr Sep 26, 2014 6:10 pm

„Was? Also… Nein, eigentlich nicht… Aber das weiß ich auch nicht, also…“ Nina schaute verwirrt zwischen dem Ehepaar und Sherlock hin und her, der sich mit einem liebenswürdigen Lächeln neben ihr aufgebaut hatte. Er konnte ja nett aussehen, wenn er etwas von der Person wollte. Als er jedoch bemerkte, dass Nina sich nicht entscheiden konnte, wen sie ansehen sollte wurde sein Ausdruck wieder hart und kalt und er hob den Blick zu den anderen beiden.
„Sehen Sie nicht, wie durcheinander Sie diese junge Frau bringen? Sie können sie später weiternerven, jetzt gehen Sie besser.“ Das Ehepaar rauschte empört ab, während die Erzieherin versuchte, ihnen klar zu machen, dass sie ganz und gar nicht nervten und das sie sofort Zeit für sie haben würde.
„Sherlock, wenn Sie nicht mit Büchern werfen, dann bitte auch mit nichts anderem. Besonders keinen Wörtern.“ Zischte sie dann, bemüht, den Außenstehenden nicht zu zeigen, wie aufgebracht sie war. Sherlock fand das ziemlich niedlich, auf die abwertende Art, weil Nina ihm gerademal bis zur Schulter ging und richtig hochschauen musste, wenn sie etwas sagte.
„War das jetzt so gemeint, dass ich lieber mit ihrer Einrichtung werfen soll?“ fragte er, normal aufgerichtet, ausdruckslos, kalt, aber sichtlich erheitert. „Nein.“ Bekam er prompt die Antwort. „Mit nichts, verstanden? Sagt Ihnen John das nie?“ Sherlock zog einen Mundwinkel unbestimmt hoch. „Nicht wirklich.“ Er sah dann sogar mit dem ganzen Kopf zu ihr hinab, nicht nur mit den Augen. „Normalerweise werfe ich mit nichts, außer mit Worten. Aber hören Sie, es ist extrem wichtig, dass ich erfahre, ob es einen Heizungskeller gibt.“ Nina zog beide Augenbrauen hoch und bewegte eine dann so, dass sie mehr als überrascht wirkte. „Warum?“ „Privatangelegenheiten.“ „Die Leute werden reden.“ „Welche Leute?“ „Leute, die Johns Blog lesen.“ „Andere Privatangelegenheiten.“ „Private Privatangelegenheiten?“ „Ja.“ „Warum?“ „Werden Sie aufhören zu fragen, wenn ich Nein sage?“ „Nein.“ Sherlock verzog den Mund und sah wieder zu ihr hinab. Sie grinste breit. „Sagen Sie mir doch einfach, wofür sie ihn brauchen.“ „Also haben Sie einen?“ „Nein, ehrlich gesagt… Marinna müsste das wissen, aber ich komme hier nur her, um zu arbeiten, nicht um meine Privatangelegenheiten zu regeln. Sind es die Eltern?“ Sherlock seufzte. „Dann werde ich Marinna fragen müssen. Und nein, es sind nicht die Eltern.“ „Geschwister?“ Sherlock entfernte sich Richtung Küche. „Nein.“ „Freunde?“ „Hab ich nicht.“ „Feinde?“ „Nein.“ Das letzte musste er fast über die Schulter rufen, weil er schon in den Flur zur Küche eingebogen war. Dann schloss er die Tür und hatte Ruhe vor der Erzieherin.
John war da. Der Detektiv schloss die Tür und lehnte sich gegen die Küchenzeile, während er sich eine Tasse suchte, Kaffee hineintat und mit Zucker verfeinerte.
Dann trank er davon. Kalt. Er drehte sich zu der Kanne um und starrte sie an wie einen Geist. Gestern war alles alle geworden, diese Kanne war randvoll und eiskalt. Gestern Abend aufgebrüht?
Seufzend drehte sich Sherlock wieder mit dem Rücken zur Wand und trank. Inzwischen war er Hinweise ja gewohnt. Aber ein Krimineller, der ihm Kaffee machte? Vor allem so guten! Verwundert schaute der Detektiv in die Tasse, und roch daran, aber es war ein normales Getränk, Marke Instant, nicht vergiftet und ganz offensichtlich nicht mal mit irgendwas verfeinert, außer dem Würfelzucker, den er eben hineingetan hatte und der gerade dabei war, sich aufzulösen.
Also trank er weiter und kümmerte sich des Weiteren nicht mehr sonderlich um das Gesöff, sondern genoss die ruhigen Sekunden, bevor es laut werden würde.
Weil die Aufschläge nervten krempelte er seine Ärmel hoch, dann verschränkte er die Arme, mit der Tasse in der rechten Hand und sah zu John hinüber.
„Nudeln? Oder eher Kartoffeln?“
Er rieb sich gedankenverloren die Oberlippe mit dem Daumen und trank einen kleinen Schluck. „Nein, eher Nudeln, glaube ich. Tomatensoße, richtig?“
Sachte stieß er sich von der Theke ab und ging auf die zurechtgelegten Sachen zu. Dann sah er sie sich kurz an und stellte sie ordentlich zurück. Dann verzog er den Mund, wie er es tat, wenn er über etwas nachdachte, das sich zu etwas sehr unangenehmen entwickeln konnte.
Sherlock hatte soeben realisiert, was das bedeuten konnte.
Also schaute er John an, fragend, hoffend, dass es nicht so war und auch ein bisschen herausfordernd, ob wer wirklich wagen würde, das zu machen.

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John Watson
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Di Sep 30, 2014 8:56 pm

John hatte sich in die Küche zurückgezogen. Etwas erleichtert, wie er feststellen musste, denn Ninas gut gemeinten Ratschlag mit Musik hören, bei Gewittern, wie die, die gestern aufgezogen waren und die Besorgnis, die sich in dem Ratschlag verbarg, gab ihm zu denken auf. Da konnte er nicht noch ein paar Kinder gebrauchen, die ihn fragten, ob er den nun der Weihnachtsmann sei. Watson lächelte erneut. Manchmal konnten Kinder einen richtig gut aufmuntern, mit ihrer unbeschwerten Art.
Der Arzt wandte sich der Küchenzeile zu und suchte in den  Schränken nach passenden Arbeitsgeräten. Musik hören. Vielleicht war das wirklich keine schlechte Idee. Aber wie sollte er den an Musik kommen? Gut, er könnte sich ein paar gute Alben kaufen und sie auf seinem Laptop abspielen, aber ob er das wirklich brauchte? Dauerhaft? Er würde die Nächte mit Gewitter auch ohne Musik überstehen. Schließlich half es ihm doch, einfach wach zu bleiben, vor dem Fenster zu stehen und zu warten, bis es vorbei war, zu sehen, dass alles in Ordnung war. Musik war vielleicht eine nette Idee, aber würde sie ihn nicht auch noch vom schlafen ablenken?  John bevorzugte eher die Stille. Mit Ausnahme von manchen guten Geigenstücken, die Sherlock spielte und das Kinderlachen hier. Obwohl er im Moment auch froh war, dass das Kinderlachen nicht ganz bis in die Küche hinüber drang. Ein wenig Stille konnte der Arzt jetzt gerade gebrauchen. Nach Kaffee  suchte John erst gar nicht, weil er ahnte, dass noch kein frische aufgesetzt war und er selbst war gerade mit etwas anderem beschäftigt, als Kaffee aufzusetzen. Er müsste ja das Inventar der Küche überprüfen.
Watson stellte einen großen Topf auf den Herd, die Nudeln würden dort gut hineinpassen, ein kleinerer Topf fand neben den größeren Platz. In den kleinen Topf würden später die Tomatenstücke püriert werden. Der Arzt holte eine Pfanne aus einen der oberen Schränke und platzierte sie hinter den kleinen Topf, dort würde er das Hackfleisch anbraten, mit Zwiebel verfeinert. Ein Kochlöffel legte er neben den Herd und suchte dann nach ein paar Schneidebretter und stumpfe Kindermesser, die fürs Tomaten und Zwiebelschneiden gut geeignet waren, auch wenn Kinder damit umzugehen hatten.  John hatte sowieso vor, nur ein paar ältere Kinder zu nehmen, die nach diesem Jahr in die Schule kommen würden. Dann würde das kochen leichter vorangehen  und die kleinen Kinder würden mit Nina dieses Wasserpfützenspiel spielen dürfen. Der Arzt war froh, auch einen Pürierstab in der Küche zu finden, denn Mixer schien keiner da zu sein. Auch eine Käsereibe beförderte Watson ans Tageslicht, dann sah er sich noch mal die Arbeitsgeräte an und ging jeden Schritt gedanklich im Kopf durch. Tomaten und Zwiebeln in Würfel schneiden, zwiebeln andünsten und Hackfleisch dazugeben, Spaghetti im Nudelwasser kochen lassen und die Tomaten pürieren und mit Gewürzen abschmecken. Hinzu noch ein paar Käseraspeln. Na das sollte doch funktionieren. Wenn John die Menge der Zutaten vom Rezept noch im Kopf hatte.
Vom Flur aus hörte er Stimmen. Ob Sherlock sich mit Anderson unterhielt? Oder hatte er Anderson gar nicht beachtet und unterhielt sich mit Nina? Der Arzt überflog noch mal die Arbeitsgeräte und stellte dann noch einen Messbecher hinzu. Vielleicht würden die pürierten Tomaten später noch ein wenig mit Wasser und Schlagsahne aufgegossen werden.  Das sollte es jetzt aber gewesen sein.  Watson wandte sich zum Kühlschrank, der wirklich ziemlich leer war, außer ein paar Mineralflaschen, die dort noch ihren Platz gefunden hatten. Marinnas Einkauf war wohl bitter nötig gewesen. Zumal die Kinder ohne Bonbons auch nicht auskamen. Eine Belohnung musste schließlich sein. Der Arzt nahm eine Wasserflasche heraus, suchte nach eine Glas und füllte dort etwas des kühlen Wassers hinein. Kurz rieb er sich über seine Augen. Konnte man ihm denn den Schlafmangel so ansehen?  Nina hatte eine gute Beobachtungsgabe, was man aber wohl auch gebrauchen konnte, bei Kindern, von denen man nie wusste, was sie in der nächsten Minute so anstellten.
Der Arzt nahm einen großen Schluck von dem kühlen Wasser und lehnte sich dann an die Küchenzeile, das Glas in einer Hand, die andere wie fast immer an der Küchenzeile selbst abgestützt. Der Arzt warf einen Blick aus dem Fenster. Die Sonnenstrahlen wurden von einigen dunklen Wolken bedeckt. Wie auch am Tag zuvor. Nina müsste sich mit ihrem Spielchen beeilen, bevor es wieder zu Regnen beginnt. Ein Geräusch aus dem Flur und daraufhin Schritte in der Küche ließen ihn aufsehen. Sherlock schien wohl vor irgendetwas geflüchtet zu sein und sah nun recht erleichtert über ein wenig stille aus. Ob die Kinder ihm wohl doch noch andere Spitznamen verpasst hatten, als großer oder wollte er das Gespräch mit Nina nicht weiterführen? Ehe John genau fragen konnte, stellte der Detective seine Frage über das Essen. Hatte John erwähnt, dass er kochen würde? Wahrscheinlich hatte Sherlock eins und eins zusammengezählt, mit seinen guten Deduktionen.  John begann, die Schneidebretter, samt den stumpfen Plastikmessern um den kleinen Tisch in der Küche herum zu verteilen, während er überlegte, ob er Antworten sollte. Aber letztendlich nahm Sherlock ihm die Antwort vor weg, mit seiner Vermutung. Der Arzt sah kurz auf. „Nudeln, mit Tomatensoße. Richtig. Und Hackfleisch“, bestätigte der Arzt, während er das nächste Schneidebrett platzierte. Sein Wasserglas hatte er auf der Küchentheke abgestellt. „Schmeckt der Kaffee?“ fragte der Arzt,  während seiner Arbeit. Watson wusste, dass heute noch keiner einen Kaffee aufgesetzt hatte, also musste die Brühe in Sherlocks Tasse noch von Gestern sein. Dementsprechend bahnte sich auch ein grinsen auf sein Gesicht. Kalter Kaffee am Morgen war ein guter Start in den Tag, natürlich. Wenigstens befand sich in dem Kaffee sicher kein Auge. Der Arzt rückte noch ein mal die Stühle etwas zurecht. Fünf größere Kinder würden mit ihm heute kochen. Hoffentlich würde das gut gehen. John konnte kochen. Naja, so gut wie es eben ging, wenn man schon früher als Student sich eine Wohnung mit den Freunden teilte und zum Kochen eingeteilt wurde.  Aber die Kinder würden wenigstens auch lernen, dass eine leckere Soße nicht zwingend aus der Verpackung sein musste. Oder Spaghetti nicht immer aus der Dose.
Der Arzt stellte sich nun ans Fenster, und zog die Augenbrauen hoch, als er Sherlocks blick auffing. Dann beginnt er zu grinsen. Was meinte der Detective den? Es war doch für ihn offensichtlich das er kochte. Glaubte er etwa, John könnte nicht gerade so gut kochen, dass das Essen hier besser als Marinas wurde? „Oh doch. Ich koche. Zusammen mit ein paar Kindern. Sie dürfen sich gerne daran beteiligen. Oder aber Sie veranstalten mit dem Rest der Truppe und Nina ein Spielchen draußen. Das ist ganz Ihnen überlassen“, erklärte der Arzt und blickte aus dem Fenster. Die Eltern waren wohl verschwunden, denn es wurde ruhiger im Flur. Nina würde wohl mit den Kindern eine Begrüßungsrunde veranstalten und dann den Tagesablauf erklären.  Watson beobachtete, wie sich Sherlock die Arbeitsgeräte genau ansah. „Sind sie eigentlich vor Nina oder vor den Kindern geflüchtet?“ fragte John dann amüsiert nach. An Weihnachten müsste er für seinen Teil noch mal im Kindergarten vorbeischauen. Zumindest am 6 Dezember. Schließlich hatte er mehr oder weniger ein bestimmte Pflicht zu erfüllen, jetzt wo er für den Weihnachtsmann gehalten würde. Was würde als nächstes kommen? Der Osterhase? So sehr er die positiven, frohen Gedanken auch begrüßte, kam John nicht drum herum an Moriarty zu denken, der hier sein Unwesen trieb, auch wenn er vielleicht nicht selbst das Buch hier her gebracht hatte. Ob es noch da war? „Irgendwelche Anzeichen, dass gestern Nacht wieder ein ungebetener Gast hier war?“
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Mi Okt 01, 2014 8:54 pm

Sherlock verschränkte die Arme, dann nickte er. Der Kaffee war gut. Wirklich, echt gut, aber kalt. Warum sollte jemand Kaffeekochen um es stehen zu lassen? Er schaute auf seine Tasse, die er, mit einer Hand festgehalten in der Armbeuge balancierte. „Gut.“ Er schaute auf und blieb mit seinen scharfen Augen auf Johns Gesicht. „Aber nicht heute aufgebrüht. Und auch nicht gestern Abend, als wir noch da waren.“ Fügte er dann hinzu und hoffte, dass John selbst verstand.
Und das würde er, zweifellos. Immerhin war er Sherlock ja nicht gestern zum ersten Mal begegnet. Das Buch gab dann ja auch noch seinen Teil dazu und schon hatte man genug Stoff um Watson auf etwas aufmerksam zu machen. Nicht, dass man das nicht schon mit weniger hatte, aber dann kam es ja noch drauf an wo er war und was er tat und mit wem er da war.
Auf Johns Erläuterung des heutigen Vorhabens lächelte er herablassend und seine Schultern zuckten kurz, als er fast lachte. Die Hand hatte er wieder zum Mund erhoben. „Ich werde ganz sicher kein… Spielchen spielen.“ Sagte er dann anmaßend und legte vor dem Nomen eine Pause ein, damit John bemerkte, was der Detektiv von Wort und Bedeutung hielt.
Dann trank er noch einen Schluck, stellte die Tasse ab und inspizierte noch einmal die Geräte, rein zur Kontrolle, ob sein Mitbewohner zwei Aufsichtspersonen schon einplante oder es immer noch dem Detektiv überließ.
„Nina.“ Antwortete er auf die Frage und schaute dabei mit einem nicht deutbaren Ausdruck zu dem Arzt hoch. „Sie wollte wissen, wofür ich den Heizungskeller brauche.“ Nachdem hatte er ausgesprochen erhob er sich zu voller Größe, zog sein Handy aus der Hosentasche und suchte ein Programm, das öffnete er dann und drückte eine Taste auf dem Touchscreen. Kaum hatte er das, begann das Display mehrere Zahlen die Sekunde anzuzeigen und er packte sein Handy weg. Dann drehte er sich wieder ganz zu John um, damit er ihn während der Frage ansehen konnte und hob wieder den Becher hoch.
Dann hob er kurz wortlos die Tasse und suchte, mit geöffnetem Mund nach Worten, unterließ dann aber Versuche, es zu umschreiben und erklärte nüchtern, dass gestern Abend von keinem der vier mehr Kaffee gemacht worden war. Dann lächelte er falsch und trank einen Schluck davon.
Als das vollendet war erloschen sein Lächeln und sein Durst, er stellte die Tasse wieder ab und ging zu der Tür, die zum Gemeinschaftsraum führte, um einen kurzen Blick hineinzuwerfen.
Nina war da, mit den Kindern, aber der Detektiv achtete nicht auf sie, oder worüber sie redeten, er ließ einfach seine Augen durch den Raum schweifen und lehnte sich gegen den Türrahmen, die Arme verschränkt, um den Raum aus der Sicht eines Einbrechers zu sehen, der grade aus der Küche gekommen war, um sich aus irgendeinem Grund einen Kaffee zu machen. Was sprang ins Auge? Was sprang ins Auge, wenn man etwas ganz Bestimmtes vorhatte?
Er wurde an einer Antwort, oder wenigstens den Anfängen für eine Antwort gehindert, weil Tim zu winken begann. Das lenkte ab. Ganz gewaltig. Der Detektiv hob die Hand zum Mund, den Zeigefinger auf den Lippen und fixierte den Jungen mit einem seiner kältesten Blicke, dann hob er ihn wieder und rangierte den Arm wieder hinter den anderen. Das Kind machte weiter. Mit demselben Blick machte Holmes eine fast durchschneidende, stoppende Geste, aber der Junge ließ sich nicht beirren, also zog sich der Detektiv von der Tür zurück und gesellte sich wieder zu dem ehemaligen Militärarzt in die Küche zurück.
„Alles gut bei Ihnen? Sehen ein bisschen…“ Er hob die Tasse zum Mund und suchte nach einem passenden Wort. „Müde aus.“
Smalltalk… Heikles Thema.

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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   So Okt 05, 2014 8:52 pm

Der Arzt lauschte Sherlocks Antwort zu dem Thema Kaffee. Bei dem Wort ´Gut´ nickte er noch, als dann aber ein Satz hinzugefügt wurde, stutze er. Nicht heute aufgebrüht und nicht gestern Abend. Was sagte das? Heute am frühen Morgen? Nein, dann wäre der Kaffee doch mindestens Ansatzweise noch warm. Nicht gestern Abend. Nicht gestern Abend, als sie noch hier waren. Hieß das, dass jemand anderes noch hier war? Sich vielleicht in der Nacht Zutritt verschafft hatte, so wie an dem Tag mit dem Buch? Aber wer, wirklich Moriarty? Oder doch eher einer seiner Handlanger. Auf jeden Fall jemand, der guten Kaffee kochen konnte, wenn der Detective schon mal sein Urteil positiv ausfallen ließ. Wobei bei dem Detective auch ein Kaffee mit einem schwimmenden Auge positiv zu beurteilen war. Watson nickte, zumindest hatte er die Andeutung mit dem Kaffee ansatzweise verstanden. Oder war am Abend nach ihnen noch der Hausmeister hier und hatte den Kaffee aufgesetzt? Ach, wer wusste das schon. John jedenfalls konnte das nicht sofort erkennen, oder setzte ein Hausmeister etwa ganz besonders Kaffee auf, als andere Menschen? Wohl eher nicht.
Auf Sherlocks verhaltenes lachen hin, gab er nur ein kurzes grinsen. Wie auch immer der Detective den Satz aufgefasst hatte, war ihm eigentlich egal. Fakt war, dass er sich zwischen Wasserpfützen und Essenszubereitung entscheiden durfte. Wobei, konnte man einen Detective wie er es war, überhaupt an den Herd lassen, ohne das dass Wasser wegen mangelndem Interesse überkochte, wenn sich Sherlock nebenbei mit etwas nicht ganz so langweiligem wie das Kochen beschäftigte? Da waren die Kinder sicher noch aufmerksamer. Der Arzt lies seinen Blick noch mal über den Arbeitstisch schweifen. Sitzpolster für die Stühle wäre auch nicht schlecht, in so fern welche da waren. Schließlich sind die Kinder nicht ganz so große Stühle gewöhnt, wie die, die an dem quadratischen Küchentisch in der Nähe des Fensters standen.
Bei der Erwähnung von Nina, sah der Arzt wieder auf, nachdem er die Arbeitsmittel auf dem Tisch noch mal durchgegangen war. Ein Teller, wo die Stiele der Tomaten und die Schale der Zwiebeln hinkamen, sollte er am besten auch noch hinzustellen. „Und wofür brauchen Sie ihn?“ stellte John kurzerhand die Frage weiter. Er war sich sicher, dass der Detective Nina unverständlich auf ihre Frage geantwortet hat, wenn überhaupt. Und Nina lies wohl nicht locker, deshalb war der Detective also von ihr geflüchtet. Eigentlich recht logisch. „Hat der Kindergarten überhaupt einen?“ kam Watson dann eine zweite Frage in den Sinn. Eigentlich könnte er Marina doch eine SMS schreiben und sie nach einem Heizungskeller fragen, wobei er auch gleich noch nach Sitzpolster fragen könnte. Kurze Zeit war es still, dann warf Sherlock noch einen Satz über den Kaffee in den Raum. So eindeutig und unmissverständlich, dass John verstand, dass es eben nicht der Hausmeister gewesen sein konnte. Zwar hatten sie vier, die Erzieherinnen und Sherlock und er den Kaffee nicht gekocht und damit könnte es durchaus auch der Hausmeister gewesen sein, aber allein schon die Ansicht wäre verrückt. Kein Hausmeister kocht in der Nacht noch einen Kaffee, wenn er nur mal eben abschließen will oder vielleicht nach einer kaputten Leitung sieht. Der Kaffee war mit Absicht gekocht worden, damit man drauf kam, dass jemand hier war. Aber wirklich Moriarty? War er sich dazu nicht ein wenig zu fein?
Der Detective verschwand in den Flur und Watson traute sich wetten, dass er dem Gemeinschaftsraum einen kurzen besuch abstattete, nach dem rechten sah. Der Arzt hingegen zog sein Handy aus der Hosentasche und schrieb Marina erst mal, ob sie den Sitzpolster hätten und wen ja wo. Dann platzierte Watson noch einen Teller in der Mitte des Tisches und überprüfte erneut die Arbeitsgeräte. Eilig legte er noch ein Schneidebrett und ein Plastikmesser heraus. Einer würde hier sicher noch helfen. Wenn es Sherlock nicht war, dann Marina. Aber solange John heute am Herd stand, gab es kein durchgekochtes Gemüse, ganz sicher.
Die Antwort von Marina kam relativ schnell nach fünf Minuten. Im Schrank im Esszimmer. Also gut, dann musste John halt sehen, welcher Schrank gemeint war, denn wenn er sich genau erinnerte, standen dort zwei. Marina fragte auch gleich ab, ob er alles vorbereitet hatte, worauf er ein einfaches ´Alles fertig´ schrieb. Dann machte er sich auch schon ins Esszimmer auf, blieb kurz stehen und schaltete das Licht ein, weil die Wolken draußen die Sonne nicht mehr so wirklich durchließen. Watson steuerte als erste auf den Schrank neben den Lichtschalter zu. Doch außer Geschirr, Plastikbesteck und Becher sowie Platzdeckchen befanden sich darin nicht die gewünschten Sitzpolster. Also steuerte er auf den anderen Schrank zu, wo er wie erwartet die Polster fand und davon vier herausholte. Die Radiomusik drang zu ihm ans Ohr, doch er registrierte es nicht wirklich, selbst nicht das Lied, dass soeben aus dem Radio drang und den Titel ´Stayin´ alive´ trug überhörte er irgendwie. Er war zu sehr in Gedanken an das Kochen versunken. Selbst als er kurz mitsummte, nahm er nicht wahr, dass es komisch war, dass das Radio lief. Der Raum war davor dunkel und wohl auch noch nicht betreten worden.
John verließ also mit den Sitzpolstern wieder den Essraum, ohne das Radio genau beachtet zu haben, für ihn war es selbstverständlich, dass das Radio lief, schließlich war es ja gestern bei Mittagessen auch an gewesen. In der Küche verteilte der Arzt die Polster auf die vier Stühle. Nur die größten, viel mehr die ältesten der Kinder würden mit ihm kochen dürfen. Da war er schon sehr gespannt was dabei herauskommen würde. Watson nahm sich sein Wasserglas von der Küchentheke und trank erneut einen Schluck. Kurz darauf traf auch der Detective wieder in der Küche ein. „Aber diesesmal von einem Kind zur Flucht getrieben, wie?“ lächelte John. Allein der leicht grimmig Eindruck auf dem Gesicht des Detectives lies doch darauf schließen, dass ein Kind wieder etwas von ihm wollte. Vielleicht wieder vorlesen? Das wusste er dann doch nicht genau. Oder hatte Henry wieder mit seinen Aliens angefangen? Wäre auch möglich. Wobei ihm die Aliens doch vergangen sein mussten, nach der ´Unterhaltung´ diesbezüglich mit dem Detective. John sah auf, als Sherlock nach dem Befinden fragte. Waren sie wieder zu Small talk übergegangen? Der Arzt wusste ja, dass der Detective so etwas überhaupt nicht gut konnte. Dennoch, sah den wirklich jeder, dass er heute irgendwie müde wirkte? Ob die Kinder auch noch fragen stellten. Da war doch eine gute Antwort. Die Kinder machten ihn müde. Gut nicht ganz, aber immer wieder dieselbe Antwort mit ´schlechte Nacht´ war doch mittlerweile schon Standard. Also meinte John kurz und knapp: „Manchmal halten die Kinder einen schon auf trab.“ Zwar keine richtige Antwort auf die Frage, aber immerhin eine. „Also, Sie meinten der Kaffee wäre nicht von einem von uns zubereitet worden. Meinen Sie das es ein nicht gebetener, nächtlicher Besucher war? War es gewollt, dass man bemerkt, dass in der Nacht wieder jemand hier war?“ John spukte da etwas im Kopf rum, aber er konnte nicht genau sagen, was. Die Sache mit dem Kaffee, unbestimmt dachte er an das Stayin ´alive Lied. Er meinte es doch erst vor kurzem gehört zu haben.
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Di Okt 07, 2014 8:42 pm

"Das habe ich Ihnen doch gesagt, weshalb ich den Heizungskeller..." Sherlock zog die Augenbrauen zusammen und stutzte.
"Ich... Ich habe Ihnen nicht wirklich gesagt, warum ich den brauche, oder?" gestand er sich dann selbst ein und verzog den Mund.
Dagegen sollte er wirklich was machen, gegen dieses stetige Missverstehen...
"Ich weiß es nicht." sagte er dann auf Johns Frage. "Aber ich war auch noch nicht in allen Räumen, da kann mir eine Treppe seht leicht entgangen sein."
Sherlocks kurzer Ausflug blieb nicht unregistriert, er zog nur verächtlich den Mundwinkel hoch, als er Johns Frage hörte.
"Nicht zur Flucht. Zum wohlüberlegten Rückzug." sagte er dann würdevoll und richtete sich ganz leicht auf, um zu unterstreichen,
dass er keine unbeeindruckende Figur abgab.
Dann hörte er das Lied. Radio? Warum? War es gestern auch an gewesen? Allerdings verschwendete Holmes nicht viel Zeit mit derart banalem, also konzentrierte er sich auf John, der redete.
Nicht, dass er glaubte, der Arzt rede die Wahrheit. Er selbst hielt ihn auch auf Trab und nach solchen Tagen sank John in sein Bett wie sonst selten, also waren das nicht die Kinder.
Esseidenn, er dachte bis in die Nacht über sie und die Zeit im Kindergarten nach.
Bei Johns Vorraussicht und seinen Hang zum in Erinnerungen schwelgen war das durchaus möglich, aber irgendwie wollte Sherlock dem kein Glauben Schenken.
Aber er hielt seinen Mund. Er musste das nicht jetzt und nicht hier aufbringen, vielleicht in der Baker Street, vielleicht gar nicht.
Vielleicht war es besser, wenn sie darüber nicht redeten.
Er schreckte unmerklich auf, als John etwas zum Kaffee vermerkte, dann nickte er.
"Der Kindergarten hatte Besuch, da bin ich mir sicher. Warum er so freundlich war, für Getränke zu sorgen ist mir ein Rätsel, aber ich bin mir mehr als sicher, dass es genau das sein soll und er uns nur sagen will, dass er hier ist."
Sherlock dachte über das erste Mal, als er sich gezeigt hatte, nach. Das dämmerige Schwimmbad, über John, über Irenes Anruf, über die Reaktion und dass er sie gerettet hatte. Dass sie deshalb am Leben geblieben waren.
Der Detektiv kniff die Augen zusammen. Moment... Dann sah er John an. Stayin' alive.
"John, Sherlock? Könntet ihr bitte mal kommen?" Nina stand im Türrahmen. "Die sind ganz aufgedreht. Meinten, heute würde es Geschenke geben, oder soetwas."
Sie zog die Augenbrauen zusammen und verschränkte die Arme. "Sie haben ihnen doch keine leeren Versprechen gemacht, oder?"
Der Consulting Detective sah zu seinem Mitbewohner hinüber. "Wissen Sie, eine ganze Gruppe allein zu übernehmen ist schon schlimm genug. Und Sie sitzen in der Küche und trinken Kaffee. Noch nicht einmal eine Tasse abbekommen habe ich! Und dabei rieche ich den doch normalerweise immer."
"Das ist das Komplizierte." Sherlock stellte seine Tasse ab und ging auf Nina und die Tür zu. "Sie haben ihn nicht gerochen, weil kalter Kaffee nicht riecht."
Er zwängte sich mit einem überlegenen Lächeln an der verwirrten Nina vorbei und in Richtung Gemeinschaftsraum, wo die Kinder ein paar Lernspiele auf den Tischen ausgebreitet hatten.

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John Watson
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Mi Okt 22, 2014 6:54 pm

John stutzte selbst, als Sherlock meinte, dass er doch gesagt hatte, weshalb er den Heizungskeller braucht, weshalb er ihn überhaupt sucht. Der Arzt schüttelt kurz und knapp den Kopf, ganz leicht, weil er ahnte, dass sein Freund gleich darauf kam, dass er eben nichts von dem Heizungskeller erwähnt hatte. Dann als er die Frage aussprach, aber eher wie eine Erkenntnis klang, nickte John stumm. Vielleicht sollte der Consulting Detective endlich mal seine Gedanken aussprechen und nicht bloß denken und meinen, er hätte es ausgesprochen. Watson lächelte kurz und hörte dann Sherlocks Antwort zu. Er wusste es nicht. Wie konnte man nach etwas suchen, wenn man nicht wusste, wofür man es bräuchte? Aber Sherlock war da doch recht besonders. Er suchte eben zuvor, bevor er genau wusste wofür er es noch mal bräuchte.
Als Sherlock mit wohlüberlegten Rückzug, auf Johns Vermutung der Flucht, antwortete, lachte der Arzt. Rückzug. Genau, ein so viel besseres und würdevolleres Wort, als Flucht. Der Detective hatte natürlich eine Würde, die nicht verletzt werden durfte. Unter keinen Umständen. Was wohl zu dem Rückzug führte? Halt nein, zu dem wohlüberlegten Rückzug. Wohlüberlegt, das passte wie immer zum Detective. Vielleicht waren es wirklich die Kinder, die ihn mit einer Wichtigkeit nervten und er diese Wichtigkeit einfach nicht verstand und deshalb sich hierher zurückgezogen hatte. Nicht geflüchtet, sondern zurückgezogen.
Eine kurze Zeit herrschte Stille, in der man nur das Klopfen des Windes an der Fensterscheibe hörte. Also hatte der Wind wieder zugenommen und trotzdem versuchten sich noch Sonnenstrahlen aus den Wolken zu bahnen und die Räume des Kindergartens noch ein wenig mit Licht zu füllen. Als John dann auch auf Sherlocks frage ob alles gut wäre, antwortete, zogen erneute Wolken über die Sonne, die es ihr nicht gerade erleichterten, ihre Wärme zu verbreiten. Watson fühlte sich nicht sonderlich wohl dabei, die Tatsache, dass nicht die Kinder ihn so müde wirken liesen, sondern dass er die Wahrheit darum verschleierte. Lügen war sonst selten die Möglichkeit, zu die er griff. Er hielt nicht viel davon. Also, was sollte er jetzt von seiner Aussage halten? Die Kinder waren es nicht, die seine Träume einnahmen, vielleicht Moriarty, aber auch nur weil er oder einer seiner Leute wirklich hier sein Unwesen trieb und noch niemand genau wusste, was er im Schilde führte. Allerdings waren es die Erinnerungen an die damalige Zeit, die Zeit als Militärarzt, die ihn an den Tagen der Gewitter plagten, die Träume einnahmen. Die guten Erinnerungen zur Seite drängte, um den schlechten Gedanken platz zu machen. Was wohl seine Therapeutin, Ella, dazu sagen würde? Dass der Krieg ihn immer noch verfolgte? Eigentlich stimmte es ja, dass er sich nach Action sehnte, aber das, was er damals erlebt hatte, manche Situationen und Momente wollte er wirklich nie wieder erleben und doch holten ihn genau solche Situationen wieder ein. Ella lag falsch damit, dass die damalige Zeit ihn verfolgte, eher lies er nicht los von der damaligen Zeit, konnte nicht loslassen weil dort Erinnerungen waren, die ihn wiederrum nicht losließen. Aber Mycroft lag mit seiner Annahme, dass er die damalige Zeit vermisse, auch falsch. Er vermisste sie nicht, er vermisste damals in London nur Action. Am Anfang in seiner kleinen Wohnung war der Alltag immer derselbe. Keine Arbeit, Albträume, überflüssige Therapiestunden und ein Blog anfangen, den, so dachte er damals, sowieso keinen Interessieren würde. Genau das alles war langweilig. Aber später, die Fälle mit Sherlock zu lösen, das war Aufregung, Action. Auch wenn es einige Fälle gab, über die man sich nicht freute, auch wenn Sherlock es tat. Aber nichts desto trotz, zu seiner Therapeutin würde er nicht mal wegen den Albträumen mehr gehen. Jeder Mensch hatte sie, es war nichts ungewöhnliches. Und John konnte schon mit ganz anderen Sachen umgehen, als würde er das auch schaffen. Er hatte ja schon oft Albträume überstanden. Aber Ninas Rat mit Musik würde er wirklich mal ausprobieren. Nur war da wieder die Frage vorhin, welche Musik denn? Vielleicht etwas instrumentales. Watson wollte eigentlich noch etwas zu seiner Aussage sagen, aber was gab es jetzt noch zu sagen, dass das ausgesprochene wenigstens ein wenig richtig stellte?
Der Blick des Arztes glitt träge zu den Sitzpolstern und sofort fiel ihm wieder ein, dass er ja nochmal durchgehen wollte, ob er jetzt wirklich alles zusammen hatte. Als John dann auch kurz etwas über den Kaffee aussagte, um auf ein anderes Thema als Gesundheit und sonstiges zu kommen, wartete er die Antwort von Sherlock ab. „Freundlich“, merkte John kurz an, griff das Wort auf, dass Sherlock hat fallen lassen. „Ein Einbrecher der freundlich einen gut, aber kalten Kaffee zurücklässt. Das ist doch falsch. Ein Einbrecher ist normalerweise nicht freundlich,“ murmelt John und überlegt, warum es genau ein Kaffee sein musste, als Zeichen dafür, dass er, dieser jemand, hier war. „Konnte er nicht einfach einen Zettel hinterlassen, mit der Aufschrift, dass unser Einbrecher hier gewesen wäre?“ fragte John nach. Obwohl, dass wäre ja dann zu langweilig. Schließlich brauchte es ja ein Rätsel. Ohne Rätsel ging ja nie irgendetwas. Der Arzt dachte unbewusst wieder an das Lied im Pool. Irgendwie war es doch ein Rätsel weshalb Moriarty das Lied Stayin alive als Klingelton für sein Handy hatte, oder? Wieso kam ihm genau jetzt das Lied wieder in den Sinn? Er meinte es ja wirklich heute schon gehört zu haben, oder irrte er sich da. Watson sah kurz zu dem kleinen Tisch, dann wieder zu Sherlock. Er schien auch einen nachdenklichen Eindruck zu machen. Watson wollte gerade etwas sagen, als Nina in die Küche kam. Sie wirkte verwirrt. John stellte sofort sein Wasserglas ab, als sie zu reden begann. Ob der Arzt wohlmöglich daran Schuld war, dass die Kinder plötzlich von Geschenke redeten? Schließlich meinte Sophie ja jetzt wohl, er wäre der Weihnachtsmann. Allerdings würde Nina sonst nicht so ernst blicken. Was da bloß los war? Vielleicht gab es auch eine einfach Erklärung darauf, weshalb die Kinder von Geschenke redeten. Der Arzt versuchte Nina zu beschwichtigen. „Sie bekommen auch gleich einen Kaffee, zumindest dann, wenn Marinna neues Pulver mitgebracht hat. Ein frischer Kaffee schmeckt sicher besser, als ein kalter“. Auch wenn Sherlock meint, er würde gut schmecken. Mag sein, aber etwas warmes ist bei diesem Wetter doch immer besser, dachte sich der Arzt dann noch. Sherlock verschwand bereits, wohl Richtung Gemeinschaftsraum. Dabei lies er eine noch verwirrtere Nina, als zuvor, stehen. John sah sie entschuldigend an. „Ich weis nicht, ob es wohl daran liegt, dass Sophie meint, ich wäre jetzt der Weihnachtsmann, weil ich ihr ein Puppenkleid geschenkt habe?“ murmelte der Arzt, marschierte ebenfalls an Nina vorbei Richtung Gemeinschaftsraum und kam dort neben dem Detective zum stehen, Nina war ebenfalls gefolgt. Oder steckte hinter der Geschenke-Sache wieder ein gewisser Mann in einem Westwood Anzug?

(out: Der andere Beitrag folgt auch gleich )
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Do Okt 23, 2014 8:28 pm

Sherlock schnaufte amüsiert, als John feststellte, dass Einbrecher nicht freundlich waren. An der Universität hatte es einer immerhin geschafft, Olivers Kissen auszuschütteln, aber das war eine andere Geschichte. Und immerhin hatten ein Beet, ein Eichhörnchen und ein offenes Fenster damit zu tun.
Ein Zettel wäre zu auffällig gewesen. Und zu langweilig. Allein an der Schrift konnte Holmes Personen identifizieren, oder zumindest Grunddaten ausfindig machen und würde der Einbrecher eine Nachricht dalassen würde er sein eigenes Geständnis ablegen.
Allein die Tatsache, dass er zu Jim gehörte sprach doch dafür, dass er das nicht einfach tat. Und für Jim arbeitete er zweifellos.
Wenig später, John war gerade neben Sherlock zum Stehen gekommen, da nahmen die Kinder wahr, dass Nina nicht mehr der einzige Erwachsene war, der da war. Das Tuscheln wurde lauter und lauter, bis einige sogar fragten, was sie bekämen.
Es ging sogar soweit, dass einige aufstanden, Stühle und Tische zu Seite rempelten und auf die Männer zukamen. „Bekommen wir auch etwas?“ fragten sie, sahen zu den Männern auf und gaben nicht Ruhe. Der Detektiv, der sie zuerst nur von oben herab betrachtet hatte stöhnte leise. Es kamen immer mehr und es wurde immer lauter, bis er die Hände aus den Hosentaschen nahm und sich zu ihnen hinab kniete.
„Ihr bekommt nichts geschenkt.“ Sagte er dann und fixierte besonders ein sehr aufdringliches Kind dabei. Es erstarrte, wie als hätte er es mit seinen Blicken festgenagelt. „Im Leben bekommt man nichts geschenkt. Man muss sich alles hart erarbeiten und wenn du genug gearbeitet hast wirst du auf deiner Arbeit stehen und dir denken, was du alles geschafft hast, aber du wirst nichts geschenkt bekommen. Leute sind zu geizig und zu neidisch um zu schenken. Schenken passiert nie aus einem anderen Grund als persönlichem Vorteil.“ Er hatte sich immer mehr vorgebäugt und würde er nun mit dem Kopf vorzucken würde er das Kind mit seiner Nasenspitze berühren, also nahm er sich Zeit um sein Gesicht etwas zu entfernen und zuckte dann nach vorne, das Kind bebte zusammen wie ein ängstliches Tier beim Donner und verschwand dann langsam in der Richtung seines Tisches.
„Das gilt für euch alle.“ Sagte Holmes, als er sich aufrichtete und das Jackett glatt strich.
Die anderen Kinder, nicht minder beeindruckt wie Sherlock zufrieden feststellte, trollten sich auch langsam, einige sahen verstört aus, andere waren ausdruckslos und Gwyneth grinste in sich hinein. Sie war eine von denen gewesen, die sitzen geblieben waren. Mit Anderson in der Familie musste man ja wissen, das ein Geben immer mit einem Nehmen verbunden war.
Wenn es denn überhaupt geben gab.
Heute traute sich niemand beim Detektiv Hilfe für das Lernspiel zu erbitten, nur einmal meldete sich ein Junge und stierte dabei so stark in Ninas und Johns Richtung, dass es unmöglich war, dass er Sherlock meinen könnte. Der Detektiv kam damit gut klar.
Einige, die schon fertig waren verschwanden in den Bereichen die ihnen offen standen, Gwyneth verschwand bei dem Mal-Abteil, Sherlock folgte ihr kurz mit dem Blick, dann sah er zu John, nickte ihm zu und verschwand zur Fensterbank, wo er sich gemächlich niederließ.
Er hatte gerade seinen Rücken an die eine Seite des Rahmens gelehnt und die Füße auf den anderen gelegt, behaglich auf der warmen Fensterbank, da kam Nina und pflückte seine Sohlen von der Wand. „Das unterlassen Sie. Und die Standpauken auch, verstanden? Und nehmen Sie ihr Telefon weg, das ist extrem unhöflich.“ Der Consulting Detective schaute einmal von ihrem Kopf zu ihren Schuhen, lächelte dann herablassend und nahm langsam die Füße herunter. „Eine SMS vom Ex sollte keine Auswirkung auf ihre Arbeit haben.“ Dann stand er auf, richtete die hohe Gestalt und kostete kurz aus, dass er soviel größer als sie war. Mit einem weiteren schiefen, sarkastischen Lächeln schritt er zu einer anderen Fensterbank und ließ sich da nieder. Das Telefon blieb aber verschwunden.
Er schwelgte kurzen Tagträumen, dann nahm er die kleine Gestalt wahr, die sich ihm näherte. „Hallo Freak.“ Er hatte ihr also die ganzen schönen Umgangsformen beigebracht, oder nein, Donovan war bei ihm gewesen und sie hatte gestern bei ihm übernachtet. Also, beide sies.
„Das hab ich für dich gemalt.“ Gwyneth erhob Stolz ein Ausmalbild mit mehreren Strichmännchen drauf. Sie waren relativ sauber ausgemalt, mehrere Strichmännchen in einer Reihe, auf den Füßen, auf den Händen, mit Flaggen, aber extrem Kindlich gezeichnet. Es sah aus, als würden sie tanzen.
Das gnädige Lächeln auf Holmes‘ Gesicht war verschwunden, er lehnte sich unmittelbar nach vorne und zog die Augenbrauen zusammen. Das war nicht möglich.
Diese Vorlage hatte nichts in einem Kindergarten zu suchen. Kinder mochten Bunte Motive mit vielen Details, die sie ungenau ausmalen konnten, aber das waren einfache Strichmännchen, im Doppelstrich, damit man sie ausmalen konnte. Es würde ihn stark überraschen, wäre das nicht genau der Mann, den er hier vermutete, der dieses Ausmalbild hierher gebracht hatte.
„Wie oft gab es die Vorlage?“ fragte der Detektiv, während er dem Bild immer näher kam.
„Nur einmal. Und ich hab es für dich ausgemalt.“
„Hat dir irgendwer gesagt, dass du genau das machen sollst?“
„Nein! Also… Auf der Rückseite stand mein Name und manchmal reservieren Nina oder Marinna ein Bild für uns.“
Mit zittrigen Fingern nahm der Detektiv dem Kind die Zeichnung aus der Hand. Dann behielt er sie einen Moment grade und drehte sie dann um. Ein Stück Neongrünes selbstklebe-Papier war darauf befestigt, in Form eines Apfels. Gwyneth war darauf zu lesen, aber aus Buchstaben, die aus einer Zeitung ausgeschnitten worden waren. Es jagte dem Detektiv einen Schauer über den Rücken.
„Das nehme ich mit.“ Meinte er taub und faltete es, um es sich in die Innere Tasche seines Jacketts zu stecken.
„Jetzt musst du dich bedanken.“ „Was?“ „Bedanken! Weil ich dir ein Bild gemalt habe!“ „D-Danke.“ "Nichts zu danken."
Wer auch immer hier gewesen war, ob es nun Moriarty höchstpersönlich gewesen war oder nicht, der Boss wusste von Gwyneth und auch, dass sie Holmes mochte. Und den CD zu mögen war wirklich gefährlich.
„Wie alt bist du eigentlich?“
Holmes sah auf.
„Was?“
„Wie alt! Alt genug um nicht mehr alles zu Hören bist du schon mal.“
„32. Warum fragst du?“
„Naja, Humphrey wollte deinen Freund fragen. Und ich wollte es auch wissen, weil meine Mama immer sagt, junge Menschen seien beeinflussbar. Scheint nicht zu stimmen.“
Holmes zog die Augenbrauen fragend zusammen. Sie sah zu ihm auf.
„Du bist sehr beeinflussbar.“

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John Watson
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Mo Okt 27, 2014 1:17 am

John blickte etwas perplex die Kinder an, die unbedingt alle ein Geschenk wollten und so große Augen machten, wie am Weihnachtsabend. John lies seine Hand kurz durch sein Haar streifen. Ok, dass hätte ihm nun doch klar sein müssen, dass Sophie den Kindern allen breit unter die Nase gehalten hatte, was sie geschenkt bekommen hatte. Der Arzt warf einen kurzen Blick zu Sherlock, der ein paar Worte zu den Kindern sagte, doch genau konnte er diesen Worten nicht folgen, da er darüber nachdachte, wie er aus der misslichen Lage höflich rauskam. Nicht so wie Sherlock, wie immer mit nicht gerade nett gewählten Worten. Der Detective hatte schon irgendwo recht. Im Leben bekam man nichts geschenkt. Watson hatte damit schon oft Erfahrung gemacht. Jeder hatte das, aber die Kinder wusste davon noch nicht wirklich etwas. Verstanden es noch nicht so ganz. Daher versuchte der Arzt die Situation auch schnellst möglich wieder etwas zu entschärfen. „Wisst ihr was. Sophie hat ganz recht. Einen Weihnachtsmann gibt’s es wohl“, meinte John und noch bevor die Kinder schon aufjubeln wollten, dass John doch der Weihnachtsmann sei, fügte Watson hinzu, dass er selbst nur ein Helfer des Weihnachtsmannes sei. „Aber wenn ihr euch brav benehmt, bis zum 6 Dezember, dann bin ich mir sicher, dass ich bei Weihnachtsmann mal Anfragen kann, ob er den ein paar Geschenke hätte“. Zuerst ging Getuschel durch die Gruppe der Kinder. Die einen sahen Sophie schief, fas anklagend an, dass John doch nicht der Weihnachtsmann war, andere, die nicht bei der Gruppe standen, die sich vor Sherlock, Nina und John aufgebaut hatten, sondern an ihren Tischchen mit den Lernspielen saßen, meinten nickend, sie würden brav sein. „Und das werden Sie doch überprüfen, nicht?“ fragte der Arzt Nina, woraufhin diese mit einem grinsen nickte. Trotzdem hatte sie ein weiteres Hühnchen mit dem Detective zu rupfen. Die Kinder, manche noch ein wenig verwirrt und verstört von der Ansprache des Detectives, andere wirkten höchst freudig sich anzustrengen brav zu sein, machten sie sich wieder an ihre Spiele. Gwyneth allerdings, sah eher unbeeindruckt aus, besonders von der Ansprache des Detectives, eher grinste sie, so richtig. Als hätte ihr nicht die Ansprache von John sondern eben die von Sherlock gefallen. Das Mädchen war schon irgendwie besonders.
Der Arzt und Nina hatten sich wieder an ein Regal positioniert und wollten ein Gespräch anfangen. Watson wollte schon erwähnen, dass Nina später nicht gar so streng mit Sherlock sein sollte. Sie kannten ihn ja jetzt schon etwas mehr als 24 Stunden. Aber bevor er so etwas ähnliches hätte sagen können, ging Nina zu einem Jungen, der vorhin auffällig in ihre Richtung gesehen hatte. Nicht zu Sherlock, sondern zu Nina und John. Der Arzt vermutete, dass es Sherlock ziemlich wenig interessierte, wenn er nicht bei den Lernspielen gebraucht wurde und trotzdem musste John grinsen. Vielleicht würde Sherlock bald noch als Knecht Ruprecht bezeichnet werden. Wer wusste es schon? Watson durfte auch ein paar mal sein Wissen vermitteln, als er bei den Lernspielen gefragt wurde, bevor er sich mit wachen blicken wieder an das Regal lehnte und die Kleinen beobachtete. Als John den Blick dann zur Bauecke schweifen ließ, fing er Sherlocks Blick auf, der ihm gerade zunickte. Anscheinend brauchte er wohl gerade etwas Ruhe. Die Kinder schienen ihn nun doch wieder etwas auf die Palme zu bringen. Aber wer brachte den CD nicht auf die Palme? Anderson war schon mal einer von denen, der Sherlock am meisten nerven konnte. Watson nickte kurz zurück, bevor sich der Detective zu einer Fensterbank aufmachte. Die Kinder durften sich mittlerweile frei Bewegen, mussten keine Lernspiele mehr bearbeiten. Die Mädchen zischten wie gestern auch heute wieder eilig zu ihrem Puppenhaus. Sophie hielt dabei ihr Puppenkleid strahlend in die Höhe. Der Arzt warf einen kurzen Blick auf die Uhr. Marinna sollte eigentlich bald wieder hier sein. „Sieht wohl so aus, als könnten wir das Wasserpfützenspiel heute vergessen. Es fängt schon wieder an zu regnen. So ein mieses Wetter aber auch“, hörte er Nina neben sich. Der Arzt lächelte. „Ich denke die Kinder sind hier gerade auch gut mit ihren Bauklötzen, Puppen und Bildern beschäftigt“, meinte John, als er sich kurz umsah. „Allerdings, wenn sie gleich mit fünf Kindern kochen, dann wollen die anderen auch etwas interessantes machen. Da darf ich mir dann wieder was einfallen lassen,“ entgegnete ihm Nina. „Ich bin mir sicher Ihnen fällt da schon was ein“, meinte John. Nina nickte, ihr Gesicht nachdenklich. „Vielleicht ein paar Schattenspiele. So was in der Art. Sie können ja schon mal mit den Fünf in die Küche gehen. Marinna musste bald hier sein“, erklärte Nina, rief kurz nach den Kindern, die die Ehre oder eher auch das Pech hatten, mit John zu kochen. Schließlich wusste John nicht, ob das Gericht gelingen würde. Dann verabschiedete sich Nina in Richtung des Detectives.
Vor dem Arzt hatten sich fast zeitgleich mit dem verschwinden von Nina fünf Kinder aufgetan, die nächstes Jahr die 1 Klasse besuchen würden. Unter ihnen Humphrey und Sophie."Was machen wir jetzt?“fragte Sophie. „Kochen“ entgegnete John, überflog kurz die Kinder und sah dann zu Gwyneth. Diese saß in der Malecke, warf aber immer auch einen Blick zu Sherlock. Als würde sie sich freuen, ihm gleich etwas zu zeige. Na, Sherlock konnte sagen, was er wollte. John aber übersah nicht, dass Gwyneth eine besondere Verbindung zu dem Detective hatte. Sie wirkte zumindest mal ziemlich klug und vor Detective zeigte sie auch keine Anzeichen davon, ihn nicht zu mögen. Andere Kinder wiederrum wussten schon, warum sie Sherlock aus dem Weg gingen. Einer wäre ja da, dem er Sherlock zu verdanken hat, dass seine Aliengeschichten nicht mehr funktionieren. „Und was?“ hörte er Humphrey fragen, da fragte auch gerade der richtige, an den John zuletzt gedacht hatte. Watson schmunzelte. „Erfahrt ihr gleich“, erklärte John, während er sich nach draußen aufmachte, zum Flur zur Küche. Allerdings nicht ohne noch mal einen Blick zu Nina zu werfen, die sich soeben mit Sherlock unterhielt. Die Kinder folgten dann dem Arzt in die Küche.
In der Küche angekommen, saßen alle Fünf auf ihren Plätzen am Tisch und begutachteten die Plastikmesser. „Also, was kochen wir?“ fing Humphrey wieder an zu quengeln weil er unbedingt wissen wollte, was sie nun machten. „Was kann man mit Nudeln, Tomaten und Hackfleisch alles machen?“ fragte der Arzt, diese Frage hätte er allerdings ein wenig anders stellen sollen. Ein Mädchen meinte, dass man die Zutaten kaufen könnte, was ja richtig war, ein anderes meinte, Tomaten kann man vom Garten ernten und Humphrey wie immer ganz frech erklärte stolz, dass man diese Dinge gut auf größere, nervende Brüder werfen könnte. Watson musste ein aufseufzen richtig unterdrücken. Er wollte damals seine Schwester nicht mit Tomaten oder dergleichen bewerfen, nein. Davor hatte er viel zu großen Respekt vor ihr. Und Sherlock und Mycroft haben sie in ihrer Kindheit sicher mit etwas sinnvollerem beschäftigt, als Lebensmittel durch die Gegend zu werfen. Was war die damalige Zeit nur für ein Unterschied zu heute. „Das ist alles ganz richtig, was ihr da so aufzählt“, Humphrey machte schon erstaunte Augen, John hebt aber schnell anklagend seinen Finger „bis auf das mit dem Werfen“ und da war Humphrey schon wieder gelangweilt. „Aber ich meinte, was ihr meint, damit Kochen zu können“, endete Watson mit seiner Richtigstellung des Satzes. Fragende Gesichter blickten ihn an, Überlegungen. „Nunja, Nudeln mit Soße“, erklärte Sophie. „Richtig. Wir kochen Spaghetti mit Tomaten-Hackfleischsoße,“ löste der Arzt das Rätsel auf, was sie kochten. „Und was bekomm ich dafür?“ fragte Sophie zu gleich. Watson Gesichtsausdruck zeigte Verwirrung. Was meinte das Mädchen jetzt? „Wie bekomm…“ Sophie lies ihn nicht mal ausreden. „Na ich lag doch richtig mit Nudeln und Soße. Bekomm ich jetzt ein Bonbon?“ Der Arzt zog seine Augenbrauen hoch. „Ähm…nach dem Essen“, erklärte John eilig um keine voreiligen Versprechungen zu machen.
Marinna traf 10 Minuten später mit den Einkaufstüten ein und die Kinder durften erst mal beim ausräumen jener Einkaufstüten helfen. Zuvor hatten die Kinder noch ein wenig die Arbeitsschritte für das Gericht erfahren und was es beim Kochen alles zu beachten gab. „Was macht Nina? Jetzt sieht es ja mit ihrem Wasserpfützenspiel etwas schlecht aus,“ fragte Marinna. Der Arzt sah auf, als er einem Kind eine Bonbontüte in die Hand drückte und bestimmt meinte, es in den Schrank für später zu legen. Erst probierte der Junge natürlich, damit wegzurennen, aber unter dem strengen Blick von Marinna, verstaute er die Bonbons dort, wohin es angewiesen wurde. Der weile antwortete John. „Sie hatte etwas von Schattenspiele erwähnt. Sie müsste noch drüben im Gemeinschaftsraum sein. Ich denke Sherlock ist auch da.“ Watson stellte zwei Milchtüten in den Kühlschrank, somit waren die Einkäufe verstaut und die Sachen fürs Gericht lagen auf dem kleinen Tisch, um den die Kinder saßen. „Sie kommen hier alleine klar?“ fragte Marinna noch, wobei John nickte und die Dame verschwand, den Kindern wünschte sie aber zuvor noch Viel Spaß beim Kochen. Dann aber machte sie sich zum Gemeinschaftsraum auf.
John erklärte den Kindern kurz darauf, wie man Tomaten und Zwiebeln schnitt. Dabei übernahm John, was mit einem Plastikmesser erstaunlich gut ging, das entfernen des Stils und das halbieren der Tomaten, nachdem die Kinder diese gewaschen hatten. Dann führte er den Kindern noch mal vor, wie man die Tomaten zerkleinerte und die Kinder machten das dann mit den Plastikmesserchen nach. Die Zwiebeln übernahm John selbst mit seinem Plastikmesser, zuvor schälte er sie. Natürlich kamen Fragen, als der Arzt die Zwiebeln zerkleinerte hatte, warum er den plötzlich weine und ob ihm was weh tue. Daraufhin grinste Watson nur und lies die Kinder mal zu seinem Schneidebrett kommen, damit sie an den Zwiebeln riechen konnten. Die Fünf machten aber schnell kehrt vom Brett, als sie bemerkten, dass die Zwiebeln der Auslöser für Tränen war und John erklärte den Fünf wieso. Dann durften die Fünf die in Würfel geschnittenen Zwiebeln und Tomaten in die Pfanne geben, zusammen mit dem Hackfleisch. Nach dem Hackfleisch wies John die Kinder an die Hände zu waschen, auch hier erklärte er den Grund, während er die Herdplatte einschaltete und den Inhalt darin unter einer Glashaube erst heiß werden ließ und dann nach guter Farbe des Hackfleisches, dieses nur noch auf halbe Stufe dämpfen ließ. Die Kinder durften nach dem Hände waschen jeweils einen kleinen Bund an Spaghetti in der Mitte auseinanderbrechen und dann unter wachsamen Blicken in den Topf mit erhitztem Nudelwasser geben. Beim auseinanderbrechen der Spaghetti zeigte sich Humphrey natürlich wieder von seiner coolen Seite, da er ein wenig mehr feste Nudeln in der Mitte auseinanderbrechen konnte, als die anderen. Als dann auch die Nudeln vor sich hin kochten, setzten sich die Fünf wieder zurück an den kleinen Tisch. „Und freut ihr euch nächstes Jahr auf die Schule?`“ fragte der Arzt die Kleinen. Humphrey war natürlich der erste mit seinem Kommentar. „Weißt du Johnny, mein Bruder meinte, die Schule sei total doof.“ „Aber nein, das ist sie ganz und gar nicht!“ hielt Sophie dagegen. „Meine Schwester findet sie toll!“ Der Junge lachte. „Ja, nur weil sie noch nicht in der fünften Klasse ist“, erklärte Humphrey weiter. „Wieso was ist an der fünften Klasse so schlimm?“ fragt ein Mädchen unter den Fünf. „Nichts ist an der fünften Klasse schlimm“, wandte John schnell ein und versuchte das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken, während er die Hitze bei der Pfanne noch etwas zurückschaltete. „Von wem werdet ihr heute den abgeholt?“ Sofort kamen frohe Verkündungen, wie von der Mutter, von der Oma, von meinem großen Bruder, vom Onkel. Humphrey aber musste natürlich extra dick auftragen. „Mein Vater holt mich heute in seinem großen Schlitten ab“. „Schlitten? Du meinst wohl Auto“, korrigierte ein Junge Humphrey. Dieser seufzte nur auf und meinte, dass das ein anderes Wort für großes tolles Auto wäre. „Ja, nur weil dein Vater so reich ist, kann er sich so was leisten“, meint Sophie spottend. „Mein Vater ist nicht reich! Er ist Politiker und hat viel Einfluss in seiner Position“, erklärte Humphrey wieder. „Sag ich doch, dein Vater ist reich“, hielt Sophie in ihrer Überzeugung fest, der blondhaarige Junge schüttelte nur den Kopf. Das Gespräch der Kinder lies John allerdings stutzig werden. Humphreys Vater war Politiker? Wieso sagt irgendetwas in John gerade, dass das noch wichtig sein könnte?
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Sa Nov 01, 2014 4:58 pm

Sherlock zog die Augenbrauen zusammen. Hatte sie ihn eben alt genannt? Ein langes Schweigen folgte, indem beide sich ernst anstarrten, allerdings wurde die Szene recht schnell entkräftet, indem Gwyneth aufstand und laut ein Kinderlied summend zur Zeichenecke zurückhüpfte.
Holmes sah das Blatt noch einmal an, drehte es um und zog den Kleber ab. Er legte einen Finger auf den haftenden Streifen, roch daran und probierte sogar kurz, es war die teure Sorte, die man nur in Schreibwarengeschäften bekam, und die in einem hunderterpack vier Pfund 59 kostete. Die Buchstaben klebten seit mehr als einer Stunde, selbstverständlich waren sie mit dem Einbrecher aufgeklebt worden, vielleicht sogar früher, nachdem er sie an seine Nase gehoben hatte und dann eingehend betrachtet war klar, dass sie von der Times stammten, der Titelseite, vermutlich der gestrigen. Das t und das h waren von einem Wort, dem des 6th, das g und das w waren… „Sherlock!“ Der Detektiv zuckte scharf zusammen, als ihm Marinna quasi ins Ohr schrie. „Erschrecken Sie mich nicht so!“ erwiderte er barsch. „Hat Ihnen niemand gesagt, dass Sie mich nicht unterbrechen sollen, wenn ich etwas untersuche?!“ Marinna ließ sich davon nicht beeindrucken. „Nein, hat niemand. Und Sie werden jetzt ein Spiel mit den Kindern spielen.“ Der Detektiv wollte protestieren, aber die Erzieherin schnitt ihm das Wort ab. „Ich habe nicht gesagt Sie können, ich habe gesagt Sie werden!“ mit diesen Worten packte Sie ihn am Unterarm und zerrte ihn Richtung Hauptraum, dort rief sie alle Kinder zusammen.
Die verbliebenen, einige waren gegangen, vermutlich mit John, die nichts zu tun hatten sprangen auf und kamen auf die beiden Erwachsenen zu, ihre Augen glänzten in freudiger Erwartung. Sie starrten zwar nur Marinna an und waren sich nicht bewusst, dass Sherlock für ihre Beschäftigung zuständig sein würde, aber vermutlich war das besser so. Sonst würden sie möglicherweise gar nicht mehr herauskommen aus irgendwelchen Verstecken, die sich in diesem Haus befanden. Sie kannten die ja, Sherlock nicht. Nicht, dass Sherlock sie nicht gefunden hätte, aber es juckte ihn eh nicht, was die da taten und er hätte sich lieber irgendwo hin gesetzt oder hätte Fakten und den Heizungskeller gesucht. Soviel hielt ihn nicht in diesem Kindergarten.
Höchstens das mysteriöse ein und ausgehen eines Mannes, über dessen Ziel Holmes sich nicht übermäßig sicher war, ließen ihn doch noch zu dem Gebäude kommen wie ein Insekt zur Straßenlaterne. Und vielleicht, weil John sonst sämtliche Experimente verwarf, die noch äußerst wichtig waren.
„So, Kinder.“ Marinna schlug die Hände zusammen während sie die Kinder zählte. „Die anderen sind beschäftigt?“ Sie musste erst zu Holmes hochsehen, damit der bemerkte, dass er gemeint war und bei den anderen Bereichen nachsah. Ein Junge und ein Mädchen waren dabei, einen zweiten Jungen unter Bauklötzen zu begraben, die Buntstifte in der Malecke lagen auf dem Boden verteilt, fünf Kinder waren dabei, ein Bild an die Tapete zu malen, irgendwer hatte sämtliche Puppen versteckt, nur eine konnte der Detektiv auf der Gardinenstange sehen. „Friedlich wie Engel.“ Sagte Holmes, kaum stand er wieder neben der Erzieherin. Die war vollkommen mit den Kindern ausgelastet, die sie jetzt da hatte, weil einige lieber kochen wollten als das machen, was sie gerade erklärt hatte und andere nichts mit Holmes machen wollten, wieder andere verlangten immer noch ein Geschenk und ein Mädchen meinte, sie wolle ein Bonbon.
Während sie sich untereinander unterhielten, protestierten und Marinna am Hemdzipfel zogen, war die komplett überlastet mit einer Taschenlampe, die der Detektiv ihr daraufhin aus der Hand zog. „Einfacher Druckverschluss.“ Er drückte kurz beide Seiten zusammen, der untere Deckel löste sich und eine Batterie sprang heraus. Dann nahm er ihr die Neue aus der Hand und platzierte sie, der Deckel fand seinen Platz und Sherlock schaltete einmal kurz ein und aus, um zu sehen, ob es richtig funktionierte. Dann drückte er Marinna das Gerät in die Hand.
„Oh nein, ganz bestimmt nicht.“ Meinte die daraufhin und gab es ihm zurück. „Sie machen das! Ich habe zu tun.“ Bevor der Detektiv etwas erwidern konnte war sie verschwunden. Gut, dann schaffte er es halt allein. Was eigentlich?
„Was wolltet ihr denn eigentlich machen?“ fragte er und sah sich um.
„Ein Schattenspiel.“
„Und wie geht das?“
„Wir holen das große Papier raus, basteln Vorlagen und dann schmeißen wir Bilder an die Wand.“
„Das ist eine Plane und es heißt an die Wand werfen.“ Verbesserte ein Mädchen und boxte das Mädchen gegen die Schulter, woraufhin die sie am Zopf zog. Die Angegriffene entgegnete dem mit einem Tritt vors Schienbein, das die andere mit einem Knurren erwidert hätte, wäre Holmes nicht dazwischen gegangen. „Könnt ihr keine Ruhe geben?“ fragte er und starrte beide wütend an, woraufhin diese sich etwas zurückzogen. Er verlagerte sie noch fünf Meter voneinander entfernt, dann fragte er, wo die Plane denn sei. Die Antwort gefiel ihm sehr.
„Marinna?“ die Angesprochene hob den Blick von einem Ordner und zog, kaum hatte sie gesehen, wer sie angesprochen hatte, die Augenbrauen zusammen. „Wenn Sie mir jetzt sagen, dass sie ein Kind umgebracht haben bringe ich Sie um.“
„Nein, es ist nicht das. Alles ein bisschen banaler.“ Sherlock ging auf sie zu und erhaschte noch den Blick auf die Akte eines der Kinder hier, dann schlug sie die Mappe zu. Er fuhr fort, ohne ihren angesäuerten Blick zu beachten. „Sagen Sie, wo ist denn der Keller hier?“
„Was machen die Kinder gerade?“
„Vorlagen malen und ausschneiden.“
„Sie haben die Kinder mit den Scheren allein gelassen?“
„Hätten Sie nicht so reagiert, hätte ich mich auf das Erwähnen von malen beschränkt?“
„Sherlock! Das geht nicht, Sie können nicht einfach… Hinter der Tür bei meinem Schreibtisch ist die Treppe.“ Damit verschwand sie auf den Flur.
Holmes sah ihr kurz nach, dann umrundete er ihren Schreibtisch, an dem sie eben noch gesessen hatte und fand die grüne Tür hinter einem Regal mit Ordnern. Von ihr ging eine einfache Holztreppe hinab in die Dunkelheit, es roch modrig und kalt. Mit vorsichtigen Schritten ging er Stufe um Stufe hinab und fand am Fuße der Treppe sogar einen Lichtschalter. Die Glühbirne flammte auf.
Vor ihm lag ein Flur mit ungefähr sechs Türen, Gerümpel stand vor der letzten. Der letzten- Dem Heizungskeller, ganz eindeutig. Vorsichtig ging er auf sie zu und wollte gerade das Gerümpel zur Seite räumen, als er Marinna oben hörte. „Brauchen Sie Hilfe bei der Plane?“ „Nein, es geht schon.“ Sherlock suchte eilig, fand das Ding, dass wie ein Teppich zusammengerollt war und griff noch einen Ständer, der so aussah als würde er dazugehören, dann bahnte er sich wieder einen weg nach oben. Wenigstens wusste er jetzt, wo der Heizungskeller war.
Während er das Ding errichtete malten die Kinder emsig an ihren Vorlagen. Viele hatten sie ausgemalt, obwohl man es bei einem Schatten gar nicht sah, aber Holmes war zu beschäftigt mit dieser komischen Konstruktion, als dass er sie darauf hinweisen würde.
Brachte ja letztendlich eh nichts. Nachdem alle Formen ausgeschnitten, an Schaschlik Spieße geklebt und in die Hand genommen waren versuchten alle, mit einer Taschenlampe bewaffnet, ein Bild an die Leinwand zu werfen. Holmes saß dahinter und passte auf, dass sich niemand den Kopf einschlug. Das war seine Aufgabe und mehr würde er auch nicht machen.

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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Di Nov 18, 2014 10:52 pm

Während Sherlock mehr oder minder fröhlich die Schattenspiele der Kinder beobachtete, kam aus der Küche bereits ein herrlicher Duft. Jedes der Kinder durfte sich gerade mal daran probieren, einen Käse an der Reibe zu reiben. Natürlich unter wachsamen Blicken des Doktors, während bei den Kindern munter weiterdiskutiert wurde, ob sie den nicht mal einen Tag machen könnten, an denen ihre Eltern mit in den Kindergarten durften und einen Tag mit ihnen verbringen könnten. „Die können ja dann auch mit uns Kochen,“ meinte Sophie euphorisch und klaute sich etwas von dem geriebenen Käse, worauf sie von Humphrey, der gerade dabei war ein Häufchen Käse zu reiben, nur schief angeblickt wurde. Die Nudeln köchelten gemächlich vor sich hin und die Hackfleischsoße war bereits fertig, wärmte jetzt nur noch in der Pfanne auf. „In Ordnung, sieht so aus, als könnten wir das Essen schon mal in den Essensraum stellen und die Tische decken“, erklärte der Arzt und die fünf Kinder sahen sich begeistert an. Sie durften das Essen, dass sie heute gemeinsam gekocht hatten, persönlich in den Essensraum tragen. Tischdecken war nicht ganz so eine freudige Angelegenheit, aber unter der Anleitung von John würde auch das recht schnell von statten gehen. Der Arzt siebte das Wasser aus den fertigen Nudeln und lies diese zurück in den Topf wandern. Die soße füllte er in eine Soßenschüssel und den Käse in eine Schale. Den Käse reichte er Sophie. „Aber ja nicht noch mal Naschen, sonst haben die anderen nichts mehr von eurem Käse“, mahnte John mit einem lächeln und reichte Humphrey die Soßenschüssel. Den Topf mit Nudeln übernahm er selbst. Zwei weiteren Jungs, die soeben traurig drein blickten, da sich nichts tragen durften, wurde schon mal der Auftrag gegeben, alle Untersetzter zusammen zu suchen, die sie finden konnten. Natürlich wussten die Jungs wo jene Untersetzer waren, also dürfte das kein Problem sein. Mit den Humphrey, Sophie und einem weiteren Mädchen, Alina, machte sich der Arzt in den Essensraum auf. Der Arzt ging mit dem Nudeltopf voran, Humphrey, Alina und Sophie folgten. „Meine Mum kocht jeden Tag mit mir!“ verkündet auf dem Weg zum Essensraum Alina stolz. „Also bei mir mein Dad“, erklärte Sophie und dann folgte die Frage an Humphrey ob dein seine Eltern mit ihm kochten. „Wie denn, meine Dad ist viel unterwegs und meine Mum hat wegen ihrer Arbeit auch nicht so viel Zeit“, antwortete er geknickt. John belauschte die Gespräch nur so nebenbei. Was genau der Vater von Humphrey nun machte, irgendwas mit Politik wohl, wusste er nicht. Aber es musste schon etwas ganz wichtiges sein, dass sein Vater nicht oft zu Hause war.
Watson stellte den Nudeltopf auf einen viereckigen Tisch im Esszimmer ab. Die Wolken hatten sich schon wieder so gut verdunkelt, dass der Raum bald wieder mit Licht beleuchtet werden musste, damit man etwas gut erkennen konnte. Im Radio, welches gleichzeitig auch CDs abspielen konnte, lief immer noch unbemerkt das Lied Stayin alive, wie Dauerschleife. Humphrey und Sophie stellten Teller mit Käse und Soßenschüssel ebenfalls auf jenen Tisch mit dem Nudeltopf ab. „Und was jetzt?“ fragte Alina. „Jetzt decken wir die Tische. Besteck und Teller. Ihr stellt die Teller schon mal auf die Tische, jeweils vier und ich such nach dem Besteck. In Ordnung?“ die Drei nickten und machten sich auf dem Weg zu den hinteren Schränken im Raum, um dort nach den Tellern zu suchen. Humphrey öffnete ein Regal, nahm so viele Teller wie er tragen konnte und wankte damit zu den Tischen. Dabei musste er aufpassen, keines der Teller fallen zu lassen, weil er sich ja ganz klar wieder mal überschätzt hatte. Alina und Sophie hingegen nahmen so viele Teller, wie sie leicht tragen konnten und verteilten diese ziemlich falsch summend zu dem Lied auf den Tischen. John machte sich derweilen an einem kleinen Schrank in den Schubladen nach Gabel und stumpfe Messer suche. „Ich glaube die sind ganz rechts in der Schublade, Johnny!“ rief Humphrey ihm zu, der die Teller ziemlich Lustlos auf den einzelnen Plätzen verteilte, im Gegensatz zu seinen zwei Freundinnen. John nickte dankend und durchwühlte die rechte Schublade, wo er dann auch endlich das fand, was er gesucht hatte. Der Arzt nahm sich dem Besteck an, hatte noch ein paar Unterleger für den Nudeltopf und die Suppenschüssel gefunden, die er dann auch sogleich unter beidem auf dem Tisch verteilte und zurechtrückte und dann neben den gedeckten Tellern auf den anderen Tischen das Besteck hinzulegte. Diesmal achtete der Arzt etwas darauf, was die Mädchen so vor sich hin summten, von was sie summten, als er das Radio wieder registrierte. Erst viel dem Arzt nicht auf, dass sich ein Lied immer wieder wiederholte, daher deckte er weiter die Tische, drehte eine Gabel, platzierte ein stumpfes Messer und blickte kurz aus ein paar Fenstern, an denen der Wind erbarmungslos rüttelte, als wollte er in den Raum gelangen. Der Arzt blickte auf, als er seinen Namen aus der Küche rufen hörte, als ihm ein Teil des Liedes nun direkt in die Ohren drang: Stayin´ alive. Dieser Teil wiederholte sich ein paar mal mit dem einem bekannten Rhythmus und Sound. John kam es so vor, als hätte er die Musik heute schon wieder gehört, als käme sie ihm bekannt vor, als ein Teil der Musik sich wiederholte, den man auch gut als Klingelton hätte verwenden können. Genau bei diesem Gedanken sah er auf und fixiert wie erstarrt das Radio, das an einem Fenster stand. In seiner Bewegung eine Gabel hinzulegen, hatte er inne gehalten. Stayin´ alive. Der Klingelton, jener Klingelton der im Schwimmbad ertönt war. Moriarty hatte diesen Klingelton auf sein Handy, so markant, dass es unüberhörbar war. Wie konnte John also das Lied nicht gleich aufgefallen sein? Der Herzschlag des Arztes erhöhte sich kurz. Moment, das Lied, hieß es wirklich Jim war hier gewesen, er höchstpersönlich, nicht seine Handlanger? Die Vorstellung, dass dieser Wahnsinnige wirklich Nachts durch den Kindergarten spazierte, war irgendwie verrückt. Der Arzt schluckte. Er sah praktisch die Szene wieder vor sich. Sherlock, Er und Moriarty gegenüber im Schwimmbad. Allein ein Anruf hatte sie wohl vor schlimmeres bewahrt. Die Kinder in der Küche wurden schon ganz ungeduldig, weil sie nun immer noch nicht genau wussten, wie viele Unterlagen sie für die Teller mitnehmen sollten, daher riefen sie auch immer wieder nach John, doch der gerufenen kam nicht. „Johnny, was ist das für ein Lied? Wie heißt es?“ wollte Humphrey wissen, der das Gesumme der Mädchen schon nervig fand. Doch der Arzt registrierte die Frage des Jungen nicht, er war viel zu beschäftigt damit sich den Kopf zu zerbrechen, ob Moriarty wirklich so wahnsinnig war selbst im Kindergarten vorbeizusehen und zu einem Kaffee noch seinen Musikgeschmack  zurückließ. „John?“ rief nun Sophie fragend aus, doch übertönte sich die Jungs in der Küche nicht, die ebenfalls nach Watson riefen um endlich die benötigte Anzahl an Unterlagen für die Teller zu erfahren. „John!“ riefen nun die drei Kinder im Essensraum, weil es ihnen schon langsam komisch vorkam, dass zu einem dieses Lied sich dauernd wiederholte und zum anderen, dass John nicht mal mehr auf das Wörtchen Johnny reagierte. „Reichen die Teller?“ versuchte es Sophie mit einer Frage. Alina zog ihr mit folgender Frage gleich: „Sollen wir die anderen zum Essen holen?“ Weder ein Nicken noch ein Kopf schütteln folgte. „Johnny“ quengelte Humphrey. Er wollte endlich wissen, was da für ein Lied lief. Doch der Arzt überlegte sich gerade, ob Moriarty mit diesem Lied irgendeine Botschaft hinterlassen wollte. Ob da wirklich eine CD mit immer dem gleichen Lied eingelegt wurde?
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BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   Do Nov 20, 2014 7:07 pm

Holmes schlug sich leicht mit der flachen Hand auf die Wange, nachdem er ein drittes Mal fast weggenickt war. Dann gähnte er und sah zu, wie die Kinder sich untereinander fragten, warum die Farben im Schatten nicht zu sehen waren. Er hielt es nicht für nötig sie aufzuklären und streckte sich kurz, dann stand er auf. Ein Geruch war schon in seine Nase gestiegen und er selbst hatte auch ein wenig Hunger, deshalb wollte er dem hier so schnell wie möglich ein Ende machen. Mit einem kurzen Ruck an der Reißleine wanderte die Plane wieder in ihre Rollenform und er scheuchte die Kinder in den Essensbereich, bevor er Metallgestänge und Leinwand wieder trennte und neben Marinnas Büro legte. Dann verschwand er auch Richtung Esszimmer.
Sherlock erkannte John natürlich sofort unter den Kindern. Er schien nicht sehr positiv drauf zu sein. Zumal er die Kinder vernachlässigte. „Du da!“ Sherlock wandt sich zu einem Mädchen, Sophie oder so. „Die Teller reichen. Und wenn nicht esst ihr halt mit den Händen!“ Während sie mit einem breiten Lächeln abschwirrte wandte der Detektiv sich zu dem anderen Mädchen. „Und du holst die anderen.“ Sie verschwand auch. Holmes schaute jetzt zu seinem Freund runter.
„Ich denke, ich werde auch etwas essen. Das ist nicht zu schlimm, ich habe mal etwas gefrühstückt und bin an dem Tag noch einen Bus gefahren, um einen Fall zu lösen.“ Dann zog er die Augenbrauen zusammen und sah sich seinen Freund genauer an. Er schien… Abwesend. Abgelenkt… Was sollte das?
Es musste Musik sein, wenn er es richtig einschätzte, wie John da stand und nachdachte, Musik, die ihn an etwas erinnerte, vorzugsweise nichts Gutes… Oh ja, da war ja was…
Musik blendete Sherlock eigentlich aus, wenn sie nicht von ihm kam, so wie er Mrs Hudson permanent ausblendete, aber das hätte er vermutlich nicht tun sollen.
„Ach ja.“ Sagte er und sah zu dem CD-Spieler. Dann sah er nochmal kurz zu seinem Freund und entschuldigte sich, weil er das Lied jetzt leider unterbrechen musste. Kaum hatte er das getan ging er zu dem Radio und öffnete die Klappe für die CDs. Aber sie war leer. Sherlock legte verwirrt die Stirn in Falten, dann schaute er auf einen Schalter und der Ausdruck vertiefte sich. Der Schalter war auf Radio eingestellt, aber es kamen keine Moderatoren und das Lied lief in Dauerschleife.
Plötzlich begann es zu knistern und zu rauschen, aber nur ganz Leise und plötzlich erstarb der Ton mitten im Stayin‘. Holmes drehte sich um und schaute zu dem Fenster hinaus, das er genau dort vermutet hatte. Ein Baum auf dem Gegenüberliegenden Grundstück war zu sehen, aber nicht sehr viel, der Winkel war zu schräg. Der Detektiv eilte die paar Schritte und lehnte sich an die Fensterbank. Aber er sah nicht viel, und ehe er genauer schauen konnte hatte Marinna ihn sprichwörtlich am Kragen gepackt und er stolperte ein paar Schritte rückwärts, bevor er seine Fassung wieder hatte und auf einen Stuhl niedergedrückt wurde.
„Wenn die Kinder auch nur einen Flecken Tomatensoße auf ihren Hemden haben sage ich ihren Erziehungsberechtigten, dass Sie für sie waschen!“ zischte die Erzieherin ihm dann ins Ohr und drückte ihm einen Teller in die Hand, auf dem sich Nudeln tummelten. Also gab Holmes sie dem nächsten Kind und machte das mit jedem, bis scheinbar auch die Letzten etwas vor sich stehen hatten.
Der Detektiv selbst hatte auch etwas genommen, allerdings keine Soße und versuchte, eine Nudel auf seine Gabel zu hieven. Leider wehrte sie sich furchtlos und nachdem Sherlock zum sechsten Mal erfolglos versucht hatte, sie mit dem Messer auf die Gabel zu schieben, gab er es auf und wandte sich einer anderen zu.
Essen war nicht grundlegend schlecht für ihn, er war auch ein Mensch, er brauchte auch diese… Kohlenhydrate und all das Zeug, und er aß natürlich auch, aber er tat es nicht oft und nicht gerne. Zwei kleine Mahlzeiten waren doch wirklich genug. Obwohl er schon mal mit weniger ausgekommen war, aber das wollte er wirklich niemandem empfehlen, zumal sein Hauptlebensmittel damals Nikotin gewesen war. Und davor zusätzlich ein paar andere Sachen.
Gut, dass die Zeiten vorbei waren. Sherlock sah kurz zu John, aß aber schon bald wortlos weiter.

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John Watson
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~Der Charakter~ :
Mein Name ist John Watson und ich bin auf den Tag genau 40 Jahre alt. Ich wurde in London geboren und wohne heute in London. Beruflich bin ich Arzt. Außerdem bin ich bekannt als hoffentlich doch loyaler Freund und guter Arzt. Aktiv im Inplay? Ja, seit dem 18.11.14



BeitragThema: Re: Mini-Nebenplay | John, Sherlock und der Kindergarten   So Nov 23, 2014 4:27 pm

Der Arzt bekam nicht wirklich mit, dass die Kinder nach ihm riefen, weil jeder etwas anderes wissen wollte. Er konzentrierte sich nur auf die Melodie, sein Kopf wollte ihm irgendetwas sagen, doch was? Die Melodie, sie war so bekannt, so fest verankert in Johns Gedächtnis, dass er sie eigentlich überall wiedererkennen müsste. Er kannte dieses Stayin´ alive, dass immer im Refrain ertönte, er roch das Chlor um sich herum. Moment. Warum Chlor? Achso, das Schwimmbad, das plätschern des Wassers, die roten Lichtpunkte, Scharfschützen. Genau, damals im Schwimmbad. Das war es, die Weste mit Sprengstoff, Moriarty und Sherlock. Das Klingeln, der Handyton Moriartys. Der widerholte sich nun hier im Essensraum immer wieder, immer wieder die gleiche Melodie, das gleiche Lied, die gleichen Töne. Von dem CD-Player. Der Arzt hörte neben sich jemanden reden, dumpfe. SherlocK? Busfahren, Fall, Wortfetzen vernahm der Arzt nur und schloss dann darauf, dass Sherlock neben ihm etwas erzählte. Weswegen gleich noch mal? Dann bemerkte er, wie sich Sherlock in Bewegung setzte um wahrscheinlich dem Lied ein Ende zu setzen. Ok, ruhig. Das war nur ein Lied, ein Lied von Moriartys Handy…Moriarty! Wer selbst könnte den so verrückt sein und dieses Lied abspielen lassen, wenn nicht er selbst? Aber aus welchem Grund? Was will er damit sagen? Das er hier ist? Hat er das nicht schon bewiesen? Also bedeutet das, dass nicht irgendein Handlanger von Moriarty hier sein Unwesen bei Nacht treibt, sondern wirklich Moriarty hier unterwegs war und es in der kommenden Nacht vielleicht wieder ist? Moriarty, dieser Typ regte in John schon seit langem einen Groll. Wie konnte man nur so herzlos, hinterhältig und verbrecherisch wie dieser Mann sein?
Watson hob den Blick auf den CD-Player, der zugleich auch ein Radio war. Dann verstummte das Lied und wenig später rannte Sherlock schon zu einem Fenster, kurz und hektisch. Was war los? John runzelte die Stirn. Halt, da war keine CD in dem Player, stimmt. Das Lied hatte einfach so gestoppt, wie als hätte jemand beobachtet, dass Sherlock das Lied von selbst ausmachen wollte. Hieß das, Moriarty manipulierte einfach so den Radiosender? Gut, er hatte schon einiges getan, da war das wohl nur eine Kleinigkeit für ihn. Eine andere Erkenntnis war aber viel wichtiger. Moriarty schien irgendwo seine Augen zu haben, den Kindergarten vielleicht zu beschatten. Oder warum sonst war das Lied nun so abrupt vorbei gewesen? Watson blickte sich kurz um, wachsam, als könnte er vielleicht irgendwo eine versteckte Kamera ausfindig machen. Gerade als John zu Sherlock gehen wollte und die Sache noch mal Ansprechen wollte, da nahm sich Marinna ihm an, trug ihm wohl auf das Essen zu verteilen und das sich die Kinder ja bloß nicht vollkleckern sollten. Watson zog sich selbst zum Nudeltopf zurück um die angerannten Kinder aus dem Aufenthaltsraum ein paar Teller mit Nudeln, Soße und Käse zu bringen. Natürlich waren die Nudeln in mehreren Hälften auseinander gebrochen worden, noch bevor sie im Topf gelandet waren. Damit alles auch schon Mundgerecht für die Kleinen war. Nachdem das Essen verteilt war, hatte sich der Arzt an einem Geschirrschrank zurückgezogen und beobachtete die Meute an hungrigen Kindern, denen das Essen wohl recht gut bekam. Zumindest besser, als bei Marinna gestern. Aber das verkündete der Arzt natürlich nicht laut. Er wäre doch nicht Lebensmüde die Kochkünste einer Frau in Frage zu stellen. Watson wollte lieber den Kindern die Portionen lassen. Schließlich sollten die Kleinen ja groß und stark werden. Altbekannte Worte die der Arzt selbst aus seiner Kindheit kannte. Und Sherlock durfte auch mal etwas zu sich nehmen. Der Kindergarten, in dem er sozusagen ein Vorbild sein musste, war doch perfekt um mal mehr als nur ein Salatblatt und Tee zu sich zu nehmen.
„Die Kinder finden es ganz toll, dass sie heute mit Ihnen Kochen durften“, erklärte Nina. Sie erschien neben John, während Marinna sich selbst darum kümmerte, dass die Kinder nicht allzu sehr kleckerten. „Mir war es auch eine ganz besondere Freude mit den Kleinen zu Kochen“, antwortete John mit einem lächeln. „Die Kleinen lernen dann auch, dass es wichtig ist sich ausgewogen zu ernähren. Man nicht immer alles in Fertigverpackungen kaufen muss,“ antwortete der Arzt  und beobachtete süffisant, wie Sherlock versuchte, eine Nudel auf die Gabel zu schieben. „Klingt ja fast so, als kennen Sie sich in dem Gebiet aus,“ ertönte Ninas Stimme wieder. „Hm? Nein, nein. Ich bin nur Arzt. Ausgewogene Ernährung gehört sozusagen zum Wissensstandard eines Arztes. Zumindest teilweise. Auch wenn ich mich selbst nicht immer daran halte." Nina nickte nur. „Im übrigen ist mir aufgefallen, dass Gwyneth ihren Freund ganz lieb gewonnen hat, auf eine seltsame Art und Weise“, sagte die Erzieherin dann wieder nach einem kurzen Schweigen. „Ja, das ist mir auch aufgefallen. Gwyneth ist ja mit Anderson Verwandt, richtig?“ fragte John und blickte zu der Erzieherin, welche erneut nickte. „Komisch, normalerweise hasst Anderson Sherlock. Er muss ja nicht so angetan davon sein, dass Gwyneth Sherlock mag“, erklärte John. „Wieso hassen sich ihr Freund und Phillip eigentlich?“ fragte Nina nach. John zuckte die Schultern. „Ich denke hass ist es nicht so wirklich, aber das Zanken war schon, als ich das erste mal mit Sherlock an einem Tatort war“, antwortete John. Nachdem so ziemlich alle Kinder fertig waren und sich von Nina ein Bonbon abholten, durfte Sherlock von Marinna beordert die Tische abputzen und der Arzt mit den Kindern das Geschirr in die Spülmaschine räumen, während Marinna und Nina für die Mittagsruhe im Aufenthaltsraum ein paar Kissen und Decken zusammen suchen. Nach dem Mittagessen sollten die Kinder heute wohl ein wenig zur Ruhe kommen. Watson schickte die Kinder, die ihm beim aufräumen des Geschirrs geholfen hatten, nach getaner Arbeit zu den Erzieherinnen in den Aufenthaltsraum. Eigentlich war das perfekt. So konnte John ungestört mit Sherlock das weitere Vorgehen bereden. Denn offensichtlich wurde dieser Kindergarten doch von irgendjemandem beschattet. Zumindest kam es dem Arzt so vor. John machte sich in den Essensraum auf, schnappt sich einen weiteren nassen Lappen, der im Eimer mit lauwarmen Wasser lag und neben einem Tisch stand. „Sie hätten ruhig ein wenig Soße nehmen können. Nudeln trocken zu Essen, ist nicht ganz so schmackhaft,“ meinte der Arzt, mit einem kurzen Blick zu Sherlock, dann begann er einen Tisch mit ein paar Spritzern Tomatensoße zu säubern. Der Himmel, mit Wolken grau überzogen, leuchtete ein paar mal auf. Weiter weg waren Blitze und Donner zu hören. Heute schien das Wetter aber nicht ganz so kräftig, wie gestern. Man sollte sich wohl nicht immer auf den Wetterbericht verlassen. Watson drehte den nassen Lappen einmal und räusperte sich kurz. „Stayin´ alive…“ fing John an „…hat Moriarty den Radiosender manipuliert, dass dieses Lied kam? Will er sich damit etwa ankündigen?“ fragte der Arzt, wandte sich einem anderen Tisch zu. „Glauben Sie, dass er hier vielleicht Kameras versteckt hat, um das Geschehen im Kindergarten zu verfolgen? Aber welchen Nutzen verspricht er sich davon? Schließlich haben die Kinder noch keinen wertvollen Schmuck oder sind Politiker also …,“ der Arzt putzte gerade einen besonders großen Tomatenfleck vom Tisch, als er seine Worte noch mal im Geiste wiederholte und dann bei seinem Satz stehen blieb. Die Kinder war keine Politiker, nein, bei weitem nicht. Aber was war mit den Eltern?   ``…Er ist Politiker und hat viel Einfluss in seiner Position´´ kam ihm da ein Satz von den Kindern wieder in den Kopf. Da viel der Groschen, genau! Das war das, was John als äußerst seltsamer Zufall vorkam. „Humphreys Vater ist Politiker.“ Hatte das etwa etwas mit Moriarty zu tun?
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